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„Die konventionelle Chemie muss in einer nachhaltigen Welt eine neue Geschichte erzählen“

06.04.2020

Dank moderner Methoden des digitalen Lernens kann der neue berufsbegleitende Master-Studiengang M.Sc. Sustainable Chemistry fast vollständig online studiert werden. Der nach deutschen und europäischen Standards akkreditierte Studiengang beginnt mit einem einwöchigen Präsenzunterricht an der Leuphana Universität Lüneburg, in dem sich Bewerber*innen und Mitarbeiter*innen des Studiengangs kennen lernen. Aufgrund der Corona-Pandemie musste auch dieser Auftakt ins Netz verlegt werden. Zwei Studierende aus Indien und Rumänien erklären, warum es dennoch ein gelungener Start war.

Der Textilchemiker Davinder Singh Kahlon sucht seit Jahren nach einem geeigneten Master-Studiengang, der sich mit der Nachhaltigkeitsperspektive der angewandten Chemie befasst. „Ich habe mich vor allem an amerikanischen Universitäten umgesehen, konnte aber kein Masterprogramm finden, das zu meinen Karrierezielen passt“, sagt der Inder. Doch der 40-Jährige fand in Deutschland das richtige Angebot: „Ich arbeite für ein großes multinationales Textilunternehmen in Indien und bin für die Entwicklung und Optimierung chemischer Prozesse in der Produktion verantwortlich. Nordindien ist einer der wichtigen Standorte der Textilindustrie in der Region, aber Wasserknappheit und Umweltverschmutzung sind ein zunehmendes Problem“, sagt der Chemiker. Der Einsatz bestimmter Chemikalien in der Produktion und Ausbeutung der Ressourcen sind Gründe dafür. Davinder Singh Kahlon ist der Ansicht, dass ein innovativer Prozess-/Produktdesign-Ansatz dazu beitragen kann, Ressourcen zu schonen und die Umweltverschmutzung langfristig zu mindern. „Hier gibt es zwar ein Umweltbewusstsein und Recycling ist ein wichtiges Thema, aber der 'Benign by Design'- oder Chemical Leasing-Ansatz sind hier weitgehend unbekannt“, sagt der Fachmann.

Zum Auftakt des neuen Studiengangs „Sustainable Chemistry“ gab Klaus Kümmerer, Studiengangsleiter und Professor für nachhaltige Chemie und stoffliche Ressourcen einen Überblick via World Wide Web. Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Präsenzveranstaltung zu Beginn des Kurses ins Internet verlegt werden. „Ich war begeistert, wie gut die Umsetzung geklappt hat. In den Einführungsveranstaltungen wurden die breite Perspektive der nachhaltigen Chemie und die Bedeutung der Fokussierung auf den Produktlebenszyklus ausführlich erläutert“, sagt Davinder Singh Kahlon.

„Das möchte ich an meine Studierenden weitergeben“

Es scheint ein wenig seltsam, Alina Catrinel Ion als Studentin zu bezeichnen. Die Professorin für Analytische Chemie lehrt seit 28 Jahren an der Universität Bukarest. „Das Thema der nachhaltigen Chemie wird immer wichtiger. Das möchte ich an meine Studierenden weitergeben“, erklärt sie. Die traditionelle Chemie stehe vor einer großen Herausforderung und die nachhaltige Chemie könne eine Lösung für die ganze Welt sein. „Die konventionelle Chemie muss in einer nachhaltigen Welt eine neue Geschichte erzählen“, sagt die Wissenschaftlerin. Die Vor- und Nachteile sieht sie in der Online-Studienfähigkeit des Masterstudiengangs „Sustainable Chemistry“: „Chemie ohne Labor scheint zunächst kaum vorstellbar zu sein, aber gerade die Corona-Pandemie hat uns bewusst gemacht, wie wichtig digitale Lernformate sind.“

Der neue Studiengang soll den Studierenden helfen, die Chemie im Kontext der Nachhaltigkeit von der molekularen Ebene bis hin zu den globalen Stoffströmen zu verstehen und anzuwenden. Darüber hinaus stehen Nachhaltigkeitsbewertungen und neue Geschäftsmodelle für die Chemie im Mittelpunkt. Methoden der Chemieinformatik ermöglichen Experimente in silico.

Dank moderner Methoden des digitalen Lernens kann der neue berufsbegleitende Master-Studiengang M.Sc. Sustainable Chemistry fast vollständig online studiert werden. ©Leuphana
Dank moderner Methoden des digitalen Lernens kann der neue berufsbegleitende Master-Studiengang M.Sc. Sustainable Chemistry fast vollständig online studiert werden.