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„Stellen Sie sich vor es ist der 20. August 2025“ – Utopie-Konferenz 2018

27.08.2018 Der Frage nach dem guten Leben im Jahr 2025 gingen 600 Teilnehmer*innen der erstmals stattfindenden Utopie-Konferenz gemeinsam mit Richard David Precht, Honorar-Professor an der Leuphana, und zahlreichen renommierten Gästen wie Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg, GRÜNEN-Politiker Hans-Christian Ströbele und Viva Con Agua-Gründer Benny Adrion in Diskussionen und Open-Space-Formaten nach.

Lebenswertere Städte, neue Formen der Mobilität und solidarische Landwirtschaft im Oliven-Anbau. Von ihren utopischen Ideen berichten Teilnehmer*innen bei der Veranstaltung „Wie wollen wir 2025 leben?“. Jeweils 300 Studierende aus 54 Universitäten sowie 300 Bürger*innen kamen vergangene Woche an die Leuphana, um Zukunftsentwürfe zum guten Zusammenleben zu entwickeln. 

Wer entscheidet darüber, wie wir in Zukunft leben? Richard David Precht nennt das Silicon Valley als Brutstätte der heutigen Utopien in technischer Form – aber muss nicht eine gesamtgesellschaftlichere Lösung gefunden werden? Auf diesen Impuls hin berichten Teilnehmer*innen von ihren Ideen zur Zukunftsgestaltung, die sie zur Konferenz mitgebracht haben. „Wir als Konsumenten haben die Macht. Mit unseren Kaufentscheidungen können wir fair handelnde Unternehmen unterstützen, zum Beispiel Segelschiffe, die Lebensmittel nach Deutschland transportieren und so Schweröltanker ersetzen“, berichtet eine Teilnehmerin. Eine weitere Teilnehmerin berichtet von ihrer Idee, die sie bereits in einem Projekt umsetzt: „Wir möchten ein solidarisches Landwirtschaftsprojekt mit Kleinbauern in Griechenland für Bio-Olivenöl aufbauen. Dort geht man in Vorkasse und stellt so die nötige Planungssicherheit für die Landwirtschaft her.“  Precht gibt ergänzende Impulse: „Wo die Utopie von unten kommt, braucht es zur realen Umsetzung auch politischen Druck von oben.“ Die ersten konkret vorgetragenen Ideen dienten sowie die Impulse als Anregung zu Beginn der Konferenz.

Am ersten Konferenztag, der unter dem Motto „Kritik und utopisches Handeln“ stand, fanden hauptsächlich Podiumsgespräche statt. An den darauf folgenden Tagen ging es zunehmend um die Ideenentwicklung – diese wird in Workshops zu spezifischeren Themen wie Europa mit Europa-Vordenkerin Ulrike Guérot vertieft. Ausgetauscht und evaluiert wurden die entwickelten Ideen dann in Open Spaces, die zum offenen Austausch einladen. ‚Sehen auch andere meine Idee als utopisch an?‘ Der Diskussionsraum diente auch als Testraum für die eigenen Ideen.

Die Konferenz sei ergebnisoffen gestaltet, berichten Organisator Sven Prien-Ribcke und Präsident Sascha Spoun. Leitfrage der Konferenz-Gestaltung sei gewesen, wie man auch Menschen erreiche, die nicht im täglichen Diskurs der Leuphana agieren. In der Verbindung von Universität und Gesellschaft sieht auch Richard David Precht eine hohe Relevanz – denn gerade für Zukunftsdenken seien verschiedene Standpunkte aus der Gesellschaft enorm wichtig. Prechts Wünsche für die Konferenz sind, dass Menschen sich hier persönlich vernetzen können und konkrete Utopie-Ideen, zum Beispiel die Idee von nachhaltigen Wohnprojekten in Städten, in der Diskussion mit Anderen erstmals erprobt und weiterentwickelt werden können.


Autorin: Fee Kunze