Was macht eigentlich Mandy Singer-Brodowski?

2016 hat Mandy Singer-Brodowski ihre Dissertation zum Thema „Studierende als GestalterInnen einer Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ erfolgreich abgeschlossen. Während der Erarbeitung dieser war sie hauptsächlich am Wuppertal Institut als Referentin für Nachhaltige und Transformative Wissenschaft beschäftigt und setzte sich dort mit der Stärkung von Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung und transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung auseinander. Heute ist sie am Institut Futur der Freien Universität Berlin beschäftigt.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin am Institut Futur der Freien Universität Berlin beschäftigt und koordiniere das nationale Monitoring zum Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Arbeitsstelle des wissenschaftlichen Beraters zum WAP BNE, Prof. Dr. Gerhard de Haan. Wir untersuchen den Implementierungsstand von BNE in Deutschland in sechs verschiedenen Bildungsbereichen: Frühkindliche Bildung, Schule, Berufliche Bildung, Hochschule, Kommune und Non-formales/Informelles Lernen/ Jugend. Ferner wollen wir Hebelpunkte (Leverage Points) zur stärkeren Verankerung von BNE in diesen Bildungsbereichen identifizieren.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Von 2012 bis 2015 war ich am Wuppertal Institut (für Klima, Umwelt und Energie) als Referentin für Nachhaltige und Transformative Wissenschaft beschäftigt. Dort habe ich mich intensiv der Frage gewidmet, wie transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung und eine Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung im deutschen Wissenschaftssystem gestärkt werden kann. Im Jahr 2016 habe ich das Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) an der Bergischen Universität Wuppertal (BUW) koordiniert und die Ansätze einer transformativen Forschung und einer gesellschaftlich engagierten Lehre der BUW und des Wuppertal Instituts mit zivilgesellschaftlichen Bewegungen aus der der Stadt Wuppertal etwas weiter zusammengebracht. Seit 2011 habe ich jedoch hauptsächlich an meiner Dissertation „Studierende als GestalterInnen einer Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ gearbeitet und diese 2016 abgeschlossen.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Besonders herausfordernd war die Organisation der Promotion als externe Promovendin. Zwar habe ich auf den regelmäßigen Kolloquien des INFU immer konstruktives Feedback auf den Arbeitsstand meiner Dissertation erhalten und auch die vielfältigen anderen Projekte am INFU kennen lernen dürfen. Aber die Gespräche zwischen Tür und Angel über aktuelle Forschungsprojekte, interessante Publikationen und methodische Herausforderungen haben mir gefehlt.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Erstens denke ich, dass wir noch sehr viel stärker die Rolle der Wissenschaft in der Lösung globaler Nachhaltigkeitsherausforderungen adressieren müssen. Die Hochschulen dürfen sich nicht in ihre Elfenbeintürme zurückziehen, sondern sollten aktiv ihre verantwortliche Rolle in der Transformation unserer Gesellschaften durch eine engagierte Forschung und Lehre wahrnehmen. Zweitens meine ich, dass wir die Rolle der Bildung im Kontext der – vom WBGU – geforderten großen Transformation stärken müssen. In den Sustainable Development Goals hat Bildung für nachhaltige Entwicklung bereits Eingang gefunden. Eine systematische Verschränkung von BNE- und Nachhaltigkeitspolitik steht jedoch noch ganz am Anfang.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich würde gern noch stärker der Frage nachgehen, wie die Fragen sozial-ökologischer Transformation und Bildung zusammen gehen können. Wie kann eine Bildung für nachhaltige Entwicklung noch stärker verankert werden? Welchen Beitrag kann dazu ein Monitoring leisten, wenn es explizit Lücken und Herausforderungen in der BNE-Implementierung identifiziert? Und wie sieht eine Bildung im Kontext von Ansätzen des Degrowth-Diskurses aus? Was bedeutet ein transformatives Lernen im Kontext solcher wachstumskritischen Positionen? Solche Fragen würde ich gern in den kommenden Jahren vertiefend bearbeiten.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Seit fünf Jahren bin ich Lehrbeauftragte im Leuphana Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“, das vom INFU aus konzipiert und umgesetzt wurde. Ich bin ein großer Fan von dem Modul, dem Ansatz des forschenden Lehrens und der Begleitung der Lehrenden und Studierenden durch das Modulteam, da ich glaube, dass die Seminare den Studierenden eine theoretisch fundierte und selbstorganisierte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsthemen ermöglichen. Für diese lebendige Verbindung zur Leuphana Universität Lüneburg bin ich sehr dankbar und möchte sie auch in den kommenden Jahren aufrechterhalten.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.