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Tag der Lehre mit Prof. Dr. Jürgen Handke: „Das Wissen ist im Internet“

11.11.2019 Rund 160 Lehrende, Studierende und Interessierte informierten sich unter der Überschrift „Digitalisierung – Mit Konzept!“. Professor Dr. Torben Schmidt, Dr. Carolyn Blume und Katharina Alexi wurden mit dem Leuphana Lehrpreis geehrt.

Der Marburger Anglist Jürgen Handke deutet mit einem Augenzwinkern auf seine Power-Point-Präsentation. Gleich wird der Professor eben dieses Format verwenden, um es in die didaktische Rente zu schicken: „In meiner eigenen Lehre verwende ich Power-Points schon lange nicht mehr.“ Lerninhalte müssten nicht mehr frontal in der Präsenzlehre vermittelt werden. „Das Wissen ist im Internet. Jeder kann darauf zugreifen“, sagt der Didaktiker. Lernende könnten sich online über Inhalte informieren. Professor*innen gehörten an eine viel wichtigere Stelle innerhalb des Lernprozesses: die Wissensvertiefung. Und die hat ihren Ort vor allem in der „neuen Präsenzlehre“. Dort können die Studierenden fragen, nachhaken und üben. „Diesen Teil übernehmen bis jetzt oft Tutor*innen, die aber nicht so gut ausgebildet sind wie Professor*innen“, erklärt Handke. 

Wichtige Voraussetzung für das Gelingen des umgekehrten – „flipped“ –  Lehrkonzepts sei die hohe Qualität der digitalen Elemente und der fachlichen Begleitung während der Präsenzlehre. Handke setzt das Konzept bereits an der Philipps Universität Marburg ein: „Meine Lehrzufriedenheit ist um ein Vielfaches höher als früher.“ Allerdings sei die Aufarbeitung der Online-Lerninhalte aufwändig und auch teuer. Der Marburger setzt deshalb auf Zusammenarbeit zwischen den Lehrenden, um eine zeitgemäße Lehre zu entwickeln. Zumal Deutschland über alle technischen Voraussetzungen verfüge: „Es gibt keine Ausreden mehr, sich der Digitalisierung zu verweigern.“

Studierende*r Yannick Maria Reimers berichtete beim Tag der Lehre über seine Erfahrungen im Rahmen der Alternative Lehre der Leuphana: „In meinem Seminar zur Identitätsforschung benutze ich bereits digitale Formate. Mit Film- und Theatersequenzen versuche ich die Inhalte spielerischer zu vermitteln.“ Auch Handke nutzt das Prinzip der Gamification in seiner Lehre. Studierende erhalten als Belohnung für ihre Lernleistung Digital Badges, also kleine Figuren vom Rookie bis zum Genius – ein Thema, das unter der Fragestellung „wieviel Wettkampf wollen wir in der Lehre?“ in der Podiumsdiskussion noch einmal kontrovers diskutiert wurde.

Universitätspräsident Sascha Spoun wies beim Tag der Lehre auf die Vorreiterrolle der Leuphana im Hinblick auf die Digitalisierung hin. „Das ist die DNA unserer Universität.“ Beispielsweise ist die Informations- und Kommunikationsplattform myStudy an der Leuphana entwickelt worden. Breiten Anklang fand auch der Digital Marketplace im Forum des Zentralgebäudes, wo die Teilnehmer*innen sich u.a. über Projekte von Kolleg*innen sowie über Tools und Services rund um digitales Lehren und Lernen informieren und diese auch selbst auszuprobieren konnten.

Leuphana Lehrpreisträger*innen

In diesem Jahr wurden drei Lehrende ausgezeichnet, die das Lehren und Lernen über digitale Formate in besonderer Weise vorangetrieben haben. Die Lehrbeauftragte Katharina Alexi wurde für ihr Lehrkonzept „Enabling (Written) Encounters of Peers with less Fears – in Classroom and virtual Space“ in ihrem Seminar „Nach dem Cyberfeminismus das Hashtag? Von Sadie Plant bis #meetoo“ ausgezeichnet. Dabei waren digitale Medien nicht nur inhaltlicher Gegenstand der Veranstaltung, sondern wurden auch gezielt zur Unterstützung des Lernprozesses eingesetzt. Katharina Alexi benutzte dafür v.a. das Tool „Etherpad“, um die Studierenden in ihrem wissenschaftlichen Schreibprozess zu unterstützen. Im Pad arbeiten mehrere User online und parallel an einem Dokument. Angeleitet durch Leitfragen und Feedback der Lehrenden konnten sich die Studierenden in diesem „Schreib-Space“ untereinander bei Themenfindung und -eingrenzung, Literaturrecherche und den Herausforderungen des akademischen Schreibens gegenseitig unterstützen. 

Das „Blended Learning Seminar: Teaching in Inclusive & Heterogeneous Settings“ von Prof. Dr. Torben Schmidt und Dr. Carolyn Blume thematisierte Inklusion im Schulunterricht. Kursbegleitend wurden Moodle-Kurs, Videokonferenz-System und videobasierte Lernangebote bereitgestellt – teils mit Elementen der Gamification. Studierende konnten sich so inhaltlich und spielerisch auf die Präsenzzeiten im Seminar vorbereiten und ihr Wissen testen. Außerdem ermöglichte es über Live-Streaming das Beobachten, Analysieren und Mitgestalten von Schulunterricht im Klassenzimmer, ohne selbst dort anwesend zu sein und den Unterricht dadurch zu stören. Das Seminar war im Sinne einer erfahrungsorientierten Lehre als sogenannter „pädagogischer Doppeldecker“ konzipiert. Dies bedeutet, dass zur Unterstützung des Lernprozesses der Studierenden digitale Tools und Lernkonzepte eingesetzt werden, die sich später auch für den Unterricht in der Schule verwenden lassen.

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Autorin: Marietta Hülsmann