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Studierende im Porträt: Shoaib Iqbal - „Wir möchten die Bildung feiern“

11.03.2019 ‚The Little Art‘ ist ein gemeinnütziger Verein für künstlerische Erziehung für Kinder und Jugendliche und liegt dem 38-jährigen Informatiker besonders am Herzen. Um die Bildungs- und Kulturarbeit weiter zu verbessern, studiert der Pakistani online an der Professional School den berufsbegleitenden Master Arts and Cultural Management.

„Es ist ein Segen, dass ich nach all den Jahren einen Masterstudiengang in Kunst- und Kulturmanagement absolvieren kann. Ich habe an meiner Universität in Pakistan Informatik studiert. Aber ich habe mit dem Thema nur eines gemeinsam: eine Hassliebe. Meine Familie wünschte sich eine angesehene und lukrative Karriere für mich. Ich habe versucht, mich beruflich in der Informatik einzubringen, schaffte es aber nicht, weil mein Herz nicht dabei war. Ich hatte immer eine kreative Ader: Mein Vater besaß eine Stoffhandlung. Ich erinnere mich, dass ich als Teenager jeden Tag hin ging und ein paar Stunden dort verbrachte. Kunden zu helfen interessierte mich weniger als die Designs, Muster, Farben und Texturen, die um mich herum waren.
Heute bin ich selbst Vater von zwei Kindern und schon lange im Geschäft. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, wieder zu studieren. Aber der Master Arts and Cultural Management ermöglicht es mir, weiter zu arbeiten. Ich bin über das Goethe-Institut auf den Kurs gestoßen. Die Leuphana hat mich mit ihrem interdisziplinären Ansatz und der Möglichkeit, online zu studieren, überzeugt. Ich war selbst schon in Lüneburg und habe mich sofort in die Kleinstadt verliebt. Im Jahr 2007 rief ich ‚The Little Art‘ ins Leben. Es ist ein gemeinnütziger Kunsterziehungsverein, der Kultur und Kunst nutzt, um soziale Werte bei Kindern und Jugendlichen in Pakistan zu fördern. Wir wollen nicht lehren, wir wollen Bildung feiern! Mit innovativen Kunstfestivals und kreativen Bildungsprogrammen wollen wir das Selbstvertrauen von Kindern und Jugendlichen stärken und ihnen helfen, ihre Träume zu verwirklichen. Leider haben viele Kinder in Pakistan oft keine Gelegenheit, künstlerisch zu arbeiten. Kunst bietet Kindern eine einfache Möglichkeit, sich auszudrücken. In diesem Prozess des Ausdrucks werden sie zu erfolgreichen Menschen, wenn auch nur im Umgang mit kleinen Dingen.

Unser Lahore International Children's Film Festival (LICFF) zieht jedes Jahr fast 40.000 Zuschauer an. Zum Beispiel schauen sich Kinder einen ausländischen Film an und erkennen, dass die Welt größer ist als ihre Vorstellungskraft. Sie erleben Menschen, die anderen Religionen oder sozialen Schichten angehören. Dies kann Vorurteilen entgegenwirken. LICFF organisiert auch einen Filmwettbewerb für Jugendliche unter 18 Jahren zu den Themen der vergangenen Jahre, und 2019 wird der Schwerpunkt auf den geschlechtsspezifischen Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen liegen. Wir organisieren auch die Ausstellung ‚ArtBeat‘. Sie begann 2001 in kleinem Rahmen und hat sich seitdem zu einem nationalen Wettbewerb entwickelt. Fast 15.000 Kinder und Jugendliche aus ganz Pakistan nehmen am Wettbewerb teil. Bei unserem Tamasha Festival der darstellenden Künste für Kinder und Jugendliche bringen sie ihre kreativen Ausdrucksformen ins Theater ein. Verschiedene Schulen nehmen teil und es wird halbjährlich von fast 13.000 Menschen besucht. Im Projekt ‚Mädchenrecht auf Bildung‘ konnten wir mit der UNESCO zusammenarbeiten. In abgelegenen Gebieten Pakistans wurden mehrere Workshops zur Lehrerausbildung durchgeführt, um die Einschreibung und Bindung von Mädchen an Schulen durch kunst- und handlungsorientiertes Lernen zu erhöhen.
Mein Arbeitstag ist herausfordernd, aber angenehm. Bei ‚The Little Art‘ sind wir ein Team von elf Personen, die Organisatorisches besprechen und Probleme lösen. Manchmal kann ich den Nachmittag nutzen, um für mein Studium zu arbeiten. Alles, was ich bisher an der Leuphana Professional School gelernt habe, steht in direktem Zusammenhang mit meiner Arbeit. Ich habe gerade an der kulturellen Produktion gearbeitet. Es ist für mich spannend zu sehen, wie unsere Arbeit in die historische Perspektive der Kunst- und Kulturwelt passt. Ich genieße es wirklich, online zu lernen. Es ist sehr herausfordernd und irgendwie schwieriger als ich es mir vorgestellt habe, es fordert mich wirklich heraus, an meine Grenzen zu gehen. Das gefällt mir.“

Der Studiengang im Video (3:30 Minuten)


Aufgezeichnet von Marietta Hülsmann