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Studierende im Porträt: Ingenieurwissenschaften - „Ein Riesengewinn“

16.12.2019 Ob grundständig oder berufsbegleitend: Die Leuphana bietet an der Professional School, der Graduate School sowie dem College verschiedene Ingenieur-Studiengänge an. Drei Studierende berichten.

Eigentlich hat Benedikt Schadel seinen Traumjob längst gefunden. Der 31-Jährige arbeitet im technischen Vertrieb, hat mit fachlichen Fragen, aber auch mit Menschen zu tun. Nach der mittleren Reife in Baden-Württemberg erlernte der damals 16-Jährige den Beruf des Mechatronikers. Später schloss er zusätzlich mit dem staatlich geprüften Techniker ab. Die Ausbildung gilt als anspruchsvoll. Doch der heutige Wahl-Hamburger wollte mehr wissen: „Ich dachte damals, vielleicht kann ich noch mehr schaffen und die Reise ist noch nicht zu Ende. Deshalb habe ich mich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden.“ So kam er in den technischen Vertrieb. Zwei Jahre nach dem Einstieg studiert er nun im zweiten Semester berufsbegleitend an der Leuphana Professional School Wirtschaftsingenieurwissenschaften. „Hier treffe ich viele Themen aus meiner Ausbildung wieder, jedoch lerne ich nun die Theorie dahinter kennen. Der Studiengang ist stark mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet. Durch die Präsenzveranstaltungen und die kleine Gruppe ist das Studium für mich bereits jetzt ein Riesengewinn. Die vermittelten Inhalte bringt man sich in diesem Umfang und der Zeit nicht selbst aus Büchern bei.“ 

Arbeitgeber unterstützt ihn

Für dieses Wissen bringt Benedikt Schadel aber auch großen Einsatz: Er arbeitet 40 Stunden – an vier Tagen. Am Freitag und Samstag heißt es dann studieren und lernen. Bei den Studiengebühren unterstützt ihn sein Arbeitgeber: „Es ist sehr herausfordernd. Aber es lohnt sich für mich. Die Inhalte drehen sich überwiegend um das Thema Technik. Wir lernen die theoretischen Grundlagen des Ingenieurwesens kennen und behandeln Fragestellungen aus dem beruflichen Alltag, beispielsweise aus Fertigungsprozessen. Am Ende erwarte ich, dass ich mich auf Augenhöhe mit den Projektleiter*innen unterhalten kann, da ich gelernt habe, wie ich mich in verschiedene Fragenstellungen einarbeite und welche Logik dahintersteckt.“ 

Anfang 2021 wird Benedikt Schadel seinen Master in der Tasche haben. Beruflich soll sich erstmal nicht viel verändern. Zunächst möchte er das Gelernte in seinem Job einbringen. Dennoch haben er und seine Freundin noch einen Traum. Beide wollen eine Zeit lang im Ausland leben. Der Deal: Wer zuerst einen spannenden Job findet, dem folgt der andere. Dank des baldigen Master-Abschlusses zweifelt er nicht am Gelingen dieses Plans. „Wirtschaftsingenieur*innen sind meiner Erfahrung nach oft gefragt, denn es besteht nach wie vor eine Kluft zwischen der BWL und den Ingenieurwissenschaften. Der Abschluss befähigt, diese Lücke zu schließen. Außerdem wird der Grad Master of Science international anerkannt.“

„Autos sind längst nicht mehr nur rot, grün oder blau“, erklärt Katharina Wolff. Gerade das macht den Bereich der Produktionstechnik für die 22-jährige Studentin spannend. „In einer Fertigungshalle spielen nicht nur Materialien und Maschinen eine Rolle. Durch immer weiter ansteigende Individualität in vielen Bereichen müssen besonders die Arbeitsabläufe und -prozesse in einer Fabrik besser geplant werden.“ Um diesen aktuellen Herausforderungen gewachsen zu sein, hat sich Katharina Wolff für ein Master-Studium Management & Engineering an der Graduate School entschieden. „Ich habe mir viele Universitäten angesehen. Der Schwerpunkt von Professor Schmidt an der Leuphana hat mich aber besonders überzeugt.“ Matthias Schmidt ist Professor für Produktionsmanagement und hat unter anderem die Digitale Fabrik ins Leben gerufen. Studierende können dort am Modell lernen, wie Produktionsabläufe etwa durch bessere Vernetzung von Arbeitsschritten beschleunigt werden können. Katharina Wolff arbeitet neben dem Studium Teilzeit im einem großen mittelständischen Unternehmen für Antriebs- und Automatisierungstechnik in Aerzen bei Hameln und kann das Gelernte praktisch umsetzen: „Dort bin ich auch an der Planung verbesserter Produktionsabläufe beteiligt.“ 

Auslandsaufenthalt in Shanghai

Schon in der Schule war Katharina Wolff sehr gut in Mathematik: „Ich habe mich gleichermaßen für Ingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften interessiert.“ Ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens lag deshalb nah. Sie absolvierte ein duales Bachelor-Studium Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Produktionstechnik an der Hochschule Weserbergland. Bereits damals arbeitete Katharina Wolff bei dem Unternehmen in Aerzen. Hier möchte sie auch ihre Masterarbeit schreiben: „Es besteht eine Kooperation mit der Leuphana. Professor Schmidt forscht dort zu Produktionsmanagement.“ Eine Promotion kann sich die Nordrhein-Westfälin auch vorstellen: „Gerade im Hinblick darauf ist es hilfreich, dass einige Studieninhalte bereits in der Wissenschaftssprache Englisch gelehrt werden.“ Gleich nach dem Abschluss möchte Katharina Wolff aber zunächst tiefer in die Praxis eintauchen und würde gern bei ihrem jetzigen Arbeitgeber weiterarbeiten. Aber auch eine berufliche Station im Ausland kann sie sich vorstellen: „Bereits im Studium war ich innerhalb einer Entsendung durch meinen Arbeitgeber in Shanghai.“
 

Ihr Studienwunsch stand lange fest: Eline Geerits wollte Ärztin werden. Die besten Schulnoten erhielt sie in den Naturwissenschaften und in Mathematik. Um auf das Medizinstudium noch besser vorbereitet zu sein, absolvierte die gebürtige Amerikanerin nach dem Abitur eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Doch während der Arbeit änderte sich ihre Einstellung zum Wunschfach immer mehr: „Ich merkte: Medizin ist nicht das Richtige für mich.“ In Gesprächen mit Ärzt*innen kam sie auf den Beruf der Ingenieurin. „Noch stehe ich am Anfang meines Studiums, aber ich kann mir vorstellen, später in den Bereich der Medizintechnik zu gehen“, sagt die 21-Jährige. Auch so könne sie Menschen helfen - ohne mit dem oft belastenden Leid in Krankenhäusern konfrontiert zu sein. 

Eline Geerits hat sich wegen des Komplementärstudiums für die Leuphana entschieden: „Ich habe viele Interessen und kann mich dank des Studienmodells auch mit anderen Fachbereichen beschäftigen.“ Im Moment begeistert sie aber Elektrotechnik am meisten: „Ich mag die Verbindung von Theorie und experimenteller Umsetzung. Außerdem werden wir in kleinen Gruppen sehr intensiv betreut.“ Noch liegen einige Semester vor Eline Geerits, Sorgen um ihre berufliche Zukunft macht sie sich aber kaum: „Ich kann mir auch sehr gut vorstellen wieder in meine Heimat zu gehen. In den USA werden am liebsten deutsche Ingenieur*innen eingestellt.“

Autorin: Marietta Hülsmann