Meldungen aus der Universität

Selbstverantwortung im Studium: Leuphana leitet europäische Partnerschaft zur Hochschulbildung der Zukunft

20.11.2017 Die Leuphana hat sechs renommierte Universitäten in Europa zusammengebracht, um eine wichtige Aufgabe anzugehen: das universitäre Studium mit den Realitäten und Ansprüche des 21. Jahrhunderts in Einklang zu bringen. Daraus entstanden ist die von der EU geförderte strategische Partnerschaft „CREATES – Creating Responsive, Engaged, and Tailored Education with Students“.

„Die europäische Hochschulbildung scheint in vielen Bereichen im 19. Jahrhundert zu verharren.“ Dies ist nicht nur die Einstellung von Dr. Volker Balli, Academic Director des Studium Individuale an der Leuphana, sondern auch von der EU-Kommission. Sie hat deshalb ein ambitioniertes Ziel formuliert: Die Lehre an den Hochschulen Europas muss reformiert werden, um den Studierenden hochwertige und zukunftsorientierte Bildung anbieten zu können. Diesen Anspruch greift die Leuphana Universität Lüneburg aktiv auf, indem sie im Rahmen des europäischen Erasmus+ Progamms die strategische Partnerschaft CREATES ins Leben gerufen hat: Gemeinsam mit Vertreter_innen und Studierenden der Hochschulen King’s College London, Maastricht University, Sciences Po Paris, Universität Freiburg, und Scuola Superiore Sant’Anna in Pisa will sie als lead institution zu einem innovativen Verständnis von Studieren maßgeblich beitragen: „Unser Ansatz ist, dass grundsätzliche, systematische Mitgestaltung und Verantwortung von Studierenden die Basis für tief verankertes Lernen und Arbeiten sind", erklärt Balli, der das europäisches Projekt initiiert hat und jetzt koordiniert.

Das dreijährige Projekt CREATES unter der professoralen Leitung von Vizepräsidentin Prof. Dr. Carola Schormann hat die Studierenden als verantwortungsvolle Akteure im Fokus. Weiterentwickelt werden sollen Lern- und Lehrpraktiken, die engagiertes, kreatives und reflektiertes Handeln des Einzelnen zur Priorität machen. Angesichts der gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen einer immer unübersichtlich werdenden Welt geht es den Projektverantwortlichen nicht allein um die Beschäftigungsfähigkeit am Ende eines Studiums - sondern auch um die persönliche Entwicklung: CREATES baut auf der Annahme auf, dass es im 21. Jahrhundert zu den grundlegendsten Kompetenzen gehören muss, Verantwortung zu übernehmen: für die eigene Bildung, das Leben als Bürger aber auch als Privatperson. Die Partnerschaft hat zum Ziel, dieser Kompetenz eine zentrale Stellung im Studium zu geben.

„Renommierte Institutionen mit viel Erfahrung“

Ihren Anfang hat die strategischen Partnerschaft in den zurückliegenden Jahren genommen: Alle sechs Universitäten entwickelten und praktizierten in unterschiedlicher Form neue Ansätzen im Lernen. Diese Gemeinsamkeiten führten bereits in der Vergangenheit zu Kooperationen untereinander. „Gerade in Bezug auf Lernentwicklung handelt es sich ausschließlich um renommierte Institutionen mit viel Erfahrung“, sagt Balli. Zu einem ersten Treffen von CREATES kamen die jeweiligen Vertreter Ende Oktober im Zentralgebäude der Leuphana zusammen. Neben dem Kennenlernen als Konsortium ging es hier um die Klärung offener Fragen hinsichtlich der Programmatik und deren Umsetzung. So werden sich in den kommenden drei Jahren Experten verschiedener Development-Teams zu spezifischen Problemstellungen Outputs erarbeiten. Dazu gehören die Fragen, wie Seminare und Kurse noch besser unter Beteiligung von Studierenden gestaltet werden können, oder wie Unterstützung für Studienprogramme aussehen kann, die ein großes Maß an Selbstbestimmung ermöglichen. Das Ziel ist, entsprechende übertragbare Toolkits zu erstellen, die eine kontextabhänge Umsetzung in anderen Hochschulen leicht ermöglichen.

Im letzten Jahr der strategischen Partnerschaft wollen sich die Beteiligten verstärkt nach außen wenden. Entscheidungsträger aus Hochschulen und Politik sollen über die Relevanz dieser Art von Studium informiert werden. „Wir werden unter anderem in Brüssel den wichtigen Stakeholdern ein Policy Paper vorstellen. Darin halten wir fest, warum wir diese neuen Bildungsansätze für richtig halten, und wie sie gut umgesetzt werden können“, erklärt Volker Balli. Ihm gehe es dabei auch darum, mit ständig auftauchenden Missverständnissen aufzuräumen: „Immer wieder hören wir zum Beispiel, dass es bei solchen Lernkonzepten an Fachlichkeit mangelt. Dabei bieten sie diese in Form einer individualisierten, immer wieder aktualisierbaren Expertise - und noch viel mehr: ein Set an zentralen Kompetenzen und nicht zuletzt die Erfahrung, aktive Gestalter statt passive Konsumenten der eigenen Hochschulbildung zu sein.“

Kontakt

Dr. Volker Balli
Universitätsallee 1, C10.007
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1797
volker.balli@leuphana.de



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.