Was macht eigentlich Marco Rieckmann?

Marco Rieckmann hat 2010 an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg seine Dissertation zum Thema „Die globale Perspektive der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Eine europäisch-lateinamerikanische Studie zu Schlüsselkompetenzen für Denken und Handeln in der Weltgesellschaft“ geschrieben und mit der Disputation erfolgreich abgeschlossen. Vorher hat an der Universität Lüneburg das Diplom-Studium „Umweltwissenschaften“ absolviert. Von 2004 bis 2013 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltkommunikation (INFU). Seitdem ist er Juniorprofessor für Hochschuldidaktik, Schwerpunkt Schlüsselkompetenzen, an der Universität Vechta.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich wurde im März 2013 zum Juniorprofessor für Hochschuldidaktik, Schwerpunkt Schlüsselkompetenzen, an der Universität Vechta berufen, und im Februar 2016 wurde ich positiv zwischenevaluiert. Bis Herbst 2016 hatte ich die Koordination des BMBF-finanzierten Projekts "Stärkung der Integration und Transmission von Kompetenzentwicklung in Lehre und Studium der Universität Vechta" (InVECTra) inne. Aktuelle Schwerpunkte des Arbeitsbereichs „Hochschuldidaktik“ in Forschung und Entwicklung sind: Kompetenzentwicklung in Lehre und Studium, Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung, Nachhaltige Hochschulentwicklung, Entwicklung von Kompetenzen für eine nachhaltige (sozio-ökonomische) Entwicklung sowie Service Learning und Forschendes Lernen mit Partnern aus der Region. Seit 2015 bin ich Nachhaltigkeitsbeauftragter der Universität Vechta und leite die AG Nachhaltige Hochschule. Ein regionaler Arbeitsschwerpunkt ist Lateinamerika – so bin ich auch seit 2014 Programmkoordinator des Studierendenaustauschs der Universität Vechta mit der Universidad de Antioquia (Kolumbien) und der Universidad Técnica del Norte (Ecuador).

2. Und was hast Du davor gemacht?

Von 2004 bis 2013 war ich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltkommunikation (INFU) der Leuphana Universität Lüneburg. Während dieser Zeit habe ich in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten in den Bereichen (Hochschul-)Bildung für nachhaltige Entwicklung und Nachhaltigkeitskommunikation mitgewirkt. Zudem habe ich in verschiedenen Studiengängen der Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften gelehrt, war über mehrere Jahre für die Koordination der Lehre am INFU verantwortlich und war von 2010 bis 2013 Studiengangsleiter des Minor „Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”. Außerdem habe ich den Studierendenaustauschs der Leuphana Universität Lüneburg mit Universitäten in Ecuador, Chile und Peru koordiniert. Von 2011 bis 2013 habe ich zudem die Aktivitäten des UNESCO-Chair „Higher Education for Sustainable Development“ koordiniert.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Die größte Herausforderung war es für mich, neben meiner Einbindung in zahlreiche Aufgaben in Forschung und Lehre am INFU genügend Zeit zu finden, um mit meinem eigenen Promotionsprojekt voranzukommen. Es gab immer so viele anderen spannende und wichtige Dinge zu tun, dass die eigene Promotion dabei häufig zu kurz gekommen ist. Daher war es sehr hilfreich, dass ich mich zwischen 2007 und 2009 als Promotionsstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung vorrangig meiner Promotion widmen konnte. Auch in dieser Zeit habe ich aber in engem Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen des INFU gestanden und teilweise auch Lehrveranstaltungen übernommen, weil es mir wichtig war, weiter den fachlichen Austausch zu pflegen und mit Studierenden arbeiten zu können.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Mir liegt besonders die Bildung für nachhaltige Entwicklung am Herzen. Und so würde ich mir wünschen, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung eine größere Rolle im gesamten Bildungsbereich spielt. Es gibt immer mehr Kindergärten, Schulen, Hochschulen und weitere Bildungseinrichtungen, die sich mit Themen einer nachhaltigen Entwicklung beschäftigen. Aber es bestehen auch immer noch viele Defizite. So ist Bildung für nachhaltige Entwicklung z.B. immer noch erst in sehr wenigen Lehramtsstudiengängen ein zentraler Gegenstand des Studiums. So sehe ich auch für die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine wesentliche Herausforderung darin, Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnitts-Anliegen in alle Bereiche der formalen, non-formalen und informellen Bildung zu integrieren.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich möchte den Arbeitsbereich „Hochschuldidaktik“, der mit meiner Berufung als Juniorprofessor an der Universität Vechta im Jahr 2013 neu entstanden ist, weiterentwickeln und ausbauen. In den letzten Jahren ist es mir bereits gelungen, einige Kooperationen mit Partnern im In- und Ausland aufzubauen und Drittmittel für Forschungs- und Entwicklungsprojekt einzuwerben. Daran möchte ich in den nächsten Jahren anknüpfen und inhaltlich vor allem einen Schwerpunkt im Bereich der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung setzen. Die Juniorprofessur hat eine Laufzeit bis 2019, und so hoffe ich natürlich, dass sich eine Möglichkeit ergeben wird, auch über dieses Jahr hinaus als Professor an der Universität Vechta tätig zu sein.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

In meiner jetzigen Tätigkeit knüpfe ich direkt an viele Fragen und Themenbereiche an, die ich auch in Forschung und Lehre am INFU bearbeitet habe. Ich bin dem Bereich der Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung treu geblieben, der bereits in Lüneburg meine Arbeit wesentlich geprägt hat. Mit einigen Kolleginnen und Kollegen des INFU und der Fakultät für Nachhaltigkeit stehe ich auch immer noch im regelmäßigen Austausch, und ich freue mich auf zukünftige Kooperationen.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.