Was macht eigentlich Thomas Pyhel?

Thomas Pyhel hat 2013 an der Leuphana Universität Lüneburg seine Dissertation „Instrumente effektiver Nachhaltigkeitskommunikation – Anforderungen und Rahmenbedingungen am Beispiel von Ausstellungen“ geschrieben und mit der Disputation erfolgreich abgeschlossen. Nach einem Studium der Wirtschaftsgeographie an der LMU München und der Westfälischen-Wilhelms Universität Münster war er u.a. in der Erwachsenenbildung tätig.

1. Was machst Du gerade beruflich?

Ich bin seit 1992 bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) angestellt und als Stellv. Abteilungsleiter u.a. für den Bereich der Umweltkommunikation zuständig. Gleichzeitig leite ich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die sich mit den Themen „Nachhaltigkeitsbildung“ und „Konsumgüter“ befasst. Hier initiiere, berate und koordiniere ich innovative Projektvorhaben, die sich zum Beispiel mit Fragen der Nachhaltigkeitsbewertung oder mit der Entwicklung neuer, nachhaltiger Gebrauchsgüter auseinandersetzen. Zusätzlich wirke ich in der Arbeitsgruppe „Bauen und Kulturgüterschutz“ mit.

2. Und was hast Du davor gemacht?

Nach dem Studium habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kulturamt des Landkreises Emsland gearbeitet und gemeinsam mit einem kleinen Team eine Ökologische Erwachsenenbildungsstätte aufgebaut und viele Jahre lang zunächst stellvertretend, später dann kommissarisch geleitet. Im Frühjahr 1992 habe ich dann zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt gewechselt. Hier war ich zunächst für die Konzeptentwicklung und Umsetzung des Deutschen Umweltpreises zuständig. Später leitete ich dann die Referate Umweltinformationsvermittlung und Umweltbildung.

3. Welche Herausforderungen waren mit Deiner Promotion verbunden?

Da ich berufsbegleitend promoviert habe, lag die größte Herausforderung in einem guten Zeitmanagement. Das bedeutete vor allem diszipliniertes Arbeiten, lange Abende, zahlreiche Wochenenden und Urlaubstage, die geopfert werden mussten.

4. Was ist für Dich heute eine der wichtigsten Herausforderungen, insbesondere wenn es um Fragen zur nachhaltigen Entwicklung geht?

Nachhaltige Entwicklung ist für mich zunächst einmal ein Kommunikationsthema. Nach wie vor gibt es zahlreiche Menschen, die weder etwas mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung noch mit dem dahinterstehenden Konzept anfangen können. Eine große gesellschaftliche Aufgabe ist es daher, möglichst viele Menschen an diese Thematik heranzuführen und sie zu einem nachhaltigeren Handeln zu motivieren. Eins der größten Hemmnisse scheint mir dabei die Komplexität der Problemsituation und möglicher Lösungsansätze zu sein. Die wichtigste Herausforderung im Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation ist es, diese Komplexität didaktisch so zu reduzieren, dass die Zusammenhänge verständlich werden, ohne sie zu verfälschen.

5. Was hast Du Dir für die nähere Zukunft, sagen wir mal für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Ich möchte gerne der Frage nachgehen, mit welchen Kommunikationskonzepten und -instrumenten sich komplexe Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhänge sinnvoll erschließen lassen. Eine wichtige Schlüsselkomponente scheint mir dabei die Frage des Vertrauens zu sein, d.h. welche Indikatoren tragen zu einer vertrauensvollen, glaubwürdigen und authentischen Beziehung z.B. zwischen einem Unternehmer, Zulieferer, Händler und Konsumenten bei, welche erschweren oder verhindern diese vertrauensvolle Basis eher. Hierzu gibt es noch nicht sehr viele Forschungsergebnisse, sodass es sich aus meiner Sicht lohnt, dieser Frage nachzugehen. Aber auch neue Formen der Kommunikation, wie z.B. das Storytelling, halte ich im Hinblick auf mögliche Einsatzfelder im Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation für sehr interessant. Hier möchte ich mich zukünftig verstärkt der Zielgruppe der Journalistinnen und Journalisten widmen.

6. Wo siehst Du Verbindungen zwischen Deiner jetzigen Tätigkeit und Deiner Verbindung zu Leuphana Universität Lüneburg / INFU?

Mit der Leuphana Universität Lüneburg und insbesondere mit dem Institut für Umweltkommunikation bin ich in meiner beruflichen Tätigkeit seit vielen Jahren eng verbunden. So gibt es nicht nur zahlreiche inhaltliche Schnittstellen, sondern auch verschiedene persönliche Kontakte, auf die ich bei der Bewertung von Projekten, der Entwicklung neuer Schwerpunkte oder der Initiierung innovativer Kommunikationsvorhaben nicht nur gerne zurückgreife, sondern die ich auch sehr schätze. Die Leuphana Universität Lüneburg nehme ich dabei wahr als Vorreiter und Innovationsmotor für den gesamten Bereich der Nachhaltigkeitskommunikation und -forschung und als Trendsetter in der deutschen Hochschullandschaft. Ich freue mich darauf, auch zukünftig einen engen Austausch mit dem Institut für Umweltkommunikation pflegen zu dürfen und möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich für die bisherige sehr gute Zusammenarbeit ganz herzlich zu bedanken.

 

Das Interview führte Gerd Michelsen, Seniorprofessor für Nachhaltigkeitsforschung am UNESCO Chair Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung.