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Plurale Ökonomik: Studierende organisieren zusätzliche Seminare

29.07.2019 Vertreter*innen der Initiative „MÖVE“ möchten in ihrem VWL-Studium mehr ökonomische Theorien kennen lernen. Sie finden bei Leuphana-Lehrenden Unterstützung.

Vielfältige Herausforderungen, aber nur eine Denkschule? Vertreter*innen der Pluralen Ökonomik glauben, dass die neoklassische Modellökonomik das VWL-Studium zu sehr dominiert. Auch Sarah Neuffer und Max Kretschmer von MÖVE (Mehr ökonomische Vielfalt erreichen) interessieren sich für alternative Denkmodelle der VWL und wünschen sich dafür mehr Platz in der Lehre. „Das Wirtschaftsmodell der Donut-Ökonomie beispielsweise vereinbart ökologische Grenzen und soziale Mindeststandards “, sagt Sarah Neuffer. 

Damit diese und weitere alternative Ideen in stärkerem Maße Teil der Lehre an der Leuphana werden, haben die MÖVE-Vertreter*innen drei Seminare auf die Beine gestellt, die sich mit Inhalten fern von neoklassischen Gleichgewichts- und Grenznutzentheorien auseinandersetzen. Sie werden im kommenden Wintersemester im Komplementärstudium angeboten. „Wir sind sehr froh über den Zuspruch, der von vielen Seiten kommt, insbesondere über die Unterstützung des Instituts für VWL und dessen Leiter, Professor Thomas Wein. Vielen unserer Professor*innen ist bewusst, dass wichtige Inhalte durch den Bologna-Prozess zu kurz kommen. Für das 21. Jahrhundert braucht es jedoch einen bunten Mix an Perspektiven“, sagt Kretschmer. Auch für historische Ansätze sei zu wenig Platz. „Als Disziplin sind wir doch nur so gut, wie wir uns selbst in Frage stellen. Es ist wichtig zu verstehen, welche Schwachstellen unser globales Wirtschaftssystem aufweist und wie dieses historisch gewachsen ist. Nur so können wir uns überlegen, wie sich Zukunft konkret gestalten lässt.“

Thomas Huth, Professor für Geld- und Kapitalmärkte, wird deshalb im kommenden Semester ein Seminar zur Theoriegeschichte anbieten. Der Nachhaltigkeitswissenschaftler Dr. John-Oliver Engler gibt einen Kurs zu ökologischer Ökonomik . Das dritte Seminar beschäftigt sich mit  Transformation und Ökonomie, geht also der Frage nach, welchen Beitrag die VWL zur Transformation der Gesellschaft leisten kann. Angeboten wird es von Florian Rommel. „Als Gesellschaft müssen wir uns bewusst machen, wo wir stehen und aushandeln, wo wir hinwollen“, erklärt Sarah Neuffer. Die 21-Jährige ist im zweiten Semester des Studium Individuale und möchte ihr Wissen später nutzen, um gesellschaftliche Veränderungen voranzutreiben, etwa in einem Forschungsinstitut oder einer NGO: „Das Kerncurriculum kann nur einen Ausschnitt der Disziplin der VWL bieten. Deshalb nutzen wir das Komplementärstudium, um uns inhaltlich breiter aufzustellen.“ Der Austausch mit Studierenden außerhalb der VWL ist ausdrücklich gewünscht. „Interdisziplinarität ermöglicht uns komplexen Herausforderungen handlungsfähig begegnen zu können“, sagt Neuffer. „Mit der dauerhaften Verankerung von Pluraler Ökonomik im Lehrangebot wäre die Leuphana eine der ersten Universitäten deutschlandweit, die die notwendige Erweiterung der VWL erkannt hat.“

Maik Adomßent unterstützte MÖVE in seiner Rolle als Koordinator des Komplementärstudiums bei der Umsetzung der Lehrveranstaltungen: „Die Studierenden haben sehr gute Arbeit geleistet. Sie brachten nicht nur die Themen für die Seminare, sondern auch die Lehrenden.“ Der Professor am Institut für Umweltkommunikation (INFU) hält ein breites Theorie-Studium und das Kennenlernen verschiedener Denkansätze nicht nur für angehende Volkswirte für wichtig: „Grenzenloses Wachstum ist nicht möglich. Deshalb müssen wir uns weitere, neue Denkmodelle ansehen. Wenn ich als Werkzeug nur einen Hammer kenne, ist meine Welt auch nur voller Nägel.“
 


Autorin: Marietta Hülsmann