• Literaturreview
  • Werkstattgespräche und Abschlusssymposium
  • Medienanalyse
  • Fallanalyse
  • Qualifikation
  • Experimentierräume für Nachhaltigkeitsjournalismus
  • Netzwerk

Literaturreview

Die Literaturrecherche identifiziert das Spektrum der wissenschaftlichen Diskussion über die journalistische Darstellung des Leitbildes Nachhaltigkeit und des Umweltbegriffes im deutsch- und englischsprachigen Raum. Das Ziel ist ein Sortierungsangebot von Definitionen, Typen, Schulen und damit auch Akteuren des Nachhaltigkeitsjournalismus' und des davon abzugrenzenden Umweltjournalismus. Das Verhältnis von Journalismus und Nachhaltigkeit bzw. Journalismus und Umwelt wird damit strukturiert. In der Recherche geht es also zum einen um das Identifizieren von expliziten Definitionen und Begriffsbestimmungen zu Nachhaltigkeitsjournalismus bzw. Umweltjournalismus und ihren Äquivalenten. Außerdem geht es um implizite Nennungen von Merkmalen in wissenschaftlichen Diskussionen zum Verhältnis von Journalismus und Nachhaltigkeit bzw. Journalismus und Umwelt. Die Literaturrecherche dient als Datengrundlage für die Entwicklung von Qualitätskriterien und eines Kompetenzprofils für Nachhaltigkeitsjournalismus. Sie wird entlang wissenschaftlicher Kriterien durchgeführt, geht jedoch darüber hinaus auf notwendige Quellen außerhalb der wissenschaftlichen Datenbanken ein. Die Recherche soll in ein wissenschaftliches Paper münden. In aufbereiteter und didaktisierter Form kann die Analyse dazu dienen, Diskussionslinien, Entwicklungen, Lagerbildungen etc. im Bereich des Nachhaltigkeitsjournalismus zu evaluieren.

Leitfragen der Recherche sind: Wie breit ist das Spektrum von Definitionen/Schulen/Typen von Nachhaltigkeits- bzw. Umweltjournalismus?  Was sind Merkmale bzw. Gemeinsamkeiten und Unterschiede innerhalb und zwischen den Debatten um Nachhaltigkeitsjournalismus bzw. Umweltjournalismus? Und wer beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeitsjournalismus bzw. Umweltjournalismus?

Werkstattgespräche und Abschlusssymposium

Im Sinne einer transdisziplinären Arbeitsweise bearbeitet das Projektteam, das aus Wissenschaftler_innen und Journalist_innen besteht, die Fragestellungen und Lösungsansätze von Anfang an gemeinsam mit potentiellen Multipikator_innen wie Journalist_innen und Vertreter_innen aus der journalistische Aus- und Weiterbildung. Maßgeblich hierfür ist eine Workshopreihe, die die verschiedenen Perspektiven vereinen soll. Grundlage ist eine der DBU‐geförderten Studie, die Bedarfe, Anforderungsprofile und Chancen/Risiken eines Qualifizierungsangebots für Journalistinnen und Journalisten eruierte. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll im Rahmen der Workshopreihe mit Expert_innen exploriert werden, inwiefern sich dieses Anforderungsprofil in den vergangenen zehn Jahren gewandelt hat und welche Veränderungen im Lichte der konstatierten „Renaissance des Umweltjournalismus“ notwendig sind. Die Workshops werden durch ein an die Delphi‐Methode angelehntes Verfahren vor‐ und nachbereitet.

Die Workshop-Reihe besteht insgesamt aus Werkstattgesprächen und einem öffentlichen Abschlusssymposium. Den Auftakt machte ein Werkstattgespräch im Juni 2013 zu Charakteristika und Qualitätskriterien im Nachhaltigkeitsjournalismus. Ende November 2013 findet ein Workshop für Nachwuchsjournalist_innen statt, in dessen Mitte die praktischen Erfahrungen junger Kolleg_innen stehen, die sich für das Berufsbild des Nachhaltigkeitsjournalismus entschieden haben. Weitere Werkstattgespräche rücken die Qualifikationen von Nachhaltigkeitsjournalist_innen in den Mittelpunkt wie auch die Anbahnung eines Netzwerkes für Nachhaltigkeitsjournalist_innen. Auf dem finalen Symposium präsentieren Wissenschaftler_innen und Journalist_innen die Botschaften des drei-jährigen Forschungs- und Dialogprozesses vor Medienmacher_innen, Transformator_innen und der Öffentlichkeit.

 

Ergebnis des 1. Werkstattgesprächs: Was ist guter Nachhaltigkeitsjournalismus?

Anfang Juni 2013 kamen  25 Journalist_innen und Wissenschaftler_innen zum ersten Werkstattgespräch der Initiative  „Nachhaltigkeit und Journalismus“ der Leuphana Universität Lüneburg zusammen. Vertreten waren Journalist_innen aus Print-, Funk- und Online-Medien sowie lokalen, regionalen und nationalen Medien und verschiedenen Ressorts. Kommunikations- und Nachhaltigkeitswissenschaftler_innen von insgesamt vier Universitäten und Hochschulen nahmen ebenso teil. Sie alle stehen bereits mitten in der Nachhaltigkeitsdebatte und sind – journalistisch oder wissenschaftlich – führend darin, dieses Leitbild zu kommunizieren.

Ziel des Workshops war es, mit einem Auftaktgespräch über die Zusammenhänge von Nachhaltigkeit und Journalismus eine Fachdebatte anzustoßen. Als Grundlage diente eine einführende Präsentation mit dem Titel „Nachhaltigkeit im Wandel – Missverständnisse rund um ein großes Leitbild“. Der Nachhaltigkeits-politikwissenschaftler Prof. Dr. Harald Heinrichs (Leuphana Universität Lüneburg) klärte über gängige Mythen und Unklarheiten, die mit dem Leitbild in Verbindung gebracht werden, auf. Mit Beispielen wie der ISO-Normierung „Sustainable Communities“, dem Prinzip der Sharing Economy oder den Nachhaltigkeitsstrategien einzelner Bundesländer zeigte er, dass Nachhaltigkeit weder beliebig, abstrakt und schwammig noch langweilig sein muss. Seine Aussage ist: „Nachhaltigkeit steht nicht im Widerspruch zu Nachrichtenfaktoren und menschlichen Wahrnehmungs- und Handlungsroutinen.“ Eine Teilnehmerin ergänzte die linguistisch unklare Verwendung von Nachhaltigkeit, wenn lediglich langfristig oder dauerhaft gemeint sei.

Im Hauptteil des Workshops stellte das Team der Initiative Nachhaltigkeit und Journalismus ihre ersten Forschungsergebnisse vor. Anhand einer in den Vormonaten durchgeführten Expert_innen-Befragung mit 29 Befragten (darunter etwa die Hälfte der Workshop-Teilnehmer_innen) zeigte sich ein erstes Stimmungsbild, das während des Workshops validiert und korrigiert wurde. Ausgangsthese für die Befragung war die Feststellung, dass angesichts multipler Krisen und dramatischer Entwicklungen Richtung Nicht-Nachhaltigkeit ein öffentliches Interesse gegenüber einer umfassenden Medienberichterstattung über Nachhaltigkeit besteht. Aktuell ist jedoch ein großes Defizit seitens der journalistischen Aufbereitung des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung festzustellen.

Anschließend wurden Thesen präsentiert, die das Forscher_innen-Team aus der Befragung generierte. Die Thesen stellen verdichtete Kernforderungen aus den quantitativen und qualitativen Ergebnissen der Umfrage dar und decken die wesentlichen Merkmale des Nachhaltigkeitsjournalismus ab. Diese Zuspitzung in Form von Thesen wurde gewählt, um zum einen Konsens über Grundpfeiler des Nachhaltigkeitsjournalismus innerhalb des Expert_innenkreises zu erzielen und im weiteren Verlauf des Forschungsprojekts mit einer unterzeichneten Erklärung eine breitere Debatte in den Redaktionen und unter Medienschaffenden über den Bedarf an gutem Nachhaltigkeitsjournalismus anzustoßen.

Medienanalyse

Im Rahmen der Initiative Nachhaltigkeit und Journalismus wird eine Medienanalyse durchgeführt, die die in den vorherigen Arbeitspaketen identifizierten bzw. entwickelten Qualitätskriterien als Ausgangspunkt nimmt. Ziel der Medienanalyse ist es, Aussagen über den Stand der praktischen journalistischen Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsfragen zu treffen und Aufschlüsse über gute Praxis, aber auch über Nachholbedarfe zu erlangen.

Die Medienanalyse soll eine wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme liefern, die eine Einschätzung zur (quantitativen und qualitativen) Repräsentanz von Nachhaltigkeit in den deutschen Medien liefert. Das Design der Studie soll so angelegt sein, dass sich die Studie in festen Abständen replizieren lässt und sie somit im Sinne einer Zeitreihenerhebung auch Trends und Entwicklungen der Nachhaltigkeitskommunikation nachzuzeichnen vermag (Medien-Barometer).

Fallanalyse

Am konkreten Anwendungsfall des modellhaften zweisemestrigen Zertifikatsstudienprogramms „Nachhaltigkeit und Journalismus“, das seit dem Wintersemester 2012/13 an der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg durchgeführt wird, werden zum einen Anhaltspunkte über allgemeine Erwartungen und Bedarfe an Weiterbildungsangebote im Bereich des Nachhaltigkeitsjournalismus aus Sicht von Praktikerinnen und Praktikern und zum anderen Hinweise auf die Wirksamkeit eines modellhaften Qualifizierungsangebotes gewonnen, die für die Weiterentwicklung bestehender sowie die Konzeption weiterer Studienangebote fruchtbar gemacht werden können. Die Studie soll auch Aufschlüsse über mittelfristige Wirkungen des Qualifizierungsangebotes und über damit verbundene Karrierewege der Absolventinnen und Absolventen liefern.

Das Zertifikatsstudium Nachhaltigkeit und Journalismus ist an der Professional School der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelt und stellt ein bundesweit einzigartiges Modellvorhaben dar. Es hat sich zum Ziel gesetzt, berufstätige Journalistinnen und Journalisten sowie Medienschaffende in eine Auseinandersetzung mit Fragestellungen der Nachhaltigkeit zu bringen. In zwei Semestern absolvieren die Studierenden berufsbegleitend sieben Module, in denen sie sich mit Fragen der Nachhaltigkeitsforschung und -kommunikation, aber auch mit konkreten Sachthemen wie dem Klimawandel, der Energiewende oder nachhaltigen Konsum- und Produktionsweisen beschäftigen.

Welche Verständnisse nachhaltiger Entwicklung bringen die Medienschaffenden zu Beginn des Studiums mit? Wo genau sehen die Studierenden qualifizierungsbedarf, um am Ende des Studiums für die Berufspraxis gerüstet zu sein? Derzeit läuft die erste Befragung der ersten Absolventinnen und Absolventen des Zertifikats. Die beiden Erhebungen, die jeweils vor Beginn des Studiums durchgeführt wurden, weisen unter anderem auf ein Dilemma der berufsbegleitenden Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten hin: Es werden gleichzeitig der Wunsch nach fachlicher und wissenschaftlicher Vertiefung sowie die Befürchtung, die Inhalte könnten „zu trocken“ oder nicht praxisrelevant/ medienrelevant genug sein, geäußert. Inhalte der Nachhaltigkeitswissenschaften konkret aufzuarbeiten und immer im Blick zu haben, welche Erkenntnisse und Möglichkeiten für die journalistische Umsetzung von Themen resultieren, ist daher eine ständige Aufgabe im Zertifikatsstudium Nachhaltigkeit und Journalismus und letztlich ein Dialog zwischen Wissenschaft und Medien.

Qualifikation

Ein zentrales Ziel der Initiative ist es, einen wirksamen Beitrag zur qualitativen Verbesserung des Nachhaltigkeitsjournalismus in Deutschland zu leisten. Dafür sollen auf Grundlage von Erkenntnissen aus der Fall- und Medienanalyse sowie der Werkstattgespräche mit Expert_innen aus Wissenschaft und Praxis praktische Module für die Aus- und Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten entwickelt und neue experimentelle Formate erprobt werden. Es ist beabsichtigt, die Angebote über das Portal Grünes Wissen und die kooperierende gemeinnützige Bildungsplattform Grüner Journalismus für Interessierte zugänglich zu machen.

Experimentierräume für Nachhaltigkeitsjournalismus

Die Initiative „Nachhaltigkeit und Journalismus“ unterstützt nachhaltigkeitsjournalistische Projekte und schafft selbst neue Experimentierräume für Journalismus, der die Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung verstehen, abbilden und einordnen möchte. Derzeit entsteht das Konzept für ein lokales Modell-Projekt, das eng verknüpft ist mit dem Zertifikat „Nachhaltigkeit und Journalismus".

Hier ist bereits ein solches Projekt entstanden.

Hier ist ein solches Projekt mit Regionalbezug in Kooperation mit der Landeszeitung für die Lüneburger Heide entstanden.

Netzwerk

Die Initiative „Nachhaltigkeit und Journalismus“ bahnt in mehreren Werkstattgesprächen an, was beim öffentlichen Abschlusssymposium in ein Netzwerk für Umwelt- und Nachhaltigkeitsjournalisten und  -journalistinnen münden soll. Langfristig bietet das Netzwerk eine Plattform für den Austausch über Transformationsthemen, das Experimentieren mit neuen Formen der Zusammenarbeit und die Nachwuchsförderung. Flache Hierarchien und kreative Begegnungsformate schaffen eine Basis für eine fruchtbare Vernetzung. Das Netzwerk bildet eine Grundlage für die Weiterentwicklung des Nachhaltigkeitsjournalismus, den die über drei Jahre angelegte Initiative „Nachhaltigkeit und Journalismus“ erforscht und anschieben möchte.