Was macht eigentlich Sonja Richter?

Sonja Richter war von 2011 bis 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin am UNESCO Chair; seit 2014 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Comenius Institut in Münster, wo sie die Fachstelle Globales Lernen in der Schule leitet. Sie gibt ehrenamtlich die Zeitschrift Voluntaris heraus und ist als Gutachterin und Bildungsreferentin tätig. Ihr Studium der Erziehungswissenschaften und Lateinamerikanistik schloss sie 2014 an der Universität Hamburg ab. An der Leuphana promoviert sie zu Lernprozessen in Freiwilligendiensten im Globalen Süden.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Seit 2014 bin ich wissenschaftliche Mitarbeiterin am Comenius-Institut in Münster. Ich leite dort die Fachstelle GLiS – Globales Lernen in der Schule und bin Ansprechpartnerin für Globales Lernen / Bildung für nachhaltige Entwicklung im evangelischen Kontext. Nebenberuflich arbeite ich als Gutachterin, Prozessbegleiterin und Seminarleiterin im Bereich Globales Lernen / Bildung für nachhaltige Entwicklung. Meine Schwerpunkte sind hier Schulentwicklung sowie Lernen im Kontext von internationalen Begegnungsprogrammen, insbesondere Freiwilligendienste.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Ich habe Erziehungswissenschaften und Lateinamerikanistik studiert und im Anschluss fünf Jahre am INFU in unterschiedlichen Projekten gearbeitet. Der Einstieg erfolgte über das Projekt BINK – Bildungsinstitutionen und nachhaltiger Konsum, später übernahm ich Aufgaben im Rahmen internationaler Hochschulpartnerschaften mit Ecuador und Peru sowie beim Aufbau der Wissenschaftsplattform „Grünes Wissen“.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Ich denke, die Vereinbarkeit von Promotion sowie meinen haupt- neben- und ehrenamtlichen Projekten war die größte Herausforderung. Ich habe während dieser Zeit die wissenschaftsorientierte Fachzeitschrift Voluntaris- Zeitschrift für Freiwilligendienste mitgegründet und durch Vortrags- und Lehrtätigkeiten immer versucht, den Draht zur Praxis zu halten.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Aus der Perspektive der praxisorientierten Wissenschaftlerin wäre meine Antwort hier: Die Umsetzung von Trans- und Interdisziplinarität in der Entwicklung von nachhaltigkeitsorientierten Lösungsansätzen zu den bekannten Herausforderungen der globalisierten Weltgesellschaft. Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis und der fachübergreifende Blick auf Fragestellungen erfordert Empathie-Vermögen, Beharrlichkeit und die Fähigkeit des Denkens und Handelns über den eigenen Tellerrand hinaus.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich möchte weiterhin praxisnah und wissenschaftlich zur Frage von Bildung im Kontext von nachhaltiger Entwicklung arbeiten. Das Praxisfeld rund um internationale Begegnungsprogramme und Freiwilligendienste zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden wächst; Erkenntnisse zur Wirkung solcher Bildungsprogramme im Kontext von nachhaltiger Entwicklung liegen jedoch nur ansatzweise vor. Spannend fände ich im Kontext von Flucht und Integration auch die Frage, wie wir mit Begegnungssituationen entsprechende Lernräume schaffen können. Zu diesen Themen und Fragen möchte ich arbeiten – nicht zuletzt mit dem Ausbau der interdisziplinären Forschungscommunity zu Freiwilligendiensten, die wir über das Netzwerk unseres Journals aufbauen.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Die Arbeit im Projekt BINK war ja meine erste Stelle nach Studienabschluss. Ich hatte damals nur ansatzweise eine Ahnung davon, was Projektmanagement und transdisziplinäre Forschung bedeuten – die Projektarbeit am INFU war hierfür aber eine gute Lehrwerkstatt. Jetzt leite ich ein Projekt, in welchem ich ebenfalls Praxis und Wissenschaft zusammenbringe und auch in Voluntaris genau das unser Anspruch. Auch inhaltlich gibt es natürlich Parallelen: sei es Schulentwicklung, Nachhaltigkeit oder Forschung rund um Bildungskonzepte wie Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.