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Wie nachhaltig können Festivals sein? Antworten auf dem lunatic

07.06.2016 Seit 13 Jahren eine Erfolgsstory – Am vergangenen Wochenende fand erneut das lunatic Festival auf der Mensawiese der Leuphana statt. Bei schönstem Wetter wurde den BesucherInnen weitaus mehr geboten als nur gute Live-Musik. Wie jedes Jahr stand auch die Nachhaltigkeit wieder im Vordergrund.

Wegwerfbecher und pfandfreie Dosen auf mit Müll übersäten Wiesen- der Gedanke an Festivals ruft nicht unbedingt den Gedanken der Nachhaltigkeit hervor. Doch Initiativen wie Viva con Agua,  Lemonaid, Charitea e.V. und Werkhaus möchten dies auf Festivals wie dem lunatic ändern. Sie verkaufen mit ihren Produkten Nachhaltigkeit in coolem Design.

Auf dem lunatic werden entsprechend des Nachhaltigkeitsgedankens vegetarische Speisen angeboten. Darüber hinaus soll auch der Durst „nachhaltig“ gelöscht werden.

Einer der Stände hat die Frontseite einer riesigen bauchigen Limonadenflasche, an der allerlei verspielte Windrädchen befestigt sind und auf der grüne Sprüche und Pläne zu Entwicklungsprojekten stehen. Auf der Spielwiese hatten Besucher die Möglichkeit, Limonade selber herzustellen. „Trinken hilft“ ist das Motto auf den Fläschchen, und das tut es bei Lemonaid und Charitea e.V. tatsächlich. „Wir beziehen nur ökologisch erzeugte und fair gehandelte Inhaltsstoffe.“, erzählte Mitinitiator Lasse Kroll auf der Konferenzwoche der Leuphana im Februar. „Wir geben uns sehr viel Mühe im Aufbau der Kooperationen mit Kleinbauern in Entwicklungsländern und statten ihnen jährlich einen Besuch ab um zu überprüfen, ob das Geld angemessen investiert wird.“

Von jeder verkauften Flasche fließen zusätzlich 5 Cent in den Lemonaid & ChariTea e.V. Dieser gemeinnützige Verein unterstützt soziale Projekte, die nicht Teil der Kooperation sind.  Es werden Bildungsprojekte oder der Aufbau von Stromversorgung und Sanitäranlagen unterstützt. Anfangs machte der Lemonaid mit seinem nachhaltigen Konzept Verluste, aber es bekommt immer mehr Zuspruch- das Unternehmen ist mittlerweile finanziell stabil und beginnt zu exportieren.

Wer sich nach Erfrischung ohne Zucker sehnt, kann auf dem Gelände das Wasser von Viva con Agua erwerben. Mit dem Kauf des Wassers unterstützt man Viva Con Agua dabei das sechste Ziel der Sustainable Developmet Goals 2030 anzuvisieren: Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung.  Besonders in den Schwerpunktländern Äthiopien, Kenia, Nepal und Uganda fördert Viva con Agua über mehrere Jahre angelegte Projekte, in denen unter anderem Trinkwasserzugänge ermöglicht Hygiene-Schulungen angeboten werden.

Alle Getränke auf dem lunatic werden mit einem Pfandbecher im Wert von einem Euro verkauft. Man kann diesen zurück bringen oder alternativ in einen der Tonnen werfen, die mit Basketballkorb ausgestattet über das Gelände ziehen- Viva con Agua sammelt den Pfand und nutzt den Erlös für seine Projekte. So kann man ganz nebenbei während des Feierns nachhaltig handeln.

Wer seine Pause an einer der zusammen gesteckten Bänke und Tische von „Werkhaus“ einlegt, sitzt übrigens auch nachhaltig: Die Möbel sind hergestellt aus heimischen Holzfaserplatten und Recyclingpapier aus nachhaltiger Forstwirtschaft, die CO2-sparend produziert und transportiert werden. Werkhaus’ grüne Produkte bieten auch soziale Nachhaltigkeit. 12 % der Beschäftigten haben körperliche oder seelische Einschränkungen. Werkhaus zeigte von Beginn an Engagement bei der Schaffung von behindertengerechten Arbeitsplätzen.  Für ihr familienorientiertes Arbeitsmodell erhielten sie im letzten Jahr das FaMi-Siegel für familienfreundliche Unternehmen.
 
Die Initiativen wollen gemeinsam mit ihren Projekten die Nachhaltigkeit in die Köpfe von Festivalbesuchern rufen. Sie haben zum Ziel, Festivals als Plattform zu erschließen, auf der man dem Gedanken der Nachhaltigkeit auf verspielte und ungezwungene Art und Weise näher kommen kann.  Das lunatic Festival bietet dieser Idee eine ansprechende Plattform.



Autorin: Julia Graßhoff (Universitätskommunikation). Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.