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Neu an der Leuphana: Prof.in Dr.in Luise Görges – Wie Geschlecht ökonomische Ungleichheit beeinflusst

02.11.2020 Warum gehen Männer kürzer und seltener in Elternzeit als Frauen und wie teilen zweigeschlechtliche Paare ihre Arbeit auf? Die Volkswirtschaftlerin Luise Görges untersucht, welchen Einfluss soziale Normen und das Geschlecht auf ökonomisches Verhalten und Ungleichheiten in der Gesellschaft nehmen.

„Präferenzen fallen nicht einfach vom Himmel. Präferenzen werden dadurch beeinflusst, wie Gesellschaft strukturiert ist“, sagt Luise Görges. In der politischen Diskussion hingegen werde häufig davon ausgegangen, dass Geschlechtsunterschiede auf dem Arbeitsmarkt auf individuellen Präferenzen beruhen und einige vertreten dabei die Ansicht, diese seien biologisch determiniert und würden sich dem gesellschaftlichen Einfluss entziehen. Luise Görges teilt diese Auffassung nur bedingt: Zwar würden individuelle Präferenzen eine nicht unbeachtliche Rolle für individuelle Entscheidungen spielen. Es seien aber gerade die äußeren Strukturen, die diese Präferenzen und damit auch das wirtschaftliche Verhalten beeinflussen. „Einer der wichtigsten geschlechtsspezifischen Unterschiede ist die Bindung an den Arbeitsmarkt, mit enormen Konsequenzen für die ökonomische Ungleichheit über den Lebensverlauf von Männern und Frauen“, so Luise Görges. Während sich zu Beginn des Erwerbslebens kaum Unterschiede zeigen, entstehen sie meist dann, wenn Menschen Kinder kriegen. Das liege zum Teil an den noch immer sehr stereotypen Vorstellungen von Rollenverteilung innerhalb der Familie, also an den Präferenzen der einzelnen Familienmitglieder, bestimmte Rollen—Familienernährer*in, Kinderbetreuer*in, etc.—zu übernehmen. In ihrer aktuellen Forschung, basierend auf verhaltensökonomischen Experimenten mit jungen Paaren, hat Luise Görges gezeigt, dass Geschlechternormen die Rollenverteilung selbst im Laborkontext beeinflussen.

Allerdings sammele die ökonomische Forschung auch immer mehr Belege dafür, dass Präferenzen für bestimmte Rollenverteilung sich verändern können, wenn Politik die Rahmenbedingungen für alternative Arbeitsteilung schafft. Ein Beispiel dafür liefert ein europäischer Vergleich: Im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojektes betrachtet Luise Görges mit Kolleg*innen der Universität Hamburg den Zusammenhang von Geschlechternormen in der Arbeitsteilung im Kontext von Migration. Welchen Einfluss üben die egalitären Verhältnisse des jeweiligen europäischen Ziellandes auf das Verhalten junger Migrant*innen in der Erwerbsbeteiligung aus? Luise Görges stellt einen signifikanten Zusammenhang fest: „Je gleichberechtigter die Geschlechternormen in dem jeweiligen Land sind, in dem Migrant*innen sozialisiert werden, desto kleiner ist der Geschlechterunterschied in der Erwerbsbeteiligung.“ Dabei spiele auch das Alter eine entscheidende Rolle: „Je jünger ein Kind in ein egalitäres Land gekommen ist, desto stärker ist der Effekt“. Das zeige, was die egalitäre Sozialisation unabhängig von den institutionellen Rahmenbedingungen auswirke, also die individuellen Präferenzen beeinflusst.  

Luise Görges auf dem Leuphana Campus ©Leuphana/Marvin Sokolis
In ihrer Forschung beschäftigt sich Luise Görges vor allem mit Fragen im Kontext von Gender Economics.

Nach ihrem Studium in Berlin und Warwick promovierte Luise Görges an der Universität Hamburg und erhielt 2019 den Genderpreis für ihre Doktorarbeit zum Thema „Economic Analysis of the Impact of Gender Norms and Female Labour Supply“. Im September desselben Jahres ist sie als PostDoc an das Luxembourg Institue of Socio-Economic Research (LISER) gewechselt. Seit Oktober 2020 ist sie Junior Professorin für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomik, an der Leuphana.