Was macht eigentlich Silke Kleinhückelkotten?

Nach dem Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg hat Silke Kleinhückelkotten anschließend dort auch ihre Promotion zum Thema „Suffizienz und Lebensstile. Ansätze für eine milieuorientierte Nachhaltigkeitskommunikation“ abgeschlossen. Mittlerweile ist sie eine der beiden GeschäftsführerInnen des ECOLOG-Instituts für sozialökologische Forschung und Bildung, das seinen Hauptsitz in Hannover hat.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin eine von zwei Geschäftsführer*innen des ECOLOG-Instituts für sozial-ökologische Forschung und Bildung mit Hauptsitz in Hannover. Meine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der empirischen Sozialforschung, insbesondere bezogen auf das Umwelt-, Natur- und Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Bevölkerung, und der zielgruppengerechten Nachhaltigkeitskommunikation. Zurzeit leite ich unter anderem einen großen Forschungsverbund zum Thema ‚Slow Fashion‘. Der Fokus liegt auf gestalterischen, technischen, ökonomischen und sozialen Innovationen für mehr Nachhaltigkeit in der Produktion und im Konsum von Kleidung. Neben der Forschung bin ich auch in sehr angewandten Projekten tätig. Im Moment koordiniere ich zum Beispiel einen Verbund ganz unterschiedlicher Partner, die Aktionen zur interkulturellen Kommunikation für Nachhaltigkeit auf Quartiersebene umsetzen.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Ich arbeite schon seit Abschluss der Promotion als wissenschaftliche Mitarbeiterin im ECOLOG-Institut. Nebenher habe ich auch noch einige sehr anwendungsorientierte Projekte im Wissenschaftsladen Hannover begleitet.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Das Thema meiner Dissertation ‚Suffizienz und Lebensstile‘ war für mich inhaltlich herausfordernd, da ich mich dafür vertieft mit philosophischen Fragen des guten Lebens beschäftigt habe – was zugleich auch sehr spannend war: Was gehört zu einem guten und zugleich nachhaltigen Leben? Welche Bedürfnisse sollten gedeckt werden, welche Wertorientierungen, Kompetenzen und Fähigkeiten sollten ausgebildet sein? Für die Operationalisierung eines idealtypischen nachhaltigen Lebensstils habe ich eine Expert*innen-Befragung durchgeführt, bei der die Herausforderung darin bestand, genügend Expert*innen zu motivieren, den langen Kriterienkatalog durchzuarbeiten.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Die größte Herausforderung in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung ist nach wie vor die Umsteuerung unserer Wirtschafts- und Lebensweise in Richtung Suffizienz. Gerade im Bereich der Effizienzstrategie ist in den letzten Jahren einiges erreicht worden, Fortschritte wurden zudem im Bereich der umwelt- und sozialverträglichen Produktion gemacht – auch wenn hier noch großer Handlungsbedarf besteht. Um für alle heute (und möglichst auch in der Zukunft) lebenden Menschen ein gutes Leben in einer annähernd intakten Umwelt zu ermöglichen, ist eine Verringerung des Massendurchsatzes unabdingbar. Doch für dieses Umsteuern fehlt bisher der politische Wille. In der Bevölkerung besteht zwar verbreitet die Einsicht, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann, aber dies führt leider bei den meisten Menschen nicht zu entsprechendem Handeln. Maßhalten wird mit Verzicht gleichgesetzt und verzichten möchte – bis auf wenige Ausnahmen – keiner.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Beruflich möchte ich weiter daran arbeiten, einen Beitrag zu einer anwendungsorientierten Forschung zu leisten, mit der ein gesellschaftlicher Wandel in Richtung Nachhaltigkeit unterstützt wird. Das bedeutet, dass ich mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen darum bemühe, Fördermittel einzuwerben, um entsprechende Forschungsprojekte umsetzen zu können. Außerdem habe ich vor, mich weiter für die nachhaltige Entwicklung der Region Vorpommern einzusetzen, in der das ECOLOG-Institut eine Zweigstelle hat und wo mittlerweile mein Lebensmittelpunkt liegt. Dabei geht es mir vor allem darum, die vielfältige Natur in der Region für die Einheimischen und die Urlauber erlebbar zu machen.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Die Fragestellung meiner Dissertation „Wie können mehr Menschen dafür gewonnen werden, sich nachhaltiger zu verhalten?“ treibt mich auch heute noch um und an. Darüber hinaus gibt es viele inhaltliche Überschneidungen zwischen meiner jetzigen Tätigkeit und den Aktivitäten am INFU. Außerdem arbeiten wir in Forschungsprojekten immer wieder mit Kolleg*innen an der Leuphana Universität Lüneburg zusammen.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.