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Neue Universitätsmusikdirektorin Rebecca Lang: Qualität und Leidenschaft

18.09.2018 Die Dirigentin Rebecca Lang ist ab Oktober 2018 neue Universitätsmusikdirektorin der Leuphana. Nach ihrem Studium am Victorian College of the Arts in Melbourne sowie an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg arbeitete sie mehrere Jahre lang als Pianistin und Dirigentin, bevor sie 2011 mit großem Erfolg Benjamin Brittens „The Rape of Lucretia“ an der Hamburgischen Staatsoper leitete. Weitere Engagements führten sie unter anderem als Studienleiterin an das Theater Hof sowie als musikalische Leiterin an das Theater des Westens in Berlin.

Was wird Ihre Aufgabe als Musikdirektorin sein, Frau Lang?

Ich werde die beiden großen Ensembles der Leuphana, das Universitätsorchester und den Chor, dirigieren. Formal gehöre ich zum „Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung“ und werde in diesem Rahmen außerdem Seminare in Musiktheorie und Gehörbildung geben. 

Worauf legen Sie dabei besonderen Wert? 

Mir ist es ganz wichtig, dass alle, die in einem Ensemble spielen oder singen, das Gefühl haben, ein wertgeschätzter Teil des Ensembles zu sein. Für mich als Dirigentin heißt das, dass ich die Menschen kennen lernen muss. Um herauszufinden, sozusagen zu „ertasten“, was sie wollen - was sie spielen wollen, aber auch, was sie von der Musik wollen.

Haben Sie in der Musik ein Lieblingsgenre?

Eigentlich nicht. In meiner musikalischen Laufbahn habe ich mit allen musikalischen Genres gearbeitet und ich schätze sie alle sehr. Von Mozart bis Musical bis Fauré bis zu den Beach Boys. Für mich macht es keinen Unterschied, was für ein Genre man singt oder spielt - Hauptsache, man macht es so gut wie möglich, in einer guten Qualität und mit Leidenschaft. Daher werde ich auch zunächst schauen, wie das Niveau der Ensembles jetzt gerade ist. Es ist zwar wichtig eine Herausforderung zu haben, aber es macht nun mal keinen Spaß, wenn man ständig überfordert wird. Ich habe auch früher Klavier unterrichtet. Wenn ich davon erzählte, sagten mir viele „Ich habe auch Klavier gespielt als Kind, aber ich habe meinen Lehrer gehasst und jetzt habe ich keinen Bezug zu Musik mehr“ – das finde ich furchtbar. Und eigentlich leicht zu vermeiden. 

Kann man lernen, musikalisch zu hören oder ist ein gutes Gehör etwas, das man entweder hat oder nicht hat? 

Klar, kann man das. Es gibt dafür viele Übungen. Ich setze sehr gerne Stimmübungen ein, um die Hörfähigkeit zu verfeinern. Ein Beispiel wäre das Solfeggio-System, bei dem jedem Ton ein Laut zugeordnet wird. Damit kann man sein Gehör vergleichsweise schnell trainieren. Manche Menschen haben von Geburt an das absolute Gehör, ich auch, aber das ist nicht zwangsläufig eine große Hilfe. Dann kann man vielleicht Töne richtig benennen, aber viel wichtiger ist, dass man auch versteht, wie sie funktionieren. 

Welche Rolle spielt Musik an Universitäten?

Viele Studierende haben Musik gemacht, bevor sie an die Uni kamen. Sie konnten oder wollten nicht Musik studieren, aber es komplett aufzugeben wäre auch schade. Dann gibt es natürlich auch die Studierenden, die Fächer im Bereich Musik und Kultur studieren. Dafür ist es wichtig, dass es ein Uniorchester und einen Unichor gibt. Zumal Musik zu machen für viele ein Ausgleich ist und, noch wichtiger, die Achtsamkeit übt; insbesondere, wenn man gemeinsam mit anderen musiziert, einen gemeinsamen Klang entdeckt oder entwickelt.

Sie haben auch Klassiker wie „La Traviata“ von Verdi dirigiert. Haben uns solche Klassiker heute noch etwas zu sagen?

Sie sagen uns auf jeden Fall noch etwas. Das ist etwas Schönes am Theater: Dramaturgisch gesehen besteht die Herausforderung darin, eine Oper zu nehmen, wie sie ist, aber eine neue Interpretation zu finden, die für das Publikum von heute noch relevant ist und dies gemeinsam mit der Musik zu illustrieren. In der absoluten Musik gibt es auch viel Relevantes - wenn man die Partituren von Bach anschaut, zum Beispiel, da ist ganz viel Jazz drin. Die Harmonien, wie er sie  benutzt hat, hatten Einfluss auf die Entwicklung der gesamten westliche Musik. 

Was werden Sie mit den Leuphana-Ensembles spielen?

Ich werde erstmal schauen, was sich die Mitglieder der Ensembles selbst wünschen, worauf sie Lust haben. Ich bin für alles offen.

Ist Schönheit für Musik wichtig?

Es gibt keine objektive Schönheit. Und die Aufgabe von Musik ist es nicht, schön zu sein. Die Aufgabe von Musik ist es, zu bewegen. Ob man das schön findet oder traurig oder erschreckend oder es einem Freude macht … Hauptsache es macht etwas - es darf auf keinen Fall langweilig sein!

Vielen Dank für das Gespräch!



Das Interview führte Martin Gierczak.