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Studierende im Porträt: Leonie Kellerhof – Einmal Asien und zurück

29.04.2019 Bald wird die 22-Jährige nicht nur ihre Bachelor-Urkunde in „Digital Media“ in der Hand halten, sondern auch einen Abschluss im B.A.-Studiengang „Creative Media“ der City University of Hongkong haben. Teilnehmende des Joint-Degree-Programms studieren zwei Jahre in China.

Etwa auf der Höhe von Kirgisistan wurde Leonie Kellerhof in ihrem Flugzeugsitz doch etwas mulmig. Zwei Jahre in einer fremden Kultur leben? Etwa 13 Flugstunden von daheim entfernt? Außerdem hieß es, sie müsse ihr Zimmer im Studierenden-Wohnheim mit einer Unbekannten teilen. Was, wenn sie sich nicht mit der anderen Studentin verstehen würde? „Dabei war mir schon während meiner Schulzeit klar, dass ich auch gern im Ausland studieren möchte“, erinnert sich Leonie Kellerhof. Mit 15 war sie für ein halbes Jahr als Austauschschülerin in Irland: „Die Erfahrung hat mir geholfen, den größeren Schritt nach China zu gehen.“ Bereut hat sie ihn schon nach einer Stunde in Hongkong nicht mehr. „Ich war sofort fasziniert und habe mich wohlgefühlt. Die Betreuung war hervorragend“, erzählt Leonie Kellerhof. Mit ihrer chinesischen Mitbewohnerin verstand sie sich auch gut. „Ich habe viele Freunde in Hongkong gefunden.“

Mit manchen hat sie nächtelang für Prüfungen gelernt oder Studienleistungen vorbereitet. „Das Institut für Creative Media ist sehr professionell ausgestattet mit Schnitträumen, Video-Stationen oder 360-Grad-Beamern. Es wird großen Wert auf praktische Anwendung der gelernten Theorien gelegt“, berichtet Leonie Kellerhof. Aber der Druck sei auch hoch: „Die Konkurrenz unter den Studierenden ist größer als in Deutschland. Ein Studium soll in erster Linie auf eine berufliche Karriere vorbereiten.“ Auch der Blick auf eine demokratische Gesellschaft sei anders als in Deutschland: „Demokratisierung ist seit dem Ende der Regenschirm-Proteste 2014 dort immer weniger ein Thema. Vielmehr machen sich die Menschen Gedanken über den zunehmenden Einfluss der chinesischen Regierung. “ Noch hat Hongkong einen Sonderstatus. Für Leonie Kellerhof, die im Minor Politikwissenschaft studiert, bietet die Acht-Millionen-Stadt einen einmaligen Blick auf China: „Hongkong ist Treffpunkt zwischen Ost und West. An der einen Ecke findet man Filialen europäischer Modeketten, an der anderen traditionelle Suppenküchen oder einen Tempel.“ Ans Mensa-Essen musste sie sich allerdings erst gewöhnen: „Bei den chinesischen Gerichten gab es fast nur Fleisch und Reis. Gemüse wurde kaum angeboten“, erinnert sich Leonie Kellerhof. Umso mehr liebte sie es mit Freunden durch die Stadt zu ziehen, in Cafés zu sitzen oder auf Märkten traditionelles Essen zu probieren. „Die Stadt scheint nie zu schlafen. Auch nachts ist es überall voll. Ich habe mich nicht einmal unsicher in Hongkong gefühlt“, berichtet die Studentin.

Für Leonie Kellerhof ist das Studium an zwei Universitäten in vielerlei Hinsicht ein Gewinn. „Ich verstehe Menschen mit anderen Einstellungen jetzt besser. Sie sind genau wie ich durch das System geprägt, in dem sie groß geworden sind.“ Die ersten drei Semester des Joint-Degree-Programms verbringen die Teilnehmenden an der Leuphana, dann lernen sie zwei Jahre in Hongkong. Im achten Semester studieren sie wieder an der Universität Lüneburg. Leonie Kellerhof wird demnächst ihre Bachelor-Arbeit schreiben. Nach dem Abschluss an der Leuphana würde sie gern wieder in China studieren – gerade, weil das Land in der Welt immer bedeutender wird: „Durch den Joint Degree habe ich dort gute Chancen auf einen Studienplatz.“



Autorin: Marietta Hülsmann