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Deutscher Baubetriebs- und Baurechtstag an der Leuphana

14.08.2019 Wie bauen? Die Disziplinen Baurecht und Baubetriebslehre stehen sich bislang fremd gegenüber. Dabei ließe sich hier von einer Zusammenarbeit sehr profitieren. Die wenigsten Bauunternehmungen scheitern an fehlenden Technikkenntnissen, viele allerdings an Fragen an der Schnittstelle von Jura und BWL. Antworten gibt der Deutsche Baubetriebs- und Baurechtstag (DBB), der im September 2019 zum zweiten Mal an der Leuphana stattfindet.

Der zu kleine Kofferraum, die falsche Farbe, der fehlende Unterbodenschutz: Wenn man ein Auto gekauft hat, wäre es undenkbar, am nächsten Tag wiederzukommen und den Kaufvertrag zu ändern. Bei Bauverträgen passiert das dagegen dauernd. Dies ist nur ein Beispiel dafür, dass der Baubereich anders funktioniert als andere Branchen. Man kommt ihm nicht mit herkömmlichen Tools bei. Stellt sich etwa im Laufe des Baus heraus, dass der Boden anders ist als ursprünglich gedacht, muss man schnell reagieren. Verträge, in der Regel Werkverträge, werden nicht so erfüllt wie sie geschlossen wurden, sie werden verändert. Wie setzt man so etwas sauber um? 


Derlei kann nur interdisziplinär gelöst werden, indem man Recht und Management verbindet und auf die spezifischen Fragen des Baubetriebs anwendet. Prof. Dr. Ralf Schottke, Leiter des Baubetriebs- und Baurechtstags, sagt: „Fehler passieren beim Bauen ständig: Ein Detail wurde aus dem Plan falsch in den Vertrag umgesetzt. Eine Bahnstrecke soll gebaut werden, aber der Boden wurde nicht genügend untersucht. Eine stabil wirkende Wand erweist sich als porös. In solchen Situationen geht es nicht um Schuldfragen. Es geht darum, herauszufinden, was als nächstes passieren soll. Bei der Tagung bringen wir bei, wie man derlei klug löst.“ Derlei Fragen sind nicht trivial. Der Bausektor setzt jährlich etwa 10,3 % des Bruttoinlandsproduktes um – circa 350 Milliarden Euro – und der Bauboom der letzten Jahre hält weiterhin ungebremst an.  

Viele Bauprojekte werden teurer und länger als ursprünglich gedacht. Das lässt sich zum einen Teil umgehen, wenn man sinnvoller plant, zum Beispiel indem man eine auf das Projekt angepasste Balance zwischen dem Einhalten des Prozesses und informeller (also kurzer, problemorientierter) Kommunikation findet. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bauwerk teurer wird, stets größer als dass es billiger wird. Schottke zieht einen Vergleich zum Arbeitsweg: „Man braucht mit dem Fahrrad 20 Minuten von Zuhause zur Arbeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass man mal länger braucht, ist immer größer als die, dass man es schneller schafft. Die Wahrscheinlichkeit, dass man es in null Minuten schafft, ist null Prozent. Das gilt für jeden Vorgang. Dass Bauprojekte teurer werden, steht außer Frage. Der entscheidende Punkt, den wir beim DBB behandeln, ist: Wie geht man gewinnbringend damit um?“

Schottke, der außerdem einen berufsbegleitenden Masterstudiengang zu Baubetrieb leitet, und sein Team versuchen, dem DBB einen besonderen Spin zu geben. „Wir wollten vermeiden, eine der üblichen Tagungen zu machen, wo vorne eine*r steht, zweihundert Leute zuhören und in den Pausen Visitenkarten austauschen. Das trägt zur Vernetzung bei und alle fühlen sich wohl, aber ich dachte mir bereits vor dem letzten DBB: ‚Das kann es nicht schon gewesen sein.‘ Ich wollte, dass wir stattdessen Lösungen finden, mit Wissenschaftler*innen, mit der Praxis zusammen, wirklich mal nach vorne kommen. Wir haben 16 Workshops mit einer Obergrenze von 30 Personen. Kein Vortrag dauert länger als eine halbe Stunde und die Vorträge finden nur vormittags statt. Nachmittags gibt es Workshops und der gesamte Samstag ist dafür vorgesehen, dass jeder Workshop den anderen seine Probleme vorstellt und gemeinsam Lösungen gefunden werden.“ 


Weitere Informationen

Anmeldungen zum Deutschen Baubetriebs- und Baurechtstag sind ab sofort hier möglich.


Autor: Martin Gierczak