Was macht eigentlich Lars Degenhardt?

Lars Degenhardt hat am Institut für Umweltkommunikation von 1998 bis 2001 im von der DBU geförderten Graduiertenprojekt „Die Bedeutung unterschiedlicher Kontexte von Umweltbildung für Nachhaltigkeitsbewusstsein“ gearbeitet und in diesem Rahmen seine Dissertation verfasst. Nach seiner Zeit in Lüneburg hat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Georg-August-Universität Göttingen am interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung sowie im Anschluss für die HIS GmbH in der Organisationsberatung für Hochschulen gearbeitet. Jetzt ist er beim Land Niedersachsen beschäftigt und leitet den Bereich Fortbildung im Studieninstitut des Landes Niedersachsen.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Im Studieninstitut des Landes Niedersachsen (SiN) in Bad Münder leite ich seit Dezember 2013 den Bereich Fortbildung. Zu meinen Aufgaben gehört die Vertretung der Institutsleitung, die Bearbeitung von Grundsatzangelegenheiten in der Fortbildung, die Zusammenarbeit mit den obersten Landesbehörden des Landes Niedersachsen, die Entwicklung von Fortbildungs- und Personalentwicklungskonzepten, Qualitätsmanagement, Haushalts- und Budgetverantwortung sowie die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen und Moderation von Workshops und Tagungen.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Von April 2006 bis Nov 2013 habe ich bei der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover als Organisationsberater und Projektleiter gearbeitet. Im Rahmen dieser Tätigkeit habe ich bundesweit die Hochschulen bei der Erweiterung ihrer Planungs-, Steuerungs- und Organisationskompetenz durch Prozess- und Fachberatung unterstützt. Konkret war ich in Beratungs-, Evaluations- und Reorganisationsprojekten in den Themenfeldern nachhaltige Hochschule, Verwaltungsoptimierung, Personalentwicklung, Qualitätssicherung und Hochschulsteuerung tätig. Dabei konnte ich auch meine Erfahrungen als Coach, Trainer, Supervisor und Moderator in unterschiedlichen Gruppensettings und Veranstaltungsformaten einfließen lassen.

Vor dieser Zeit habe ich mit Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaftlerinnern und Ingenieur-, Natur- und Sozialwissenschaftlern im vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt „Das Bioenergiedorf – Voraussetzungen und Folgen einer eigenständigen Wärme- und Stromversorgung durch Biomasse für Landwirtschaft, Ökologie und Lebenskultur im ländlichen Raum“ am Interdisziplinären Zentrum für nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen gearbeitet. Ziel dieses Projektes war die Förderung des Einsatzes von Biomasse für eine eigenständige Strom- und Wärmeversorgung in einem Beispieldorf (Jühnde, Landkreis Göttingen). Mein Schwerpunkt in diesem Forschungsprojekt bestand darin, ein sozialkulturelles Innovationsmanagement der Biomassenutzung unter Einsatz von partizipativen Planungsverfahren und Bildungsprozessen zu gestalten und wissenschaftlich zu begleiten.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

In meiner Dissertation habe ich Personen mit einem ausgeprägt nachhaltigen Lebensstil befragt. Diese Lebensstilpioniere sind oft nicht einfach zu erreichen und für wissenschaftliche Forschungsthemen zu begeistern. Durch „nachhaltiges“ Dranbleiben gelang schließlich ein Feldzugang und letztlich ist es gelungen, dass sich die Personen, die beispielsweise in ökologischen Großprojekten wohnen, sehr persönlich in den Interviews geöffnet haben. Zwei von den damals befragten nachhaltigen Unternehmern haben ihre Firmen mittlerweile stark expandiert und sind bundesweit bekannt, andere Nachhaltigkeitspioniere ziehen es vor, ihr Leben und Arbeiten im überschaubaren Nahbereich zu leben. Eine persönliche Herausforderung für mich war die Selbstorganisation der eigenen Arbeit vor dem Hintergrund der Vereinbarung von Familie und Beruf bei „Doppelkarrieren“ an verschiedenen Standorten.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Die internationale Zusammenarbeit – insbesondere im Klimaschutz – über die Partikularinteressen von Staaten und unternehmerischer „global players“ hinweg sehe ich als die größte Herausforderung an. Es ist erschreckend, wie die Menschheit dem sich auch schon vor Ort konkret zeigendem Klimawandel in vielfacher Weise sogar gleichgültig zeigt. Internationale Organisationen haben kaum Durchschlagkraft, zumal die Einigung auf den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ einfach nicht genug ist.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich möchte in Zukunft das Thema nachhaltige Entwicklung wieder stärker in meinen beruflichen Alltag integrieren. Ein Auftakt dazu ist die Tagung zu den „Entwicklungspolitischen Leitlinien des Landes Niedersachsen - Gemeinsames Handeln für nachhaltige Entwicklung“ gewesen, die die Niedersächsische Staatskanzlei zusammen mit dem Studieninstitut des Landes Niedersachsen durchgeführt hat. Die Inhalte der 2030-Agenda und die damit verbundenen Herausforderungen für den Umsetzungsprozess in der Verwaltung sowie in der Gesellschaft allgemein stellen ein großes Themenspektrum bereit, das u.a. für Fortbildungsmaßnahmen fruchtbar gemacht werden kann. Privat möchte ich wieder mehr klassische Gitarre spielen.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Im Verlauf meines beruflichen Wegs habe ich mich vom direkten Betätigungsfeld „Nachhaltige Entwicklung“ mittlerweile entfernt. Allerdings auch nur scheinbar: Denn die Erkenntnisse aus meiner Dissertation zu den Potenzialen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung fließen in die aktuellen Planungen für Bildungsmaßnahmen des Landes implizit mit ein. Ich denke immer gerne an Lüneburg zurück und verfolge die Entwicklung der Leuphana Universität und der Bereiche, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, mit Interesse und Aufmerksamkeit. Und wer weiß: vielleicht ergibt sich in Zukunft wieder die Möglichkeit zu einer direkten Zusammenarbeit oder Kooperation.

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.