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Career Service: „Ich bin dafür zuständig, dass es mir gut geht“

20.11.2017 Andreas Niedrig nahm acht Jahre lang Drogen. Heute ist er der älteste Profi-Triathlet weltweit und Motivationstrainer. Rund 500 Studierende erlebten den 50-jährigen Familienvater jetzt mit seinem Programm in HS 2. Im Interview berichtet Niedrig über seine Drogenkarriere, den Sport und motivierte Studierende.

Andreas Niedrig

Ihr Buch heißt vom „Junkie zu Ironman“. Der Titel klingt nach einem enormen Kraftakt. Wie haben Sie die Herausforderung gestemmt?

Die beiden Worte sind stark und klingen nach einem Kraftakt. Es ist aber keiner gewesen. Vielmehr waren es viele kleine Schritte, die mich dorthin gebracht haben, wo ich heute bin. Mit 13 habe ich angefangen Drogen zu nehmen. Erst habe ich gekifft, dann kamen Speed und Heroin dazu. Ich habe alles genommen. Das hört sich schrecklich an. Aber für mich war es nicht so schlimm wie für meine Familie. Sie wollten mir helfen, aber ich wollte nicht. Als Jugendlicher habe ich nicht nach meinen Zielen im Leben gefragt. Ich war nicht selbstbewusst. So kam ich zu den Drogen.

Sie sind sehr früh Vater geworden. Wie hat Sie das verändert?

Eigentlich war ich clean. Durch die Schwangerschaft meiner Frau habe ich aber plötzlich sehr viel Verantwortung übernehmen müssen. Das habe ich nicht geschafft und bin rückfällig geworden. Viele verstehen nicht, warum das gerade in einer Zeit passiert, wo doch alles gut zu laufen scheint. Aber gerade da brauchte ich sehr viele Drogen, um nicht zu merken, was ich kaputt mache.

Sie sind aber noch mit Ihrer Frau zusammen?

Ja, wir haben gerade den 29. Hochzeitstag gefeiert. Wir standen aber auch schon vor der Trennung. Es ging um mangelndes Vertrauen. Ich habe ein Jahr heimlich Heroin genommen. Meine Frau hat mich dann mit einer Überdosis auf der Toilette gefunden.

Sie haben auf der Straße gelebt, sind fast im Gefängnis gelandet und waren über ein Jahr in Therapie. Wie sind Sie dann zum Sport gekommen?

Vor meiner Drogensucht war ich bereits ein erfolgreicher Schwimmer. Mein Vater hat mich nach meiner Therapie mit zum Laufen genommen. Plötzlich erkannte ich ein Ziel für mich. Ich wollte etwas zu Ende bringen, das hatte ich während meiner Drogensucht nie getan. Als ich 28 Jahre alt war, bin ich dann meinen ersten Triathlon gelaufen und habe den 13. Platz erreicht. In meinem Beruf als Orthopädiemechaniker habe ich bald nur noch halbtags gearbeitet, um mehr Zeit für den Sport zu haben. Danach erschienen meine beiden Bücher und die Filme. Viele sagen: „Du hattest Glück.“ Aber das war es nicht. Ich habe mir alles hart erarbeitet. Glück sind sehr oft nur Chancen und Möglichkeiten, die man erkennen muss.

Andreas Niedrig

Was ist Motivation für Sie?

Motivation ist ein inneres Gefühl und etwas sehr Persönliches. Wir sind alle verschieden. Es gibt nicht den roten Knopf, den man drückt und schwupps ist man motiviert. Ich selbst bin dafür zuständig, dass es mir gut geht. Man muss die eigenen Stärken erkennen. Ich bin kein anderer Mensch als noch zu Zeiten der Drogensucht, aber ich weiß, meine Eigenschaften heute positiv einzusetzen. Es machen auch nicht alle Dinge Spaß, aber ich empfinde Genugtuung, wenn ich sie geschafft habe. Dieses Gefühl bringt mich weiter. Mit unseren Kindern haben wir früher immer die drei schönsten Dinge aufgezählt, die uns am Tag passiert sind. Das verändert den Blick.

Die Leuphana legt bei der Auswahl der Studierenden nicht nur Wert auf Noten. Persönliches und soziales Engagement zählen, um einen Studienplatz zu bekommen. Wie werten Sie als Motivationstrainer diesen Ansatz? 

Das finde ich hervorragend. Die höchste Gabe ist nicht die fachliche Kompetenz, sondern die emotionale Intelligenz. Lernen kann man lernen, Leben nicht. 

Der Vortrag von Andreas Niedrig mit anschließender Podiumsdiskussion in HS 2 wurde gemeinsam von Career Service, dem Hochschulsport, dem Alumni – und Förderverein der Leuphana sowie der Techniker Krankenkasse organisiert.

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Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Jula Hoffmeister, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.