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Blickwechsel: Afrika setzt sich in Szene – Ausstellung "Looking Back"

18.11.2019 Die realistisch-farbintensiven Arbeiten von Ilsemargret Luttmann werfen Fragen zur eigenen Perspektive, Selbstreflexion und Inszenierung auf. Im Rahmen der Startwoche 2019 wurden sie im Foyer des Zentralgebäudes ausgestellt.

Unter dem Titel Looking back präsentierte sie im Kontext der Startwoche Bilder, die sich mit dem Blickwechsel und den postkolonialen Machtverhältnissen zwischen Europa und Afrika auseinandersetzen und die Politik der (Selbst)Inszenierung der Afrikaner*innen zum zentralen Thema machen. „Die Ausstellung beschäftigt sich nicht per se mit Afrika, sondern vielmehr mit meinem Blick darauf. Wie reagiere ich auf den Blick, dem die Afrikaner*innen mich aussetzen?“

Looking back sei hier nicht als Zurückblicken in die Vergangenheit zu verstehen, sondern als Zurückblicken auf den Westen. „Nachdem die Kolonisierten den diskriminierenden Blick ihrer Herrscher ertragen und erleiden mussten und ihnen dadurch ihre Kultur, ihre Würde und ihre Menschlichkeit genommen wurde, reagieren die heutigen Generationen mit selbstbewussten, kreativen und provokativen Selbstinszenierungen. Diese präsentieren sie der Welt über die sozialen Medien und in der Kunst.“ Der Westen sei hierbei gezwungen, sich mit diesen neuen Bildern auseinanderzusetzen und nach der eigenen Rolle zu fragen – Afrika blicke jetzt in aktiver Inszenierung zurück auf den Westen.
 

„Ich habe mich für dieses Thema der Selbst-Inszenierung entschieden, weil sie mir persönlich sehr nahe ist und ich mich mit den Performances identifizieren kann. Damit wird auch das gängige Verständnis von Identität infrage gestellt. Meine dargestellten Personen spielen mit dem Schein und lösen die Grenzen zwischen Sein und Schein auf. Identität ist etwas Fluides, Multiples. Betrachter*innen werden also in einen Zustand der Verunsicherung versetzt“, beschreibt Luttmann den Zugang zu ihrer Thematik.

Mit Malerei und Forschung beschäftigte sich Dr. Ilsemargret Luttmann schon immer parallel. „Früher war es sehr unüblich, in beiden Berufen zu arbeiten. Mir hat Mut gemacht, dass diese Zweigleisigkeit später von Arbeitgeber*innen honoriert wurde.“ So betrachtet sie es als besonderen Glücksfall, an der Leuphana Universität als Lehrbeauftragte arbeiten zu können, da hier die Transdisziplinarität in der Lehre einen hohen Wert genießt und der Transfer von theoretischem Wissen in die Gesellschaft zu den zentralen Lehr- und Lernzielen gehört.

Reflexionsfähigkeit in Bezug auf die meist eurozentristische Position möchte Ilsemargret Luttmann auch in ihren Seminaren im Leuphana-Semester vermitteln. Studierende sollen dort erlernen, ihre eigenen Urteile kritisch in Frage zu stellen und Blickwinkel auf vermeintlich Anderes zu hinterfragen. „Nach den bisherigen Erfahrungen, und besonders in meinen jetzigen Seminaren im Verstehens- und Verantwortungsmodul, habe ich den Eindruck, dass die Studierenden sich auf diesen Ansatz mit viel Engagement einlassen. Und ich selber stoße natürlich auch immer wieder auf die Grenzen meines Denkens über Andere.“

Dr. Ilsemargret Luttmann ist Künstlerin und Lehrbeauftragte an der Leuphana. Im Wintersemester 2019/20 gibt sie im Rahmen des Leuphana-Semesters Seminare zum Umgang mit dem kolonialen Erbe in Europa und afrikanischer Identität in der globalisierten Welt.


Autorin: Fee Kunze