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Artist in Residence: Torsten Maaß ist neuer Big Band-Leiter

14.01.2020 Ein neues Jahrzehnt ist angebrochen, die swinging twenties sind wieder da. Epochenrichtig hat die Leuphana einen neuen Big Band Leiter – Torsten Maaß. Der renommierte Musiker ist außerdem erster Artist in Residence der Leuphana Klangkörper.

Was hat Torsten Maaß mit der Big Band vor? „Ich möchte den Studierenden Spaß und Sachkenntnis im Big Band-Spiel vermitteln“, sagt Maaß, „das individuelle Niveau der Musikerinnen und Musiker ist sehr erfreulich, nun muss man natürlich alle irgendwie zusammenbinden.“ ‚Zusammenbinden‘ heißt, die Stimmung eines bestimmten Songs zu treffen und an Phrasierung, Artikulation und Dynamik zu feilen. „Big Band-Musik hat eine große Bandbreite. Musik von Earth, Wind & Fire spielt man natürlich anders als Swing-Klassiker etwa der Count Basie Big Band. Genauso wie man Bach anders spielt als Strawinsky.“ Gelegenheit dazu haben die Studierenden nicht nur bei den wöchentlichen Proben, sondern auch bei regelmäßigen Probenwochenenden. „Ich freue mich auf die Wochenenden, weil man zwei Tage Zeit hat, richtig ins Detail zu gehen und mit den einzelnen Sections zu arbeiten, Blechbläser einzeln, Saxophone einzeln, Rhythmusgruppe einzeln. Aber genauso wichtig wie die musikalische Arbeit ist hierbei auch der zwischenmenschliche Austausch.“
Neben seiner Aufgabe als Leiter der Big Band ist Maaß der erste Artist in Residence der Leuphana. Die Idee des „Artist in Residence“-Programms ist, mit ausgezeichneten Künstler*innen einen rotierenden musikalischen Schwerpunkt zu etablieren. Diese treten auch selbst auf, sowohl als musikalisches Beispiel als auch zur Unterstützung der Studierenden. Im Wintersemester 2020 wird der Fokus auf dem Kammermusikprogramm liegen, danach auf dem Chor und schließlich auf dem Orchester.

Maaß fand persönlich bereits früh zur Big Band-Musik. „Irgendwann habe ich ein Konzert der Big Band des Walddörfer-Gymnasiums Hamburg gehört und war sofort hin und weg. Ich bin anschließend zum Leiter der Band gegangen und habe gefragt, ob ich mitspielen kann, da war ich so 13 oder 14. Ja, sagte der, da könne ich eventuell mitmachen, man müsse halt gut Noten lesen. Zur nächsten Probe bin ich dorthin, ich spielte ja schon einige Jahre Trompete. Er führte gerade einen Kompositions-Workshop in seinem Musikkurs durch. Jeder Schüler sollte ein paar Takte für Big Band schreiben, das Ergebnis wurde dann direkt von der Big Band gespielt. Ich war gar nicht Schüler dieser Schule, dachte mir aber: das versuche ich auch mal.“ Das Komponieren begleitet ihn seitdem. „Im ersten Big Band-Stück, das ich damals geschrieben habe, waren ungefähr 100 Ideen drin. Heute weiß ich, dass das mindestens 97 zu viel sind. Ich habe es damals immer wieder probiert, viel Zeit mit Komponieren verbracht, ich habe es einfach gerne gemacht. Und nach so drei, vier Jahren begann langsam etwas einigermaßen Brauchbares herauszukommen.“
Eher zufällig, dann aber sehr fruchtbar, wurden auch Rundfunk Big Bands auf ihn aufmerksam. „Mein allererster Auftrag war, etwas zu transkribieren. Also von einer Aufnahme ein ganzes Big Band-Arrangement Note-für-Note herauszuhören und aufzuschreiben. RTL hatte früher eine eigene Big Band. Deren Schlagzeuger war gerade auf Welttournee und hatte versehentlich die einzigen Noten für ein bestimmtes Stück eingepackt. Damals konnte man keine E-Mail schicken. RTL hatte um ein paar Ecken von mir gehört. Sie schickten mir eine Audiokassette und die Aufforderung ‚Schreib das mal runter‘. Das tat ich. Und ab da lief es. Es kamen weitere Anfragen, zunehmend nach neuen Kompositionen und Arrangements, vom NDR, vom hessischen Rundfunk, für die habe ich sehr viel geschrieben. Für den WDR ebenfalls, dort habe ich dann auch die Big Band als Dirigent geleitet.“  Daneben spielte er in Bands wie dem international hochanerkannten „Bob Brookmeyer New Art Orchestra“ und Wolfgang Haffners „German All Star Big Band“ und schrieb Arrangements für andere Musiker*innen, darunter Fay Claassen, Bridget Fogle, Udo Jürgens, Clueso, Max Mutzke, Thomas Quasthoff und die No Angels (Big Band-Produktion „When the Angels Swing“).

Maaß hat eine klassische Ausbildung genossen, aber Big Band Jazz ist seine große Leidenschaft. „Nirgends sonst findet man dieses ‚organisierte Chaos‘ wie in der Big Band, diese Kombination aus Improvisation und durcharrangierten Parts. Ich hatte bereits als Grundschüler in einer Dixieland-Band gespielt. Da gab es keine Noten, wir haben alles nach Gehör gelernt. Ich als Trompeter habe meistens die Melodie gespielt und diese dann immer mehr variiert, so habe ich Improvisieren gelernt. Auf der anderen Seite habe ich auch im Ahrensburger Jugendsinfonieorchester gespielt, das war auch super - wir sind viel gereist -, aber da war natürlich jede Note aufgeschrieben. Eigentlich hatte man recht wenig zu spielen und sehr viele Pausentakte zu zählen. Ich habe einen Mittelweg zwischen spontaner musikalischer Ausdrucksmöglichkeit und bis ins kleinste Detail auskomponierter Musik gesucht. Und Big Band ist für mich genau die Mitte dazwischen. Es gibt Teile darin, in denen improvisiert wird, und es gibt eine ganze Menge, was organisiert ist, etwa Intro, Thema, Backgrounds, Ensemble-Chorus, Extro. Mir hat auch immer das ganze Drum-Herum einer Big Band gefallen. Das waren irgendwie immer die entspannten Typen.“



Torsten Maaß übernimmt die Leitung der Big Band von Hans-Malte Witte. Herrn Witte gilt die Wertschätzung und der Dank der Universität für seine langjährige, erfolgreiche Tätigkeit.

 

Autor: Martin Gierczak