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Akkreditierung in 15 Minuten?

01.04.2019 Kann in 15 Minuten sinnvoll über die Akkreditierung von Studiengängen entschieden werden? Was können Hochschulnetzwerke für die Qualitätsentwicklung leisten? Bei der Tagung „Netzwerke als Motor der Qualitätsentwicklung – Chancen und Herausforderungen unter neuen Rahmenbedingungen“ Netzwerks Quality Audit suchten die 150 Teilnehmer*innen nach Antworten. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von elf Universitäten. Die Leuphana ist Partner im Netzwerk und stellt die Geschäftsstelle.

Prof. Dr. Thomas Hoffmeister (Universität Bremen), Katharina Pechthold (Universität Bremen), Vizepräsident Prof. Dr. Markus Reihlen (Leuphana) - v.l.n.r.

Im Zuge der Restrukturierung des Akkreditierungswesens wurden Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse von Ländern, Akkreditierungsrat und Agenturen neu definiert. Die Tagung widmete sich der Frage, wie die zukünftige Praxis des Akkreditierungswesens in Deutschland aussehen wird.
Im Rahmen eines Streitgesprächs prognostizierte der Vorsitzende des Akkreditierungsrates Prof. Dr. Reinhold Grimm, dass das Akkreditierungssystem an Zustimmung gewinnen werde. Die Vertreter der Hochschulen zweifelten indes daran, dass gute Entscheidungen über die Akkreditierung von Studiengängen wie geplant in 15 Minuten getroffen werden können.

Mehr Vertrauen, weniger Kontrolle

Auch Prof. Dr. Andreas Musil, Vizepräsident der Universität Potsdam, erwartete, dass der Akkreditierungsrat seine Aufgabe der Qualitätssicherung aufgrund knapper Ressourcen nur zurückhaltend wahrnehmen können wird. Er sprach sich für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Akkreditierungsrat und Agenturen sowie zwischen Agenturen und Hochschulen aus und warnte davor, Fragen der Qualitätssicherung gerichtlich zu klären. Prof. Dr. Reinhard Zintl, Vertreter der Agenturen im Akkreditierungsrat, betonte, dass Qualität nur durch Gewaltenteilung und Differenzierung von Aufgaben vorangebracht werden kann. Er wies auf die Schwierigkeit der Akkreditierung von Qualitätsentwicklung hin und legte dem Akkreditierungsrat nahe, sich zunächst auf die Überprüfung der Mindeststandards zu konzentrieren. Von den Gutachterinnen und Gutachtern in Akkreditierungsverfahren wünschte er sich, dass diese ihre Aufgabe weniger kontrollierend, dafür stärker fragend und unterstützend wahrnehmen.

Netzwerke nutzen

In seinem Vortrag „Qualitätsentwicklung als Lernprozess“ wies Prof. Dr. Markus Reihlen, Professor für strategisches Management und Vizepräsident an der Leuphana Universität Lüneburg, darauf hin, dass mit der Qualitätssicherung konkurrierende Ziele verfolgt werden. So sei es in einer Situation, in der die Erfüllung von Mindeststandards überprüft wird und sich eine Organisation legitimieren muss, schwierig eine konstruktive Fehlerkultur zu entwickeln. Dies wiederum sei aber die Voraussetzung für Lernen. Mit Hochschulnetzwerken, wie dem Netzwerk Quality Audit, verbindet er die Chance, soziales Lernen zu befördern und „funktionaler Dummheit“, einem Verhalten, welches in Organisationen zunächst nützlich erscheint, langfristig aber große Entwicklungsprobleme mit sich bringt, entgegenzuwirken.

Studierende auf Augenhöhe

In Arbeitsgruppen lieferten verschiedene Hochschulen wie auch Studierende Einblicke in ihre Netzwerkpraxis. Christian Merta und Sebastian Schön, Master-Studierende der Leuphana und Mitarbeitende im Netzwerk Quality Audit betonten gemeinsam mit ihren Kommilitonen und Kommilitoninnen der Universitäten Potsdam, Kaiserslautern und Saarbrücken, dass Qualitätsentwicklung gemeinsam mit Studierenden nur funktioniert, wenn man Foren hat, in denen man auf Augenhöhe und offen miteinander kommunizieren kann.



Autorin: Judith Braun