Was macht eigentlich Simon Burandt?

Simon Burandt hat 2011 seine Dissertation zum Thema „Szenarioanalyse als Lernsetting einer nachhaltigen Entwicklung" an der Fakultät Nachhaltigkeit erfolgreich abgeschlossen. Nach dem Studium der Umweltwissenschaften an der Universität Lüneburg war er von 2005 bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Umweltkommunikation (INFU), dem UNESCO Chair und für die Fakultät Nachhaltigkeit als Koordinator der Initiative 2042 tätig. Nachdem er von Ende 2014 bis 2016 die Leitung der Leuphana Graduate School inne hatte, ist er seit 2016 Geschäftsführer der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin Geschäftsführer der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem die Vorbereitung und Umsetzung von Beschlüssen der Fakultätsleitung und der Gremien, Steuerung der Fakultätsressourcen, Begleitung von Berufungsverfahren, Öffentlichkeitsarbeit oder Mitarbeit bei der strategischen Weiterentwicklung der Fakultät. Die Stelle ist sehr vielseitig, sehr kommunikativ und im Bereich des Wissenschaftsmanagements einzuordnen.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Meine wissenschaftliche und berufliche Laufbahn habe ich am Institut für Umweltkommunikation und dann am UNESCO Chair „Higher Education for Sustainable Development“ begonnen. Ich war fast 10 Jahre in unterschiedlichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten beschäftigt, meist im Kontext der Entwicklung und Untersuchung von Lehr- und Lernumgebungen. Von 2013 bis 2014 habe ich die Aktivitäten des UNESCO-Chairs und die „Initiative 2042“ der Fakultät Nachhaltigkeit koordiniert. Durch die Möglichkeit einer Elternzeitvertretung habe ich ins Wissenschaftsmanagement gewechselt und durfte von Ende 2014 bis Anfang 2016 die Graduate School der Leuphana leiten. Die tolle Zeit an der Graduate School hat mich bewogen und mir die Möglichkeit eröffnet weiter im Wissenschaftsmanagement zu arbeiten.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

So einige. Inhaltlich ging es um den Einsatz der Methode Szenarioanalyse in Bildungsprozessen und ich wollte unter anderem herausfinden, inwieweit die Teilnahme an einem Szenarioprozess die Kompetenz des vernetzten Denkens fördert. Dafür habe ich ein Lernsetting und eine Analysemethode entwickelt, mehrfach Szenarioprozesse durchgeführt und sehr aufwendig die entsprechenden Daten gesammelt. Zudem war das Schreiben der Arbeit an sich eine Herausforderung. Keines der Projekte, in denen ich als Wissenschaftler gearbeitet habe, hatte einen ganz direkten Bezug zu meiner Promotion und ich habe mich relativ spät entschieden, dass ich kumulativ promovieren will. Ich habe zwar relativ viel publiziert, aber trotzdem war es zum Ende nicht leicht, einen theoretischen Rahmen für die entsprechenden Publikationen zu schreiben. Heute würde ich eine Promotion etwas anders angehen.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Nachhaltigkeit als Thema oder Konzept ist ja mittlerweile recht gut bekannt und weitestgehend akzeptiert. Eine große Herausforderung ist aus meiner Sicht, dass Nachhaltigkeit eben nicht die Lösung mit einer entsprechenden Anleitung ist, die dann einfach nur umgesetzt werden muss, sondern nachhaltige Entwicklung ausgehandelt werden muss und unterschiedlicher, angepasster Strategien bedarf.
Somit müsste, wenn wir das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft erreichen wollen, „Nachhaltigkeit“ als selbstverständliches Reflexionskriterium, welches quer zu fast allen Themen liegt, in unser Denken, Entscheiden und Handeln Eingang finden – und da ist noch einiges zu tun. Abgesehen von den vielen kleinen Entscheidungen im privaten Leben sehen wir ja, wie schwer es beispielsweise im Bildungsbereich ist, deutlich zu machen, dass es nicht das Fach „nachhaltige Entwicklung“ im Unterricht, sondern eine entsprechende Perspektive braucht, aus der man unterschiedlichste Themen mit einer großen Bandbreite an Arbeitsweisen betrachten und bearbeiten kann und sollte.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich möchte die Entwicklung der Fakultät Wirtschaftswissenschaften weiter begleiten; dabei möglichst viel lernen, mich in verschieden Bereichen weiter fortbilden. An der Fakultät passiert gerade sehr viel und ich freue mich, dass ich dabei sein kann. Zugegebenermaßen vermisse ich insbesondere die Lehrtätigkeit. Zudem habe ich zwei kleine Kinder und versuche den Spagat, beruflich weiter zu kommen und trotzdem Zeit mit der Familie zu verbringen, daher ist die Situation, in Lüneburg zu leben und an der Leuphana zu arbeiten, sehr luxuriös. Daran muss sich erst einmal auch nichts ändern.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Ich arbeite immer noch im Hochschulkontext und profitiere enorm von meinen Erfahrungen als Wissenschaftler und aus der Forschungsorganisation, den Antragstellungen, internationalen und natürlich inter- und transdisziplinären Kontexten. Auch meine Nachhaltigkeitsexpertise schadet mir nicht ;-).

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.