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Wissenschaftler fordern strikte EU-Handelspolitik gegenüber Brasilien

26.04.2019 Offener Brief in ‚Science‘

Lüneburg. Vor dem Hintergrund der Handelsgespräche zwischen der EU und Brasilien fordern Hunderte Wissenschaftler und indigene Gruppen die EU-Kommission in einem offenen Brief dazu auf, Menschenrechte und Umweltschutz in den Mittelpunkt der Verhandlungen zu stellen. Unter den 600 Unterzeichnern aus der Wissenschaft befinden sich auch vier Mitglieder der Leuphana Universität Lüneburg. In der jetzt vom renommierten Fachmagazin Science veröffentlichten Stellungnahme fordern sie dazu auf, die Entwaldung in Brasilien zu stoppen, um Menschenrechte und das globale Klima zu schützen.

In ihrem offenen Brief skizzieren die Unterzeichner die aktuelle Situation der Entwaldung und Missachtung indigener Rechte in Brasilien: Die indigenen Völker Brasiliens und die Wälder, die sie beschützen, werden angegriffen. Im Zusammenhang mit der Abholzung des Regenwaldes eskaliere die Gewalt und allein im April seien bereits drei Anschläge und neun Morde gemeldet worden. Die internationale Nachfrage sei ein wesentlicher Faktor für territoriale Übergriffe, die gewalttätige Konflikte provozieren und die Wälder und Savannen Brasiliens und deren Bewohner gefährden. Als zweitgrößter Handelspartner Brasiliens mache sich die EU zum Komplizen solcher Verbrechen, wenn die Handelsbestimmungen nicht entsprechend verändert werden, sind die Autoren überzeugt.

Leuphana-Professor Dr. Jens Newig, der zu den rund 150 deutschen Unterzeichnern gehört, begründet sein Engagement: „Während Europa lokal einige Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit gemacht hat, scheitern wir immer noch daran, Verantwortung für die Konsequenzen zu übernehmen, die unser Lebensstil andernorts verursacht.“ Die chemische Verschmutzung und Entwaldung in Brasilien seien eindrucksvolle Beispiele solcher Effekte. Verursacht werden sie durch unsere Fleischproduktion, für die brasilianisches Soja als eiweißreiches Tierfutter importiert wird. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von „Telecoupling“. Newig sieht die Politik gefordert, stärker als bisher Verantwortung zu übernehmen und auch auf diesem Feld für mehr nachhaltige Lösungen zu sorgen.

Veröffentlichung:
"Indigenous groups and scientists call for strict EU trade policy with Brazil"
URL: science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.aaw8276