Meldungen aus der Universität

„mosaique“ – Das Haus der Kulturen in der Lüneburger Altstadt

30.07.2018 „Wir hätte nie gedacht, dass das Projekt solche Wellen schlägt.“ Corinna Krome, Lehrbeauftragte an der Leuphana Universität, lebt mit dem „mosaique“ die Vision einer gemeinsamen, bunten und interkulturellen Gesellschaft.

Frau Krome, Sie sind als Vereinsvorsitzende von Beginn an bei dem Projekt dabei. Was zeichnet das „mosaique“ aus und wie ist das Konzept entstanden?

Die Idee zum „mosaique“ ist vor knapp sechs Jahren aufgekommen. Damals saß ich gemeinsam mit Freunden in unserer WG und wir haben überlegt, wie sich die Vision einer friedlichen Welt ganz konkret umsetzen ließe. Dabei ist schnell die Lust entstanden, das Experiment „mosaique“ zu starten. Unser Konzept ist einfach: Wir wollen Menschen über offene Angebote zusammenbringen und diese Begegnung interkulturell, generationenübergreifend und intersozial gestalten. Die Grundidee war, nicht nur Unterstützung, sondern eine Struktur zur Selbstentfaltung zu bieten. Unser Publikum ist so facettenreich wie unsere Projekte: Rentner, Hartz-IV-Empfänger, Geflüchtete, Studierende und zahlreiche weitere Leute machen das „mosaique“ so lebendig. Diese Durchmischung, die auch durch das facettenreiche Angebot entsteht, ist uns sehr wichtig. Von Yoga über Musizieren und Sprachkurse ist alles dabei.

Wie finanziert sich der Verein?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und haben glücklicherweise die Möglichkeit, das Haus von einer privaten Grundstücksgemeinschaft günstig und auf Dauer zu mieten. Der Verein an sich finanziert sich über Spenden, Fördermitglieder, Projektförderanträge und den Mieteinnahmen des Hauses. Das Programm ist dabei komplett spendenbasiert. Bisher gleicht sich das ganz gut aus. Menschen, die über weniger finanzielle Mittel verfügen, können von anderen mitgetragen werden. 

Das Projekt setzt ein starkes Signal in politisch unruhigen Zeiten, die leider auch durch Misstrauen gegenüber Ausländern gezeichnet sind. Welche Erfolge konnten Sie durch Ihr Engagement verzeichnen?

Zu Beginn unseres Projekts hat noch niemand an Geflüchtete gedacht. Seit 2015 ist dieses Thema natürlich zentral und durch die Kooperation mit dem Welcome und Learning Centre und der Willkommensinitiative können wir zahlreiche Unterstützungs- und Auffangstrukturen für Geflüchtete bieten. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen spielt hierbei eine wichtige Rolle, gerade in Bezug auf Integration. Trotzdem möchte ich betonen, dass unser Haus für alle Menschen gedacht ist und wir unseren Fokus auf einen umfassenden Austausch legen. Über 150 Ehrenamtliche, von 6 bis 87 Jahren und aus über 20 Nationen, sind momentan aktiv am Projekt beteiligt. 

Viele der Werte, die das „mosaique“ vorlebt, sind auch in das Konzept der Leuphana eingebettet. Wie entstand die Kooperation mit der Universität und welchen Beitrag leisten Studierende?

Ich bin selber im akademischen Bereich tätig. Vor ein paar Jahren kam dann die Idee auf, im Rahmen des Komplementärstudiums ein Projektseminar zum „mosaique“ anzubieten, das es Studierenden ermöglicht, über einige Monate hinweg eine Idee zu entwickeln und umzusetzen. Dabei sind tolle Projekte entstanden, von einer Konzertreihe über interkulturelle Kochabende bis hin zu einem Magazin, das Geschichten aus aller Welt sammelt. Uns ist wichtig, dass die Studierenden das Konzept der Integration und Inklusion praktisch anwenden und sich innerhalb des Seminars bewusst werden, was solch ein Projekt bedeutet und mit den Menschen macht. Auch außerhalb des Komplementärangebots gibt es viele Studierende, die sich aktiv und engagiert einbringen, einige sind seit meinem ersten Seminar dabei. Eine Gruppe wurde dieses Jahr im Zuge des dies academicus ausgezeichnet. Die Resonanz nach den Seminaren war überwältigend und besser, als wir es je erwartet hätten. Wir hatten immer das Gefühl, gemeinsam etwas Bedeutsames aufzubauen, auch semester-übergreifend. So werden die nächsten Seminare oder auch andere Ehrenamtliche mit Check-Listen zu den Projekten versorgt, um eine nachhaltige und konsistente Umsetzung zu ermöglichen. 

Viele Leute möchten helfen, finden allerdings keinen geeigneten Ansatzpunkt. Wie können sich diese Menschen effektiv und einfach einbringen?

Gerade im Rahmen der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung herrscht oftmals eine Starre und Ohnmacht vor. Dabei bieten wir die nötigen Strukturen und Unterstützung, um einfach aktiv zu werden und einen kleinen Teil zu einem besseren Miteinander beizutragen. Egal, ob man bereits eine Idee für ein eigenes Projekt hat oder lediglich ein paar freie Stunden, um eine Saalschicht zu übernehmen, wir freuen uns über jede*n. Interessenten können mir einfach eine Email schreiben. Wir haben den Raum und die Menschen, um etwas zu bewegen. 

Die positive Resonanz und das Engagement sind groß. Mussten Sie sich auch gegenüber Gegenstimmen behaupten?

Natürlich hat uns der Aufbau des Projekts vor einige Herausforderungen gestellt. Mit viel Arbeit und ein bisschen Glück konnten wir aber den Kern an tollen, engagierten und zuverlässigen Menschen aufbauen, der jetzt das Projekt „mosaique“ maßgeblich trägt. Dabei wird das wohl auch eine unserer Hauptaufgaben sein: Den Anfangsenthusiasmus, der seit der Eröffnung im März deutlich spürbar ist, in dieser Intensität weiterzutragen und noch mehr Menschen zu begeistern. Ansonsten sind wir eben kein professioneller Kulturbetrieb, uns ist die niedrigschwellige Beteiligung sehr wichtig. So kann sich jede*r mit seinen Stärken, aber auch Schwächen einbringen und so viel Zeit mitbringen, wie es der Job oder das Studium eben zulässt. Das führt natürlich auch zu kleineren Herausforderungen, aber im Großen und Ganzen bereichert es die Zusammenarbeit und macht sie erst spannend. 

Wie sieht die Zukunft des „mosaique“ aus?

Nach der Sommerpause melden wir uns mit vielen spannenden Projekten zurück. Egal ob Karaoke-Abend oder Jam-Session, es wird für jeden etwas dabei sein.
Im kommenden Semester wird außerdem Eva Kern ein Master-Seminar anbieten zu transdisziplinären Methoden. Die Verbindung zur Leuphana und ihren Studierenden ist sehr eng; viele unserer Ehrenamtlichen sind aktuelle oder ehemalige Studierende und wir waren auf der Konferenzwoche und dem lunatic vertreten. Ich werde außerdem auf der Utopie-Konferenz im August einen Workshop anbieten und wir kooperieren eng mit dem International Office der Leuphana Universität bezüglich unserer generationsübergreifenden und interkulturellen Wohnungen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das „mosaique“ bietet seit März 2018 einen sicheren Ort für interkulturelle Begegnungen und Austausch. Die Grundpfeiler Dialog, Austausch, Offenheit, Vertrauen und Akzeptanz werden von Ehrenamtlichen wie Besuchern mitgetragen. Zahlreiche Veranstaltungen sowie ein wöchentliches Programm laden zum gemeinsamen Erleben ein. Studierende der Leuphana Universität wurden aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements auf dem diesjährigen dies academicus für ihren gesellschaftlichen Beitrag gewürdigt.


Weitere Informationen

Das Interview führte Lea von Guttenberg.