Was macht eigentlich Saskia Juretzek?

Saskia Juretzek hat 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg ihre Dissertation zum Thema „Die Bewältigung von Corporate Sustainability-Dilemmata im Rahmen der Umsetzung von Corporate Sustainability-Strategien“ geschrieben und mit der Disputation erfolgreich abgeschlossen. Sie hat an der Universität Mannheim sowie an der Fachhochschule Worms und der Università degli Studi di Roma Internationale Betriebs- und Außenwirtschaft studiert. Danach arbeitete sie mehrere Jahre für die internationale Unternehmensberatung Accenture. Parallel zur Promotion wechselte sie in das Nachhaltigkeitsmanagement von Telefónica Germany. Seit 2015 ist sie bei der Allianz SE im konzernweiten Nachhaltigkeitsmanagement.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich arbeite bei der Allianz SE in München als Nachhaltigkeitsmanager. Auf den zweiten Blick ist die Finanz- und Versicherungsbranche eine sehr spannende Branche, da sie über die Investitionsentscheidungen einen großen Hebel hat. Neben der Unterstützung der Ländergesellschaften bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie bin ich für die gruppenweite Nachhaltigkeitsberichterstattung verantwortlich. Zudem halte ich Vorlesungen zum unternehmerischen Nachhaltigkeitsmanagement, aktuell unter anderem als Lehrbeauftragte an der Akademie für Mode und Design in München und als Gastdozentin an der TU München.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Davor habe ich an der Leuphana Universität zur Bewältigung von Dilemmata im Rahmen der Umsetzung von Corporate Sustainability-Strategien promoviert und parallel zuerst noch in der Unternehmensberatung und anschließend bei Telefónica als Nachhaltigkeitsmanager gearbeitet.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Die größte Herausforderung war mit der externen Promotion aus München verbunden. Es war einerseits ein toller Luxus in der Praxis nochmals kürzer zu treten und sich tief in ein neues Thema einzuarbeiten. Andererseits war durch die große Entfernung zum Lehrstuhl der Austausch mit den Professoren und Kommilitonen erschwert. Das Arbeiten am Institut selbst ist sicherlich hilfreich für einen konstanten Austausch und erleichtert das wissenschaftliche Arbeiten. So war ich häufig in München auf mich allein gestellt. Schön war allerdings zu sehen, wieviel Unterstützung ich von meinem Doktorvater, Kommilitonen und anderen Promovierenden erhalten habe, die mich mit Wissen und einem offenen Ohr sehr unterstützt und motiviert haben. Dies versuche ich nun an anderen Nachhaltigkeitsbegeisterten und Promovierenden weiter zu geben.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

 

Das ist eine gute Frage. Aktuell ist aus meiner Sicht immer noch die wichtigste Herausforderung, die Menschheit von der Sinnhaftigkeit nachhaltiger Entwicklung zu überzeugen. Momentan treibt mich am meisten um, dass eine fleischlose oder fleischärmere Ernährung viele Ressourcenproblematiken lösen könnte (siehe bspw. www.cowspiracy.com) und dazu vermutlich sogar noch gesünder ist (http://verlag-systemische-medizin.de/china-study). Dies möchte aber weder der Verbraucher noch die Industrie gerne hören.

 

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Die Verankerung von nachhaltiger Entwicklung in Unternehmen weiter voran zu treiben sowie Studenten möglichst früh für nachhaltige Entwicklung und einen hinterfragenden Konsum zu sensibilisieren. Ich kann mir auch vorstellen, ein eigenes Unternehmen mit einer nachhaltigen Produktpalette aufzubauen, da es in vielen Bereichen noch an einem guten Angebot mangelt.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Die Dissertation an der Leuphana hat einen wesentlichen Grundstein für meine Arbeit auf Unternehmensseite gelegt. Das erarbeitete Wissen und die gewonnenen Erkenntnisse nutze ich in meiner täglichen Arbeit und versuche es zudem über Vorträge, Vorlesungen und Veröffentlichungen weiter zu tragen. Die Dissertation ist für mich persönlich ein wichtiger Eckpfeiler, um Nachhaltigkeit glaubwürdig vorantreiben zu können.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.