Was macht eigentlich Maik Adomßent?

Maik Adomßent ist ein Gewächs der Leuphana Universität Lüneburg. Er hat hier den Studiengang „Angewandte Kulturwissenschaften“ absolviert, 2004 zum Thema „Umweltkommunikation in der Landwirtschaft“ promoviert und 2011 habilitiert. Seit dieser Zeit koordiniert er auch das Komplementärstudium. 2017 wurde er außerplanmäßiger Professor.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin an der Uni geblieben. Seit 2011 koordiniere ich das Komplementärstudium im Leuphana Bachelor mit einer halben (Dauer-)Stelle, die andere Hälfte in der Fakultät Nachhaltigkeit gestalte ich mit eingeworbenen Projekten. So führe ich zurzeit gemeinsam mit rootAbility ein Vorhaben zur Einrichtung von Green Offices durch, mit denen der nachhaltigkeitsorientierte Umbau von Hochschulen durch studentisches Engagement gefördert und professionalisiert werden soll.
Des Weiteren schätze ich mich glücklich, durch die Arbeit in verschiedenen UNESCO-Gremien in den vergangenen Jahren interessante und für mich lehrreiche Erfahrungen gemacht zu haben. So wirkte ich an der Entwicklung von Politikleitlinien zur weltweiten Stärkung von Forschung und Lehre für nachhaltige Entwicklung mit und arbeite im Rahmen des Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer von fünf Arbeitsgruppen an der Realisierung von Ansätzen zur ganzheitlichen Veränderung von Bildungsinstitutionen.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Einmal INFU, immer INFU … Über viele Jahre hinweg mit einer klassischen Mittelbaukarriere, d.h. ein Drittmittelprojekt folgte auf das andere. Entsprechend lang ist inzwischen die Liste – mit einer erklecklichen Bandbreite: von der Schulung von ärztlichem und Pflegepersonal zur Reduzierung von Arzneimittelrückständen in Krankenhausabwässern (SAUBER+) über zahlreiche, recht unterschiedlich gelagerte Kooperationsvorhaben mit europäischen Partnern bis hin zur Qualifizierung von Lehrerbildnern in Äthiopien. Entsprechend froh war ich, als der Schwebezustand dann vor einigen Jahren mit einer Dauerstelle endete und ich seither zumindest auf einem wissenschaftlichen Standbein dauerhaft stehen kann. Parallel dazu wurde ich im Laufe der vergangenen Jahre dann auch habilitiert, und seit kurzem darf ich den Titel eines außerplanmäßigen Professors tragen.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Ich hatte mich darauf versteift, unbedingt ein Herzensthema von mir zu bearbeiten, das jedoch wenig mit meiner alltäglichen Arbeit am INFU in den verschiedenen Projekten zu tun hatte. Dies erforderte einen erheblichen intellektuellen und zeitlichen Mehraufwand, so dass die Promotionszeit bei mir deutlich länger als üblich ausfiel, da ich vornehmlich an Wochenenden und während meiner Urlaube an meiner Dissertation arbeitete. Im Nachhinein betrachtet ging dies viel zu sehr zu Lasten meines Familienlebens, so dass ich heute vermutlich einen anderen, leichter gangbaren Weg wählen würde.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Zwei Dinge treiben mich derzeit um. Zum einen beobachte ich bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitswissenschaften das paradoxe Phänomen, dass diese ihrem Selbstverständnis nach zwar notwendig inter- und transdisziplinär sind, doch gleichzeitig aktiv die eigene Disziplinbildung betreiben, was mit den üblichen Begleiterscheinungen derartiger Entwicklungen (u.a. Abgrenzungstendenzen) einher geht.
Zugleich hat mir meine aktuelle Arbeit der letzten anderthalb Jahre deutlich vor Augen geführt, dass wir in den Ländern des Nordens auch Gefahr laufen nicht wahrzunehmen, dass wir in einer Art wissenschaftlichen „Blase“ leben. Denn während der größte Teil der Welt noch kaum Aktivitäten in Richtung einer dringend erforderlichen wissenschaftlichen Bearbeitung der mit nachhaltiger Entwicklung verbundenen Fragestellungen und Herausforderungen entfaltet hat, nehmen wir in unseren Breiten den erreichten Stand der Dinge – ebenso häufig wie fälschlicherweise – als selbstverständlichen Normalzustand. Wie falsch dieser Eindruck ist, zeigt beispielsweise ein Blick in den arabischen Raum, der mit Blick auf den Status und die Finanzierung der Wissenschaft nur als  prekär beschrieben werden kann.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Gemeinsam mit Gerd Michelsen und weiteren Mitstreitern arbeite ich derzeit an der Überführung/Verstetigung des UNESCO Chairs in die Einrichtung eines UNESCO-Instituts. Und entsprechend meiner zweigeteilten Profession beschäftigt mich im College die Weiterentwicklung des Komplementärstudiums. So entwickle ich derzeit u.a. die Konzeption des Lehrformats einer dialogorientierten Vorlesung. Zudem liegt mir die breite Verankerung nachhaltigkeitsorientierter Lehrangebote in allen wissenschaftlichen Perspektiven des Komplementärstudiums am Herzen, die ich z.B. mit einem eigenen Profil „Nachhaltigkeit in der Reflexion“ sowie Schwerpunktthemen wie bspw. anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg zu realisieren versuche. Hier fanden verschiedene Veranstaltungen zur 2030 Agenda statt. Als weiteres aktuelles Projekt steht für das Sommersemester 2018 die Organisation und erstmalige Durchführung einer Ringvorlesung mit allen deutschen UNESCO-Chairs auf dem Programm, die sich jüngst - trotz wissenschaftlich unterschiedlicher Profile - allesamt auf ein gemeinsames Wirken in Richtung der Realisierung der Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) verpflichtet haben.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Ich bin und bleibe ein Uni-Mensch, daher sind die beiden Elemente in meinem Fall biografisch und inhaltlich wohl auch zukünftig nicht zu trennen.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.