Aktuelle Veranstaltungen

"Utopien des Politischen: Queer Ecology meets Feminist Science Fiction"

 Auf der Basis ausgewählter feministischer Utopien und Science Fiction-Literatur wird in dem Impulsvortrag diskutiert, welche neuen und anderen Modelle von Demokratie, Ökologie und Geschlecht ebenso wie von Subjektivität, Sexualität oder Arbeits(ver)teilung hier vorgeschlagen werden und welche Bedeutung diesen Konzepten für eine Imagination und Denkbarkeit alternativen oder nachhaltigeren Zukünftigkeiten jenseits einer bloßen Kritik des geschlechterpolitischen Status Quo zukommt. Im Zentrum der Überlegungen wird demnach, der aus queertheoretischer Perspektive zentrale Zusammenhang zwischen einer ökologischer Transformation und der Dekonstruktion etablierter heteronormativer und kolonial geprägten Beziehungs-, Geschlechter- Sexualitäts- sowie politischer Subjekt- und Partizipationskonzepte stehen: Wie können uns Geschichten über polygeschlechtliche Aliens oder Visionen einer Gesellschaft ohne ‚biologische‘ Mutterschaft und Familienkonstellationen helfen, über eine „Demokratie mit allen Naturen“ nachzudenken?

Dr.in Christine M. Klapeer ist Politikwissenschaftlerin und derzeit Gastprofessorin für sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck. Sie ist Mitglied des Sprecher*innenrates der Sektion "Politik und Geschlecht" der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) und sie liebt feministische Science Fiction Literatur. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich queere, feministische und postkoloniale politische Theorie(n), institutionalisierte Formen von Heteronormativität und transnationale Geschlechter- und LGBTIQ*-Politiken. 2019 hat sie gemeinsam mit Antje Daniel das Schwerpunktheft "Her mit der Zukunft?! Feministische und queere Utopien und die Suche nach alternativen Gesellschaftsformen" der Femina Politica - Zeitschrift für Feministische Politikwissenschaft (Nr. 1/2019) herausgegeben.    

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"10 Minuten - die den Unterschied machen" im Wintersemester 2019/20

Titel: „Antifeminismus? Antigenderismus? Anti – was …?
Zeit: 12:00 bis 12:10 Uhr
Ort: Hörsaal 4

Seit Wintersemester 2016/17 geben Mitglieder des Leuphana-Netzwerkes Geschlechter- und Diversitätsforschung Mittwochs in der Mittagspause von 12:00 bis 12:10 Uhr  Impulse aus ihren unterschiedlichen Fakul-tätsübergreifenden Forschungskontexten, um die Geschlechter- und Diversitätsforschung einer interessierten Öffentlichkeit niederschwellig und in der Mittagspause zugänglich zu machen. Aus aktuellem Anlass wird es in diesem  Wintersemester erstmals eine Fokussierung aller Beiträge auf einen Schwerpunkt geben.  
Unter dem Titel „Antifeminismus? Antigenderismus? Anti – was …?“ wird sich im Rahmen von 11 Beiträgen dem aktuellen Stand über drei thematische Schwerpunkte genähert:  1. Begriffe: diskursive Begriffsannäherungen, 2. Angriffe: Anfeindungen (von rechts) gegen die Geschlechter- und Diversitätsforschung und die Gleichstellungsarbeit, 3. Eingriffe: thematische Bezüge in Geschichte, Kultur und Natur.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen zu den Kurzvorträgen!
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Nähere Beschreibungen einzelner Kurzvorträge:

"Rechte Wortnahme – linke Wortgabe? Von Antigenderismus, Ethnopluralismus und Islamkritik" (Dr. Hannes Leuschner am 30.10.19)
Die im Titel genannten Begriffe werden im zeitgenössischen Diskurs i.d.R. als einer rechtspolitischen und -polemischen Sprachwelt zugehörig empfunden. Sollte man sie deswegen linkerseits meiden? Der Beitrag möchte Möglichkeiten skizzieren, solcherlei Begriffe – anstatt sie zu ächten, und damit einem rechten Lager zu überlassen – linkspolitisch zu (re)signifizieren."

"Neobiota und Neue Rechte? Geschlechterperspektiven auf die Konstruktion „biologischer Invasionen“ im Naturschutz" (Katharina Kapitza am 04.12.19)
In der kritischen Analyse des Zusammenhangs von Naturschutz und Neuer Rechter kommt dem ökologischen Konzept der ‚biologischen Invasion‘ und der Debatte um Neobiota eine Schlüsselrolle zu. Denn Fremdenfeindlichkeit ist ein zentrales Feld, auf dem rechtsextreme Positionen an Naturschutz anzuknüpfen suchen. Der Beitrag zeigt anhand eigener empirischer Untersuchungen auf, dass das ‚Fremde‘ im Naturschutz eine Projektionsfläche für die Übertragung gesellschaftlicher Werturteile auf ‚Natur/en‘ darstellt und sich insbesondere in den Zuschreibungen auf ‚fremde Natur/en‘ (auch) antifeministische Bilder und Motive spiegeln.

"Die „gute Mutter“ zwischen neoliberaler Selbstoptimierung und Retraditionalisierungvon rechts" (Ann-Kathrin Mader am 08.01.20)
Die Vorstellung von 'guter Mutterschaft' ist stets eingebunden in eine Vielzahl unterschiedlicher Diskurse – sozioökonomische, welche Mutterschaft in Bezug zu sozial- und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen und Herausforderungen setzen, aber auch medizinische, psychologische und pädagogische Diskurse, die die entsprechenden Auswirkungen bestimmter mütterlicher Verhaltensweisen auf Kinder, aber auch die Mütter selbst thematisieren, sowie soziologische und philosophische Diskurse, die übergeordnete Fragestellungen wie gesellschaftliche Werte oder Geschlechterstereotype behandeln. Das Ideal der 'guten Mutter' ist daher immer ein diskursiv hergestelltes Bild. In meinem Beitrag werde ich das Spannungsfeld skizzieren, das sich zwischen der Vereinnahmung von Mutterschaftsidealen durch neoliberale Selbstoptimierungsdiskurse auf der einen und einer von konservativen bis rechten Positionen propagierten Rückbesinnung auf 'traditionelle' Mutterideale auf der anderen Seite auftut.

"Schwangerschaftsverlust und Antifeminismus" (Julia Böcker am 22.01.20)
Fehl- und Totgeburten gelten als private Schicksalsschläge, die tragisch, aber kaum zu ändern sind. Tatsächlich spielen klinische Routinen, gesetzliche Regelungen und (fehlende) soziale Sichtbarkeit eine große Rolle für die individuellen Verlusterfahrungen. Seit einigen Jahren engagieren sich deshalb Betroffenen- und Eltern-Initiativen für Veränderungen und mehr gesellschaftliche Anerkennung. Auf Initiative eines Paares wurde so auch das Personenstandsrecht für Fehlgeborene geändert: „Eltern von sogenannten Sternenkindern können seit dem 15. Mai 2013 die Geburt ihres Kindes beim Standesamt anzeigen und ihrem Kind damit offiziell eine Existenz geben“, so die Meldung des Bundes-Familien-Ministeriums von Juni 2018. Im Vortrag werden praktische und diskursive Folgen dieser Gesetzesänderung skizziert, die – so die These – für antifeministische Ideen und Haltungen hoch anschlussfähig sind.

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Gender Diversity Lesegruppe im Winterrsemester 2019/20


Am 3. Dienstag im Monat (d. h. 19.11.19, 17.12.19, und 21.01.20) um 18:15 Uhr, findet die Gender und Diversity Lesegruppe im ArchipelagoLab (C5.225) statt.
Der Schwerpunkt die Lesegruppe liegt vor allem auf aktuellen, transdisziplinär ausgerichteten Texten der kritischen Forschung und/oder Literatur aus den Feldern Gender und Diversity. Diskussionen finden auf deutsch und englisch statt. Die Gruppe ist offen für alle Angehörigen der Universität.

TERMINE:

19.11.19:  Tommy Orange (2019) Dort dort (Hanser Berlin) (Auszüge)

17.12.19:  Gender und Diversity Lesegruppe  x  Feminist Science Fiction

Film-Vorführung: Donna Haraway: Storytelling for Earthly Survival (2016) (1 Stunde 30 Minuten)

21.01.20:  Nancy Fraser (2019) The Old Is Dying and the New Cannot Be Born (Verso)

Organisation, Infos und Text-Zugang:  Ben Trott ben.trott@leuphana.de


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