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Gründungsideenwettbewerb: Innovation auf dem Campus

10.07.2018 „Wir wollen das Ideenpotenzial aus unseren Studierenden kitzeln“, sagt Professor Dr. Reinhard Schulte, einer der Initiatoren des Leuphana Gründungsideenwettbewerbs. Zum 10. Mal zeichnet die Universität zusammen mit der Adank Stiftung dieses Jahr im Rahmen der Lünale die beste Idee aus. Bewerbungen können noch bis zum 31. Juli eingereicht werden.

Herr Professor Schulte, Sie setzen Sich ausführlich mit Existenzgründung auseinander. Die erste große Hürde im Gründungsprozess ist oftmals, eine geeignete Geschäftsidee zu finden. Haben Sie Tipps für die Ideensuche?

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Wege. Zum einen kann eine ungelöste Problemstellung im Markt und ein daraus entstehender Bedarf identifiziert werden. Der Master-Student Clemens Schröder entwickelte beispielsweise die Online-Lernplattform Prozubi, nachdem er einen Bedarf für Prüfungsvorbereitung bei Auszubildenden erkannte. Dies ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine von uns prämierte Idee erfolgreich umgesetzt wurde.

Zum anderen können sich anstrebende Gründer*innen an den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln orientieren. Das umfasst nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch Erfahrungen, persönliche Netzwerke und Wissen. Dies alles sind gute Ansatzpunkte, um aus dem persönlichen Spektrum an Ressourcen gezielt auf eine Problemstellung im Markt einzugehen und von dort aus eine Idee zu konzipieren. Oftmals haben Leute gute Ideen, sind sich aber deren Potenzial nicht bewusst.

Wodurch zeichnet sich Ihrer Erfahrung nach eine gute Idee aus?

Eine gute Idee muss zielgerichtet einen aktuellen Bedarf adressieren und ein klares Umsetzungspotenzial haben, also vor dem marktwirtschaftlichen Hintergrund realisierbar sein. Bei der Auszeichnung der Gewinner*innen steht vor allem letzteres im Vordergrund. Auch wenn wir bewusst in der Ideenphase ansetzen wollen, also bevor Business-Pläne oder erste praktische Schritte in der Gründung unternommen wurden, ist es uns wichtig zu sehen, dass die Idee einen gewissen Grad an Realismus und Umsetzbarkeit aufweist, also keine reine Spielerei ist. Wir ermutigen jeden, sein Konzept einzubringen, selbst wenn er oder sie sich erst im Anfangsstadium der Umsetzung befindet.

Zentral ist außerdem bei jeder erfolgreichen Gründung das Kundenverständnis. Anstrebende Gründer*innen sollten eine klare Vorstellung haben, welche Lösungen ihre Kunden suchen, welche Erwartungen an das Produkt herrschen. Vieles andere kann im Laufe des Prozesses erlernt oder erworben werden, aber das Kundenverständnis muss mitgebracht werden.

Viele der in den letzten Jahren prämierten Ideen basieren auf Technologien, so wie die Webplattform für Besitzer von Elektrofahrzeugen „bestEV“ oder die webbasierte Lernanwendung „CULTURE-ID“. Welche Rolle spielen der technologische Fortschritt und soziale Medien in der Entwicklung neuer Konzepte?

Durch den technischen Fortschritt wurden neue Möglichkeiten eröffnet, wo und was überhaupt gegründet werden kann. Während vor 30 Jahren beispielsweise die Gastronomie ein vielversprechender Bereich war, sieht die heutige geeignete Gründerlandschaft anders aus. Nicht die Technik alleine machte den umfangreichen Fortschritt möglich, den wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, sondern vor allem die aufgesetzten Funktionen, zum Beispiel in Form von Apps. Ohne die Erfindung des Smartphones würde es heute keinen so großen Markt für Apps geben. Dass Technologie bei uns an der Leuphana eine so große Rolle spielt, liegt auch an der Fakultätenstruktur: Die starke Dominanz der Studierenden im Bereich Wirtschaft und Informatik spiegelt sich in der Art der Ideen und den Gewinnern wider. Obwohl wir uns über das Interesse der Studierenden sehr freuen, ist es schade, dass Mitarbeiter*innen und andere Personen sich so wenig angesprochen fühlen, obwohl wir alle zu einer Teilnahme ermutigen.

Unter den Gründer*innen sind auch Frauen. Kann man sagen, dass Gründung auch einen emanzipativen, im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit, Aspekt hat?

Ich glaube schon. Die Leuphana versucht gezielt, Selbstständigkeit bei allen Studierenden zu fördern. Vielleicht können wir dadurch einen kleinen Beitrag leisten, die Gender Gaps, die es auch im Gründerbereich immer noch gibt, zu schließen. Der Anteil weiblicher Gründerinnen liegt bei 20-35%, ist also deutlich geringer als das vorhandene Potenzial. Auch die Beteiligung am Ideenwettbewerb ist unter Frauen immer noch geringer als unter Männern. Wenn wir im universitären Rahmen helfen können, diese Potenziale zu erschließen, können wir vielleicht grundsätzlich zu einem Wandel beitragen.

Ein wesentlicher Grund für diese Diskrepanz ist sicherlich auch, dass die geschlechterspezifische Berufswahl immer noch sehr unterschiedlich ausfällt; wir haben prinzipiell mit branchenspezifischen Unterschieden zu kämpfen. Allerdings bin ich zuversichtlich, dass wir diese Problematik in einigen Jahren überwunden haben. Es lassen sich spannende Entwicklungen und eine hohe Dynamik in diesem Bereich beobachten.

Inwieweit wird Gründertum, oder Entrepreneurship, an der Leuphana gefördert und in den universitären Betrieb eingebettet?

Das Studienkonzept der Leuphana spiegelt sehr stark eine Ermutigung zur Selbstständigkeit wider. Auch wenn wir den Studierenden eine Basis und Unterstützung für den Lernprozess bereitstellen, wollen wir sie prinzipiell zu Eigeninitiative und proaktivem Handeln befähigen. Unsere Studienangebote, der Entrepreneurship Hub, die Gründungssprechstunde des Lehrstuhls und persönliche Kontakte sind nur einige der Ressourcen, die an der Leuphana zur Verfügung stehen. Sie sollen Studierende bewusst einfangen und ihnen helfen, Netzwerke zu bilden. Durch diesen Fokus ziehen wir auch eine bestimmte Art von Studierenden an, die umgekehrt die Landschaft und Aktivitäten der Universität prägen.

Beim nationalen Vergleich des Gründungsradars schneiden wir darum immer sehr gut ab, bundesweit sind wir seit Jahren die Nummer 1 unter den mittelgroßen Universitäten. Die Leuphana setzt dabei auch auf qualitative Aspekte: Die Förderung wurde universitätsintern systematisch entwickelt und gefördert. Der eigene Ressourceneinsatz und Einbettung in das Studienmodell sind weitere Alleinstellungsmerkmale. Dadurch ist Gründungsförderung tief integriert in den universitären Betrieb und liegt der Grundhaltung der Lehre zugrunde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Gründungsideenwettbewerb wurde vor 10 Jahren in Kooperation mit der Adank Stiftung und NBank ins Leben gerufen. Ziel war es, die klassische Gründungsunterstützung zu erweitern und das Ideenpotenzial anstrebender Gründer*innen anzuregen und zu erschließen. Bewerben kann sich jeder mit einer kurzen Ausarbeitung seiner Idee. Auf 2-3 Seiten sollte die Ideenentwicklung präsentiert werden, die die Umsetzbarkeit der Idee und pragmatische Einschätzung der Bewerber zeigt. Im Rahmen der Lünale wird der Gewinner ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 1.500 € prämiert. Allen Teilnehmern wird individuelles Feedback geboten sowie ein Workshop zur intensiven weiteren Begleitung und Unterstützung.



Das Interview führte Lea von Guttenberg.