Meldungen aus der Universität

Da geht noch mehr! Nachhaltigkeitsbeauftragte Irmhild Brüggen auf der Suche nach neuen Ideen

18.09.2017 Kugelschreiber, Stühle, Kaffeebecher – Die Nachhaltigkeitsbeauftrage der Leuphana Irmhild Brüggen behält selbst die kleinsten Dinge im Blick. Zu ihrem Aufgabenbereich in der Universität gehören unter anderem die Themen Konsum und Abfall. Für die positive Umsetzung krempelt sie gerne auch selbst die Ärmel hoch.

Ihre neueste Idee lagert in einer Halle gegenüber dem Vamos. Was sich dort stapelt, sieht zunächst nach jeder Menge Sperrmüll aus: alte Stühle, Poster, Regale, Tafeln. Doch dahinter steckt ein Konzept: „Das ist die Idee des sogenannten Zwischenraums“, stellt Irmhild Brüggen vor, „hier sammelt die Universität aussortierte Gegenstände, die in einem anderen Zusammenhang aber noch genutzt werden können. Wir geben sie deshalb an festgelegten Terminen kostenlos an Studierende ab.“ Einen ersten Zwischenraum gab es bereits im Juli. „Der Andrang war sehr groß“, freut sich Brüggen. „Viele Studierende kamen vorbei, um sich Gegenstände fürs Upcyclen herauszusuchen. So erhalten all diese ausrangierten Dinge ein zweites Leben.“ Beim Zwischenraum packt Irmhild Brüggen selbst mit an, bekommt aber auch viel Unterstützung vom Hausdienst der Universität. Ihn zu erwähnen, ist ihr ein besonderes Anliegen: „Dass das alles so klappt, ist auch den Kollegen zu verdanken. Sie unterstützen mich sehr, selbst wenn es oft viel mehr Arbeit bedeutet.“

Den nächsten Zwischenraum plant die Nachhaltigkeitsbeauftragte zum Semesteranfang. „Die Bibliothek im Roten Feld zieht auf den Campus und das Gebäude am Rotenbleicher Weg wird aufgelöst. Da fällt mit Sicherheit Einiges an.“ Über den genauen Termin informieren kurzfristig die Zero Waste Initiative, der myStudy-Newsletter und die Ombudsperson Thies Reinck. Die Idee bezieht sich jedoch nicht nur auf Möbel, sondern auch auf Bücher. Vor dem Bibliothekseingang im Hörsaalgang gibt es eine öffentliche Vitrine, Literatur kann darüber weitergereicht werden. Gebrauchtes Büromaterial findet ebenfalls seine Zweitverwendung: Plastikhüllen, alte Ordner oder einseitig genutztes Papier werden in einem Regal im Erdgeschoss des Gebäudes 8 allen Mitarbeitern und Studierenden zur Verfügung gestellt.

Der Campus als Reallabor für Nachhaltigkeit

„Der Zwischenraum steht für gelebte Nachhaltigkeit, das bedeutet mir sehr viel“, sagt Irmhild Brüggen und blickt dabei zurück: Vor mehr als 15 Jahren hatte sie bereits eine ähnliche Idee, stieß damit aber innerhalb der Universität auf Vorbehalte. „‘Das kann nicht funktionieren‘, ‚Was bringt das?‘ Diese Sätze waren meistens die Reaktion darauf“, erinnert sie sich, heute sei die Leuphana diesbezüglich viel offener. „Das Thema ist auf allen Ebenen präsent: in der Forschung, in der Lehre, im Unibetrieb, in der Zusammenarbeit mit der Stadt und gesellschaftlichen Gruppen. Das hat dazu geführt, dass die Umsetzung nachhaltiger Themen nicht mehr in Frage gestellt wird. Und dass immer mehr Ideen an mich als Koordinatorin und Schnittstelle herangetragen werden.“ Ein Beispiel für die Ideenentwicklung ist das Engagement Studierender, die in diesem Kontext zwei inter- und transdisziplinäre Veranstaltungen entwickelt haben: Im SoSe 2017 und im anstehenden Wintersemester bietet die Fakultät Nachhaltigkeit die Seminare „Nachhaltiger Konsum auf dem Campus“ und „Nachhaltiges Abfallmanagement“ an. „Der Campus wird zum Reallabor für die Studierenden“, erklärt Irmhild Brüggen. „Sie werden explizit ermutigt und unterstützt, Problemstellungen und eigene Forschungsinteressen im Themenbereich Abfall- und Ressourcenmanagement sowie Konsum am Campus zu identifizieren und daraus eine eigenständige Fragestellung zu entwickeln.“

So sehr die Nachhaltigkeitsbeauftrage vom Engagement der Studierenden begeistert ist, so sehr ärgert es sie auch, wenn es auf dem Campus in die ihrer Ansicht nach falsche Richtung geht. In der Ladenzeile neben dem Copyshop hat vor kurzem ein Café eröffnet, das ausschließlich Einwegbecher anbietet. „Das von den Betreibern vorgebrachte Argument, dass die Verpackung geschreddert und zu Kompost verarbeitet wird, steht nicht für Nachhaltigkeit“, gibt Brüggen zu Bedenken. „Die Vermeidung von Abfall sollte der primäre Ansatz sein.“ Leider habe die Universität auf die Entscheidung des Betreibers keinen Einfluss. Also müsse der Verbraucher seine Wahl treffen. „Ich hoffe, dass die Einwegbecher in der gesamten Stadt Lüneburg bald der Vergangenheit angehören.“ Und noch einen Wunsch hat die 48–Jährige: ein breites Angebot an nachhaltiger Gastronomie. Bio-Wochenmarkt, Fairtrade-Kaffee und Biomensa seien schon ein gutes Angebot. „Aber im Grunde wünsche ich mir ein erweitertes  Konzept: Derzeit bildet die Biomensa eine kleine Sparte im großen Küchen-Angebot, es sollte aber andersherum sein. Regionale, saisonale und gesunde Nahrung müssten deutlich im Vordergrund stehen“. Dazu passend bewirbt Brüggen gleich ein Bioprodukt aus dem Schoß der Leuphana: „Die Bienen unseres Biotops waren in den letzten Monaten fleißig, die Sommertracht ist gerade fertig. Zu kaufen gibt es den Honig im Studio 21.“

In der Leuphana Universität Lüneburg zeugen etliche Initiativen, Veranstaltungen, Projekte und Ideen von nachhaltigem Denken. Manchmal bewirken sie große Fortschritte, manchmal auch nur Gedankenimpulse. Doch für die Nachhaltigkeitsbeauftragte Irmhild Brüggen ist der wichtigste Grundsatz: Jeder Schritt, und sei er noch so klein, bedeutet Bewegung.



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.