Was macht eigentlich Daniel Fischer?

Daniel Fischer war von 2008 bis 2016 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltkommunikation (INFU) sowie am UNESCO-Chair tätig. Er ist studierter Lehrer und Schulentwickler. In seiner Dissertation hat er sich mit dem Beitrag von Schule zur Bewältigung der globalen Konsumherausforderung beschäftigt und diese Frage im Spannungsfeld von Nachhaltigkeits- und Erziehungswissenschaft bearbeitet. Seit 2016 ist er als Junior-Professor für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana tätig, wo er mit seiner Arbeitsgruppe SuCo² zu den Themen Nachhaltiger Konsum und Nachhaltigkeitskommunikation forscht und lehrt.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin Juniorprofessor für Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana. In der Arbeitsgruppe Sustainable Consumption & Sustainability Communication (SuCo²) befassen wir uns mit den Fragen, welche Rolle Konsum für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse spielt, und wie Menschen dazu ermutigt werden könnte, nachhaltigere Alternativen aufzugreifen. Unser besonderes Interesse liegt in der Analyse, welchen Beitrag verschiedene Kommunikationsformate zur Erreichung dieses Ziels leisten können.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Ich kam im Jahr 2008 nach Lüneburg und war in verschiedenen Projekten am Institut für Umweltkommunikation (INFU) als wissenschaftlicher Mitarbeiter und später am UNESCO-Chair als Post-Doc tätig.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Die Verortung der eigenen Promotion in einem unglaublich lebendigen transdisziplinären Projekt mit Bildungseinrichtungen hat einiges abverlangt an Balancierakten, Entscheidungen zu Schwerpunktsetzungen und Ausdauer. Wir haben diese Erfahrungen unter dem Titel „Praxis essen Wissenschaft auf - Von den Gefahren des Gelingens einer transdisziplinären Zusammenarbeit“ sogar zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Reflexion gemacht. Den Abschluss in wechselnden Projektarbeiten und neben der Familiengründung – das war rückblickend schon herausfordernd.  Wie schön, dass das Leben seitdem so dermaßen entspannt verläuft! ;-)

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Für mich stellt die Umgestaltung gegenwärtiger Produktions- und Konsumsysteme eine der zentralen Herausforderungen dar, die ja im Nachhaltigkeitsentwicklungsziel 12 auch explizit aufgeführt wird und als Querschnitt viele weitere durchzieht. Für meine sozialwissenschaftliche Forschung ist das Konzept der alternativen Bedürfnisbefriedigung dabei ein wichtiger Ansatzpunkt. Interdisziplinär besteht eine Herausforderung sicherlich darin, die Wechselwirkungen sozio-ökonomischer und  ökologische Entwicklungen besser zu verstehen: im Konsum etwa die Frage, welche Wirkungen aus Konsumhandlungen erwachsen. Wie Strategien zur alternativen Bedürfnisbefriedigung gesellschaftlich anschlussfähig kommuniziert und verbreitet werden können, welches Wissen hierzu bereits in verschiedenen Praxisfeldern vorliegt – all das sind spannende Fragen für transdisziplinäre Forschung.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Für mich persönlich endet in fünf Jahren meine Juniorprofessor. Ich hoffe, dass es dann gelungen sein wird, nachhaltigem Konsum und der Nachhaltigkeitskommunikation einen festen Platz an der Fakultät zu geben und aus Lüneburg heraus wertvolle Beiträge zum Verständnis und zur Steigerung der Wirksamkeit von Nachhaltigkeitskommunikation und Etablierung alternativer Bedürfnisbefriedigung als Strategie nachhaltigen Konsums geleistet zu haben. Obwohl ich natürlich weiß und erlebe, wie schnell die Zeit vergeht, muss ich jedoch zugleich gestehen, dass mir der Zeithorizont dabei auch weit erscheint, wenn ich etwa daran denke, wie groß meine Söhne im Kindergartenalter bis dahin schon sein werden.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Um solche Verbindungen zu finden, muss man nicht sehr weit schauen. Räumlich und institutionell lässt sich die Verbindungslinie in wenigen Metern abschreiten. Inhaltlich ist das INFU und die Arbeit am UNESCO-Chair ein wichtiger Hintergrund, den ich wertschätze und aus dem ich schöpfe. Aus dieser Zeit kommen auch viele persönliche Kontakte innerhalb und außerhalb der Leuphana, die meinen aktuellen Arbeitskontext weiter bereichern. Es ist eine wunderbare Situation, in meiner neuen Rolle die noch immer wichtigen Themen des INFU weiterzuentwickeln und neue Schwerpunkte setzen zu können.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.