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Emeritierter Leuphana-Professor Ullrich Günther wirbt an indonesischer Universität für Austausch und Weltoffenheit

28.02.2018 Prof. Prof. h.c. ICB Dr. Ullrich Günther, emeritierter Professor für Wirtschaftspsychologie, ist an internationalen Hochschulen als Gastdozent tätig. Seinen letzten Aufenthalt in Indonesien nutzte er, um sich für Aufgeschlossenheit und Toleranz in der Wissenschaft und ein besseres kulturelles Verständnis in den Wirtschaftskontakten stark zu machen.

Ullrich Günther ist fast sein ganzes Leben gereist. Zunächst als 14-Jähriger per Anhalter nach Großbritannien, später haben ihn seine Aufgaben an der Leuphana und die Tätigkeit als Personalentwickler durch die ganze Welt geführt. Auch heute ist der Wirtschaftspsychologe trotz Ruhestands ständig unterwegs – erst vor wenigen Wochen kehrte er von einem längeren Aufenthalt in Indonesien nach Deutschland zurück. „Ich war Gastdozent an der State Islamic University Maulan Malik in Malang und an der Gadjah Mada University in Yogyakarta“, erzählt der 70-Jährige. In beiden Fällen sprach er über kulturell bedingte Missverständnisse in Geschäftsbeziehungen, Beispiel: „Die Deutschen sind relativ egalitär. Wenn ein Mitarbeiter die Erklärungen seines Vorgesetzten nicht versteht, dann fragt er einfach bei ihm nach. In anderen Ländern wie China oder Indonesien besteht hingegen das Risiko, dass man mit einem Nachhaken dem Chef unterstellt, nicht gut erklären zu können – also schweigt man lieber.“ Einem speziellen Problem des interkulturellen Managements widmete sich Günthers Beitrag auf der „International Conference on Islamic Economics and Business“ in Malang: In einer Keynote Lecture sprach er über kulturelle Probleme von Islamic Banking - islamkonformen Bankgeschäften - in nicht-islamischen Ländern.

Allein um die Weitergabe von Wissen und die Beratung geht es Ullrich Günther bei seinen Tätigkeiten aber nicht, betont er: „Lehre und Forschung an indonesischen Universitäten durch westliche Akademiker können einerseits zur Qualitätsverbesserung der Hochschulen beitragen. Sie können aber genauso die Entwicklung der Universitäten in eine weltoffene Richtung mit einem moderaten Islam unterstützen.“ Ansätze für Wertediskussionen wie Offenheit für konkurrierende wissenschaftliche Auffassungen, aber auch Gleichberechtigung und Freiheit bieten sich nach Ansicht von Günther immer an. „Wenn wir über die Förderung von Nachwuchskräften sprechen, dann reden wir auch über Geschlechterrollen. Zum Beispiel über die Frage, ob eine hochqualifizierte indonesische Frau den Rest ihres Lebens zu Hause verbringen soll, oder ob es da nicht noch andere Optionen gibt.“ Ihm sei es wichtig, ein offenes und kritisches Denken zu vermitteln: „Unsere wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Überzeugungen können sich durch neue Einsichten immer ändern.“

Er selbst nehme auch wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen mit nach Deutschland, hebt Günther hervor. So habe er eine starke Fürsorglichkeit in Indonesien kennengelernt. „Vorgesetzte kümmern sich auch in privaten Angelegenheiten intensiver um ihre Mitarbeiter. Da kommt es schon mal vor, dass der Chef gebeten wird, als Mentor mit zur Bank zu kommen, damit der Angestellte einen Kredit bekommt.“ Diese Form von Fürsorglichkeit sei in der westlichen Welt wenig vorhanden, eine Tatsache, die von den Indonesiern als Egoismus und soziale Kälte interpretiert wird. Hier entgegnet der Leuphana-Professor, dass im Westen die Fürsorglichkeit im Betrieb, aber auch in der Familie durch anonyme Systeme der sozialen Sicherung wie Kranken- und Rentenversicherung ersetzt werde.

Zurück an der Leuphana widmet sich der emeritierte Professor für Wirtschaftspsychologie wieder seinen Lehrveranstaltungen und dem Forschungsvorhaben SmartGlobalizing. In diesem Projekt  führten er und sein Kollege Dr. Ronald Franke gemeinsam mit Leuphana-Studierenden in mehr als 40 Ländern Interviews mit Managern und Experten durch, die über ihre Erfahrungen mit kulturell bedingten Missverständnissen berichteten. Die dadurch gesammelten Informationen wurden systematisiert und sollen für Beratungszwecke genutzt werden. „Studierende der Leuphana schreiben zu diesem Forschungsprojekt ihre Abschlussarbeiten, die ich als emeritierter Professor begleite“, erklärt Ullrich Günther. „So bleibe ich also weiterhin mit der Universität verbunden.“