Meldungen aus der Universität

Rassismus-kritische Sprache: „Ich möchte nicht auf ein Klischee reduziert werden“

21.05.2019 Naomi* wurde in Asien geboren. Sie studiert an der Leuphana, hat hier einige sehr gute Freunde gefunden und fühlt sich respektiert. Außerhalb des Campus sei das aber nicht immer so.

„Es sind meist junge Männer, die mir ,Ching, chang, chong‘, ,Schlitzauge‘ oder sogar ,Geh nach China zurück!‘ auf der Straße zurufen. Sie denken, es sei lustig. Aber das ist es nicht. Ich fühle mich als Mensch abgewertet. Meine Freunde sagen: ,Nimm es nicht so ernst. Das sind nur Teenager.‘ Ich kann das aber nicht. Dazu kenne ich zu viele andere Asiat*innen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Im Westen weiß man oft auch nur wenig über Asien. Die Menschen erfahren in der Schule und den Medien nicht viel. Vielleicht bleiben deshalb oft nur die blöden alten Klischees übrig. Ich erlebe viele Vorurteile: Ziehe ich mir schicke Kleidung an, denken die Leute, ich sei Japanerin. Wird irgendwo ein als ,asiatisch‘ bezeichnetes Reisgericht angeboten, fragen manche Leute, ob es für mich nach Heimat schmeckt. Dabei ist das Essen für mich genauso exotisch wie für sie. Es gibt mehr als 40 Länder in Asien – nicht nur China und Japan. 

"Wir wissen, wer Beethoven und Schiller sind"

Ich wünsche mir, dass die Menschen mehr über den Osten der Welt erfahren. Asiatische Länder werden meist nur in den Nachrichten erwähnt, wenn etwas Schlimmes passiert: Katastrophen, Kriege oder Ungerechtigkeiten. Vom Alltag oder den Kulturen in Asien erfahren die westlichen Zuschauer*innen wenig. Umgekehrt ist das anders: Wir wissen, wer Beethoven und Schiller sind.
Mich machen die Klischees über Asiat*innen traurig und manchmal sogar wütend. Die Hornbach-Werbung war rassistisch und sexistisch gegen über asiatischen Frauen. Warum zeigt man eine Asiatin, die an einem Automaten durchgeschwitzte Unterhemden weißer Männer kauft und den Geruch anregend findet? Wir sind nicht irgendwelche Exot*innen! Das einzig positive an diesem Werbefilm: Viele haben dagegen protestiert – auch hier im Westen. 

"Ich liebe Sprache und Kultur"

Ich bin mittlerweile seit zwei Jahren in Deutschland, ich liebe die Sprache und die Kultur. Aber leider habe ich auch rassistische Erfahrungen gemacht. Ich glaube, dass wir durch gegenseitiges Interesse und dem Relativieren der eigenen Kultur viel an Toleranz und Offenheit gewinnen können. Ich möchte jedenfalls nicht mehr auf ein Klischee reduziert werden.“  


*Name wurde von der Redaktion geändert


Ausgezeichnet von Marietta Hülsmann