Was macht eigentlich Thomas Krikser?

Thomas Krikser hat 2015 an der Leuphana Universität Lüneburg seine Dissertation zum Thema „The contribution of Foundations to an ecofriendly and sustainable Development“ geschrieben und mit der Disputation erfolgreich abgeschlossen. Nach seinem Abschluss in Politikwissenschaften (2005) arbeitete er u.a. im Rahmen der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Freien Universität Berlin und im Bereich der Zivilgesellschaftsforschung am Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und am Gund-Institute for ecological Economics an der University of Vermont. Seit 2014 ist er am Fachbereich ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel und unterrichtet dort empirische Sozialforschung, Methoden und Statistik.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich arbeite derzeit als Lehrkraft am Fachbereich ökologische Agrarwissenschaft der Universität Kassel in Witzenhausen. Im Rahmen meiner Tätigkeit bin ich für die methodische und statistische Ausbildung der Studierenden zuständig. Besonders interessant gestaltet sich diese Stelle durch den hohen Grad an Internationalisierung am Standort Witzenhausen, wodurch sich immer wieder neue und spannende Aspekte ergeben.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Seit meinem Abschluss in Politikwissenschaften hatte ich das Glück, mich immer im Umfeld der nachhaltigen Entwicklung bewegen zu können. Zunächst konnte ich als wissenschaftlicher Referent für die UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung arbeiten. Später hat es mich dann stärker in den Bereich Regionalentwicklung getragen. Meine Promotion habe ich dann in einem Projekt zu zivilgesellschaftlichem Einfluss auf die Honorierung ökologischer Leistungen (CIVILand) am Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und den Universitäten von Vermont und Südkalifornien geschrieben.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Ich glaube, dass es bei einer Promotion immer mal schwierige Phasen gibt. Da ich immer sehr interdisziplinär gearbeitet habe, hat mir in einigen Phasen der Austausch mit anderen Sozialwissenschaftlern gefehlt, die sich auch mit Nachhaltigkeitsfragen beschäftigen. Am Ende der Promotion war dann die Phase des Wartens auf die Begutachtungen aus den Journals, die sich teilweise sehr lange verzögert haben. Und ich hatte gerade im letzten Jahr immer den Eindruck, dass eigentlich alles fertig ist und ich nur noch warte, bis das letzte Paper veröffentlicht ist. Insgesamt war aber eigentlich alles ganz entspannt.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Als eine Person, die in der empirischen Sozialforschung tätig ist, beschäftigt mich gerade die Einstellungsmessung zur Nachhaltigkeit und die sogenannte Attitude-Behaviour-Gap. Einstellungsfragen sagen uns immer, dass in der Bevölkerung die Umwelt als sehr wichtig gesehen wird, und dass das Verhalten darauf hin ausgerichtet wird. In der Realität finden wir jedoch eine starke Diskrepanz zwischen Einstellung und Handlung. Ich glaube, dass wir die Einstellung oft mit den falschen Fragen messen und daher teilweise falsche Schlüsse ziehen. Daher sehe ich in meinem Forschungsbereich derzeit eine Herausforderung in der akkuraten Messung von Einstellungen.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Zeit mit meiner Familie verbringen und weiterhin an interessanten Projekten forschen. Da man als Empiriker oft das Glück hat, für verschiedene Projekte angefragt zu werden, bleibt es eigentlich immer spannend. Von daher nehme ich mir eigentlich nur vor, den Blick für Neues und Interessantes zu erhalten, und das nicht nur für die nächsten fünf Jahre.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Ich war ja selbst nie am INFU oder der Leuphana Universität, sondern nur externer Doktorand. Die meisten Personen, die ich dort kenne, kenne ich über verschiedene Projekte, an denen wir gemeinsam gearbeitet haben. In meinem jetzigen Schwerpunkt geht es um ökologische Agrarwissenschaft und Marketing ökologischer Produkte, also im eigentlichen Sinne auch um Umweltkommunikation. Ich denke, es ist vor allem die nachhaltige Entwicklung, die meine Verbindung zum INFU und zur Leuphana Universität darstellt. Und ich denke, dass diese Verbindung noch lange bestehen bleibt.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.