Hinweise zum Urheberrecht mit Fokus auf Lehre und Forschung

Allgemeine Hinweise

Werke mit einer gewissen geistigen Schöpfungshöhe sind urheberrechtlich geschützt. Möchte man solche Werke nutzen, darf man dies im dafür im Urheberrechtsgesetz (UrhG) geregelten Rahmen tun oder benötigt grund­sätzlich aktiv die Erlaubnis des Urhebers bzw. der Urheberin, es sei denn, das Urheberrecht ist erloschen.

Grundsätzlich gilt, dass die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke auf drei Wegen möglich ist durch:

(1) Abschluss eines Lizenzvertrages mit dem Rechteinhaber oder der Rechteinhaberin und klar umfassten Nutzungsbedingungen,

(2) bei sog. Open Access über eine vom Rechteinhaber eingeräumte offene Lizenz (z.B. Creative Commons-Lizenzen) oder

(3) über gesetzliche Erlaubnisnormen (z.B. für Bildung und Wissenschaft, also Unterricht, Lehre und Forschung).
 

Umgang mit eigenen Werken

Erstellen Sie selbst Werke von gewisser geistiger Schöpfungshöhe, besitzen Sie und alle daran beteiligten Personen das Urheberrecht. Sollten Sie nicht explizit Nutzungslizenzen vergeben, greift der geschilderte Urheberschutz samt gesetzlicher Erlaubnisnormen für Forschung und Lehre.

Es empfiehlt sich aber im Sinne einer Nutzung durch Dritte, Nutzungsbedingungen für das urheberrechtlich schützenswerte Werk festzulegen, also eine Lizenz mit Nutzungsrechten zu formulieren bzw. zu wählen. Im Sinne freien Zugangs zu Wissenschaft und Lehre sind offene Lizenzen ein absolut begrüßenswertes Modell. In jedem Fall können Sie beeinflussen, ob die Nutzung über das gesetzliche Mindestmaß hinaus möglich wird und welche Bedingungen zugrundeliegen.
 

Urheberrecht in der Lehre

Gesetzlicher Rahmen

Der Gesetzgeber hat die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in den Bereichen Bildung und Wissenschaft 2018 neu in Form des Urheberrecht-Wissensgesellschafts-Gesetzes (UrhWissG) geregelt. Für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in Lehre und Forschung gab es schon in der vorherigen Fassung des Urheberrechtsgesetzes eine sog. Schrankenregelung, die die Nutzung unter bestimmten Bedingungen und in begrenztem Umfang gestattete. Diese Regelungen wurden nun durch das UrWissG an einigen Punkten konkretisiert und erweitert (§ 60a – § 60h UrhG)

    Nutzung in der Lehre


    Zweckbindung:

    Urheberrechtlich geschützte Werke dürfen gem. § 60a UrhG genutzt werden, um den Unterricht zu veranschaulichen, ihn zu ergänzen oder zu vertiefen. Dies bezieht sich auch auf den Zeitraum vor und nach dem Unterricht bzw. vor und nach einer Prüfung - auch außerhalb der Hochschule. Ausgeschlossen ist die Nutzung zu Unterhaltungszwecken sowie die kommerzielle Nutzung. Der Bezug zu Lehr-, Unterrichts- und Prüfungsinhalten muss also für den Nutzungszeitraum gewährleistet sein.
     

    Formen:

    • Vervielfältigen heißt zunächst einmal „kopieren“. Gemeint sind sowohl die analoge als auch die digitale Kopie.
    • Verbreiten bedeutet, dass urheberrechtlich geschützte Werke oder eine „Kopie“ davon anderen überlassen werden. Klassischerweise ist dies dann der Fall, wenn das urheberrechtlich geschützte Werk an Dritte weitergegeben wird.
    • Öffentliches Zugänglichmachen liegt – allgemein gesprochen – vor, wenn Werke online, d. h. im Internet, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
       

    Nutzungsgegenstand und Umfang:

    In Unterricht und Lehre dürfen gemäß UrhG §60a bis zu 15% eines veröffentlichten Werkes wie beschrieben genutzt werden.

    Es bestehen aber gem. UrhG §60a (2) Ausnahmen: Vollständige Nutzung für genannte Lehrzwecke ist erlaubt bei

    • Abbildungen und einzelne Beiträge aus derselben Fachzeitschrift oder aus wissenschaftlichen Zeitschriften,
    • Werke geringen Umfangs (d.h. Druckwerke unter 25 Seiten, Filme und Musikwerke bis 5 Minuten) und
    • vergriffenen Werke.

    Anders als bei wissenschaftlichen Zeitschriften dürfen aus Tageszeitungen und Publi­kumszeitschriften nur 15 % des Werkes verwendet werden. Doch auch hier gilt: Ist die Tages- oder Publikumszeitschrift vergriffen, darf sie vollständig genutzt werden.
     

    Ausgeschlossene Werke und Formen:

    Folgende Nutzungsarten werden explizit ausgeklammert:

    • Audio- und Videoaufnahmen sowie weitere Nutzung und Wiedergabe eines öffentlich vorgetragenen, aufgeführten oder vorgeführten Werkes,
    • Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines Werkes an Schulen, das ausschließlich für den Unterricht an Schulen geeignet, bestimmt und entsprechend gekennzeichnet ist, also z.B. Schulbücher,
    • i.d.R. Vervielfältigung und Verbreitung von Noten / grafischen Aufzeichnungen von Werken der Musik, soweit sie nicht für die öffentliche Zugänglichmachung erforderlich ist.


    Personenkreis Nutzende und Empfänger*innen:

    Im definierten Umfang und gemäß Nutzung laut UrhG §60a dürfen urheberrechtlich geschützte Werke folgenden Empfängerinnen und Empfängern zur Verfügung gestellt werden:

    • Allen Lehrenden und Teilnehmenden der jeweiligen Veranstaltung, auch Gasthörer*innen;
    • allen Lehrenden und Prüfenden der eigenen Bildungseinrichtung, unabhängig von der Beschäftigungsart (also auch Gastdozent*innen, externen Prüfenden);
    • für Dritte, soweit dies der Präsentation des Unterrichts, von Unterrichts- oder Lernergebnissen an der Bildungseinrichtung dient. Dies gilt also auch dann, wenn es um die reine Präsentation der Lehreinheit bzw. von Lernergeb­nissen geht. Damit können z. B. PowerPoint-Präsentationen auf der Internetseite der Universität eingestellt oder Lernergebnisse bei Veranstaltungen präsentiert werden.
       

    Spezifika


    Urheberrecht bei Audio- und Videoaufnahmen

    Obliegen Audio-  bzw. Videoaufzeichnungen Dritter dem Urheberrecht, besitzen sie also eine gewisse geistige Schöpfungshöhe, muss vor deren Verwendung prinzipiell geprüft werden, welche Nutzungsrechte vom Rechteinhaber bzw. der Rechteinhaberin eingeräumt werden.

    Unabhängig davon dürfen Sie bis zu 15% des Werkes für die Lehre im oben beschriebenen Sinne, bei Aufzeichnungen bis zu 5 Minuten sogar das gesamte Objekt nutzen. Dies gilt aber nicht bei Aufzeichnungen von öffentlichen Vorführungen, Vorträgen und Aufführungen.

    Sollten Sie eine Nutzung über dieses erlaubte Maß hinaus intendieren, ermitteln Sie die Rechteinhaber und lassen sich die Nutzungsrechte für Ihren Anwendungsfall einräumen.  

    Bei eigenen, urheberrechtlich schützenswerten Audio- und Videoaufzeichnungen besitzen Sie grundsätzlich das Urheberrecht, können und sollten entsprechende Nutzungslizenzmodelle in Betracht ziehen und über Lizenzverträge oder offene Lizenzen eine Nutzung durch weitere Personen regeln.

    Bitte beachten Sie im Kontext von Audio- und Videoaufzeichnungen auch dringend alle Belange des Datenschutzes.
     

    Erstellen von Sammlungen von Unterrichts- und Lehrmedien

    UrhG §60b thematisiert das Herstellen von Sammlungen von Unterrichts- und Lehrmedien. Es wird erlaubt, für solche Sammlungen bis zu 10 statt 15 Prozent eines veröffentlichten Werkes zu vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen, allerdings mit den oben erläuterten Einschränkungen (z.B. Noten, Livemitschnitte) und Erweiterungen (vergriffene Werke, Werke geringen Umfangs, Beiträge und Abbildungen aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften).


    Open Educational Resources (OER)

    Open Educational Resources besitzen per definitionem eine offene Lizenz und ermöglichen somit den unbeschränkten Zugang darauf samt vollständige Nutzung in der Lehre. Die Verwendung dieser Ressourcen obliegt aber mitunter gewissen Bedingungen, je nach festgelegter offener Lizenz. Prüfen Sie also, welche Lizenz vom Urheber vergeben wurde und wie weitreichend Ihre Nutzungsrechte und –pflichten sind.

     

    Urheberrecht in der Forschung

    Die Servicestelle Forschungsdatenmanagement am Medien- und Informationszentrum (MIZ) hat für den Bereich Forschungsdaten einen rechtlichen Themenblock mit detaillierten Informationen zum Urheberrecht in der Forschung erstellt.
    Informationen zum Thema finden Sie hier.

     

    Hinweise zum Umgang mit urheberrechtlichen Bestimmungen an der Leuphana

    Beachten Sie bitte unbedingt die zugrundeliegenden Nutzungsbedingungen im Einzelfall und befolgen Sie die gesetzlichen Bestimmungen. Bedenken Sie auch, dass mitunter Schutz- und Leistungsrechte Dritter wie z.B. Datenschutz bei der Nutzung mancher Werke tangiert werden können.

    Für weitere Hinweise und Auskünfte rechtsverbindlichen Charakters wenden Sie sich bitte an das Justiziariat der Leuphana. Zuständig für Urheberrechtsfragen ist dort Stephanie Kurtz.

    Für datenschutzrechtliche Belange steht Thies Ove Zengel, der Datenschutzbeauftrage der Leuphana , mit  seinem Team zur Verfügung.