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Ubuntu. Forschungsreise in Südafrika

23.07.2019 Stipendiat*innen des Robert Bosch Graduiertenkollegs „Processes of Sustainability Transformation“ arbeiteten mit panafrikanischen Wissenschaftler*innen zu transdisziplinärer Forschung für Nachhaltigkeitstransformationen.

Die Universität Pretoria ist mit 50.000 Studierenden und hervorragenden Forschungsleistungen die wichtigste Universität in Südafrika. Unter dem Slogan „Imagine Future Africa!“ startete Pretoria das Projekt „Future Africa Campus“, dessen Ziel es ist, transdisziplinäre Nachhaltigkeitslösungen für Afrika zu entwickeln. Eingeladen waren 500 internationale Wissenschaftler*innen aus aller Welt, darunter auch Stipendiat*innen des Promotionskollegs „Processes of Sustainability Transformation“ der Leuphana. Ziel des Aufenthaltes war die Klärung der Frage: Was kann man von der südafrikanischen Perspektive lernen? Die Forschungsreise wurde von der Robert Bosch-Stiftung unterstützt. 

Indaba - die Stärke der Gemeinschaft

„Die Universität Pretoria“, sagt Leiter des Kollegs Prof. Dr. Matthias Barth, „hat einen sehr innovativen Blickwinkel auf Nachhaltigkeit und Transdisziplinarität. Mit dem Future Africa Campus wurde dem Anliegen, Disziplinen übergreifend zu denken und zu arbeiten, Raum gegeben. Deren Programm zur Ausbildung junger Nachwuchswissenschaftler ist eindrucksvoll; wir können hiervon viel zum Thema ‚Leadership‘ mitnehmen.“ Koordinatorin Dr. Lydia Kater-Wettstädt ergänzt: „Die südafrikanische Nachhaltigkeitsforschung sieht sich enormen und existentiellen Herausforderungen direkt gegenüber und agiert gewissermaßen unter Druck. Sie hat zudem eine andere Sichtweise auf Transdisziplinarität, nämlich als kulturell verankert. Das wird auch in der Sprache sichtbar. Nicht im Sinne eines naiven ‚Die Sprache formt das Denken‘, aber wohl darin, das bestimmte Konzepte in südafrikanischen Sprachen leichter zu fassen sind.“ Ein Beispiel wäre das Wort „Indaba“. Auf Zulu bedeutet es „Versammlung von Führern und Dorfältesten“ und steht sinngemäß für die Stärke der Gemeinschaft und des Austausches. Oder das Wort „Ubuntu“: In Zulu (wie auch in anderen Bantusprachen) bedeutet es Nächstenliebe oder Gemeinsinn. Ursprünglich ist es ein offener Begriff (gebildet aus der Wurzel –ntu, Mensch und dem Prefix ubu-, das ein abstraktes Nomen markiert) lädt er zu individuellen Ausdeutungen ein. Ein afrikanischer Teilnehmer des „Imagine Future Africa“-Projekts erklärte es folgendermaßen: „In Afrika haben wir dieses Konzept, das heißt Ubuntu, welches bedeutet, ich bin, weil du bist und du bist, weil ich bin. In der Praxis bedeutet dies, dass jeder von uns das Wohlergehen des anderen an die erste Stelle stellt". Eine Stipendiatin des Graduiertenkollegs, Maike Buhr, kommentiert: „Unser Kolleg hat zwei Schwerpunkte, nämlich Transformation und Nachhaltigkeit. Der Austausch in Pretoria eröffnete viele Einblicke in die Transformationsprozesse im südafrikanischen Kontext und hat mir das das Verständnis von Nachhaltigkeit als nur global gesellschaftlich zu lösende Aufgabe verdeutlicht. Die Ergebnisse des Workshops spiegeln wider, dass es in den unterschiedlichen Kontexten transdisziplinärer Forschung in Afrika um die Reaktivierung von kollektivem, indigenem Wissen und Praktiken geht, die zur Lösung von Nachhaltigkeitsherausforderungen beitragen können.“

Ein Thema das alle Workshops auf einer eher impliziten Ebene durchzog, war die notwendige Emanzipation und De-Kolonialisierung von Forschung und Lehre. z.B. mit der Frage, wie institutionelle Hegemonie überwunden werden kann.


Ein Teil des Campus der Universität Pretoria
Das Environmental Learning Research Centre ist ein südafrikanischer Innovations-Hub für Nachhaltigkeitsforschung.
Der Permakultur-Garten des Sustainability Institutes in Stellenbosch
Das Promotionskolleg: Julius Rathgens, Sprecher Prof. Dr. Matthias Barth, Karoline Pöggel, Maike Buhr, Sadhbh Juarez Bourke, Stefan Hilser, Koordinatorin Dr. Lydia Kater-Wettstädt, Felix Beyers (v.l.n.r.)

Dank der finanziellen Unterstützung der Robert Bosch Stiftung hatten die jungen Forscher*innen der Leuphana Universität sowie die Koordinatorin des Projektes die Möglichkeit, neben Pretoria weitere Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen zu besuchen, die sich der inter- und transdisziplinärer Forschung für Nachhaltigkeitstransformation verschrieben haben. Weitere Stationen der Forschungsreise waren das Environmental Learning Research Centre der Rhodes University, das African Climate & Development Institute, die D-School Kapstadt sowie die Stellenbosch Universität. Dabei stand im Vordergrund, Chancen und Herausforderungen bezüglich nachhaltiger Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarität zu diskutieren.
Weitergehende persönliche Einblicke zu den Stationen im Einzelnen, angefangen mit Pretoria und der „culture of collaboration“ gibt es in den kommenden Wochen auf www.processes-of-sustainability-transformation.org/blog.