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Waldgarten Reallabor: Projektseminar arbeitet an der Realisierung eines Waldgartens in Lüneburg

11.06.2019 Studierende der Umweltwissenschaften begleiten in einem Nachhaltigkeitsforschungsprojekt gemeinsam mit Dr. Agnes Friedel und Stefanie Albrecht den partizipativen Prozess der Entstehung eines Waldgartens in Lüneburg.

„Ein Waldgarten ist ein strukturreicher, naturnaher Ort, wo essbare Pflanzen angebaut werden, der aber auch viele andere Funktionen haben kann“, erklärt Stefanie Albrecht, Doktorandin der Forschungsgruppe „Processes of Sustainability Transformation“. Der Grundstein des Projektes „Waldgarten Reallabor“ wurde auf einem Vernetzungstreffen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ gelegt. Albrecht traf dort auf Menschen, die die Idee eines Waldgartens in Lüneburg unterstützten. Bald wurden 5000 qm2 im Stadtteil Volgershall ausgewählt und das begleitende inter- und transdisziplinäre Projektseminar gestartet. Das Projektseminar „Waldgarten Reallabor: Nachhaltige und multifunktionale Flächennutzung im urbanem Raum“ erarbeitet eine Vision und Konzepte, um den Waldgarten in Lüneburg in die Realität umzusetzen. Dazu gehört auch das Miteinbeziehen der anliegenden Einrichtungen und der lokalen Bevölkerung. Die Bepflanzung wird aus Bäumen, Sträuchern und Kräutern bestehen, die ein vielschichtiges Profil bilden. Damit bietet ein Waldgarten Raum für Artenvielfalt, Lebensmittelproduktion, aber auch für gemeinschaftliches Gärtnern, Begegnungen und Erholung. „Das Schöne an einem Waldgarten ist, dass man ihn fokussiert auf die Wünsche der Akteur*innen und die individuellen Nachhaltigkeitslösungen ausrichten kann“, ergänzt Albrecht.
Waldgärten können als nachhaltiges Gegenkonzept zu intensiven Bewirtschaftungen, etwa Monokulturen, gedacht werden. „Eine Kastanie beispielsweise trägt 200 Jahre Früchte, braucht aber erstmal 10 bis 20 Jahre, um wirklich produktiv zu sein“, sagt Albrecht. Kastanienmehl wäre gegenüber den üblichen Mehlen aus Getreide deutlich nachhaltiger. Aufgrund der langen Wachstumsphase kommen Kastanien für intensive Bewirtschaftungen (bislang) nicht in Betracht. Waldgärten dagegen geben ihnen einen Raum.

Alternative zu Monokulturen

Seit 2010 sind in Deutschland etwa 40 Waldgärten entstanden. Die Vorteile von Agro-Forstsystemen nutzen auch schon vereinzelt Landwirt*innen, welche Gehölzstreifen in Ackerflächen integrieren. „In solchen Extremsituationen, wie wir sie jetzt teilweise im Sommer haben, sieht man, dass Monokultur nicht funktioniert. Die Landwirt*innen merken, dass ihnen die Pflanzen auf dem Acker vertrocknen und sie andere Strukturen brauchen“, sagt Dr. Agnes Friedel, Lehrende im Bereich Ökologie. Ein Waldgarten bietet durch seinen vielschichtigen Aufbau eine Struktur, die Schatten spendet, Bodenerosionen vermindert und einem weiteren Absinken des Grundwasserspiegels vorbeugt.

Studierende der Umweltwissenschaften wählen im vierten Semester ein Forschungsprojekt der Nachhaltigkeitswissenschaft aus, welches sie ein Semester lang begleiten und umsetzen. Die Studierenden Bent Rech und Britta Sieling entschieden sich für das Waldgarten-Projekt, weil es sehr inter- und transdisziplinär und facettenreich ist. „Ich finde es sehr spannend, dass der Waldgarten das Potential hat eine gesunde Mensch-Natur-Beziehung wiederzuentdecken und aufzeigt, dass Mensch und Natur zusammen existieren können.“, sagt Bent. Britta kümmert sich gemeinsam mit anderen Studierenden des Seminars um die Kommunikation außerhalb der Universität: Flyer erstellen und überlegen, wie man die Idee des Waldgartens greifbar für jede*n machen kann. „Das ist genau der Knackpunkt: Wie erreichen wir auch Leute, die noch nie mit diesem Thema zu tun hatten?“ Beide schätzen die Langfristigkeit des Projektes. „Irgendwann kommt man dann in 50 Jahren als Alumni nach Lüneburg zurück und es gibt einen Waldgarten. Das ist schon eine andere Art von Langfristigkeit als in einigen anderen Projekten“, ergänzt Bent.

Auch auf dem Campus ist ein Projekt geplant. Hinter der Halle 21 soll eine kleine Gilde, ein struktureller Ausschnitt eines Waldgartens, entstehen. Unterstützt wird dieses Vorhaben von dem durch die Nachhaltigkeitsbeauftragte, Irmhild Brüggen, initiierte Projekt „Lebenswelt Campus“, welches unter anderem die Erhöhung der Biodiversität auf dem Campus anstrebt. 


Workshops zur Visionsentwicklung und Strategieentwicklung für den Waldgarten finden am 20. Juni und am 27. Juni jeweils von 17 bis 20 Uhr in UC 11.308 statt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Aus Planungsgründen wird um Anmeldung unter waldgarten@leuphana.de gebeten.

Kontakt

Dr. Agnes Friedel
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Stefanie Albrecht
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Autorin: Gina La Mela