Vorlesungsverzeichnis
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Lehrveranstaltungen
Aufklärung als Kritik / Kritik an der Aufklärung (Vorlesung)
Dozent/in: Maud Meyzaud
Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 12:15 - 13:45 | 13.10.2025 - 30.01.2026 | C HS 4
Inhalt: Zum Format dieser Ringvorlesung: Die Vorlesung Kontroversen der Kulturwissenschaften ist der Erschließung aktueller Diskussionen aus der historischen Breite und Tiefe der Kulturwissenschaften gewidmet. Die Vorlesung ist als Ringvorlesung konzipiert und von Dozierenden der Fakultät Kulturwissenschaften und Gästen gestaltet, die sich aus jeweils unterschiedlichen fachlichen, methodischen und thematischen Perspektiven einem gesellschaftlichen Problemfeld widmen (zuletzt: "Nach 1968", "Konflikt", "Klimakatastrophe. Kulturwissenschaftliche Perspektiven", „Transkulturalität und Migration“). Im Wintersemester 2025/26 soll sich die Ringvorlesung der Spannbreite von Aufklärung und Kritik widmen. Zum vorgeschlagenen Problemfeld „Aufklärung als Kritik / Kritik an der Aufklärung“ (WS 2025/26): „Aufklärung“ nennt im Deutschen historisch sowohl einen methodologischen, kritischen Anspruch (Aufklärung im Sinne von Klarlegung, Klärung eines Sachverhalts) als auch eine spezifische, in Nordeuropa und im späten 17. und 18. Jahrhundert situierte historische Epoche. Indem der Eintrag des Adelung-Wörterbuchs (Erstaufl. 1774, Zweitaufl. 1811) zum Verb „aufklären“ von „[a]ufgeklärte[n] Zeiten, da man von vielen Dingen klare und deutliche Begriffe hat“ ausgeht, führt er beide Bedeutungen zusammen. Als ein solcher Epochenbegriff für ein Zeitalter der Kritik an Vorurteilen, Vorannahmen, Glaubensansätzen und der „klaren Begriffen“ ist Aufklärung in die Lehrbücher von Philosophie- und Literaturgeschichte eingegangen. Im 21. Jahrhundert ist die Gemengelage zur Aufklärung jedoch deutlich komplexer geworden. Zum einen gilt der Befund, dass den methodischen Ansätzen zur Gewinnung von und überhaupt dem Interesse an logisch konsistente Erklärungen zunehmend Desinformation, „alternative Fakten“ und Mechanismen des Schweigens in der Öffentlichkeit gegenüberstehen. Zum anderen werden seit einiger Zeit Verstrickungen der europäischen Aufklärung mit Kolonialismus und Sklavenhandeln stark thematisiert und ihre Hinterlassenschaft kontrovers diskutiert. Schließlich wird ebenfalls dafür plädiert, den Epochenbegriff zu öffnen und zu pluralisieren: etwa indem die Aufklärungsepoche selbst stark ausdifferenziert wird (z.B. in „radikal“ und „mainstream“) oder aber indem transkulturelle Verflechtungen der Aufklärung im Sinne eines nicht-eurozentrischen Verständnisses dieses Begriffs aufgemacht werden. Für all diese unterschiedlichen Ansätze der Kulturwissenschaften soll die Ringvorlesung einen Raum bieten.
Aufklärung und Aufklärungskritik in der Peripherie (Seminar)
Dozent/in: Oliver Precht
Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 13.10.2025 - 30.01.2026 | C 12.107 Seminarraum
Inhalt: Gewöhnlich wird die Aufklärung als eine in erster Linie europäische oder ›westliche‹ Angelegenheit angesehen, oft sogar als Ausweis einer angeblichen Überlegenheit der abendländischen Kultur. Tatsächlich nehmen die vielgestaltigen Prozesse, die man heute unter dem Label der ›Aufklärung‹ zusammenfasst, wichtige Anstöße, Gedanken und Perspektiven aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen auf. Im Seminar werden wir vor allem Impulsen aus der heterogenen Peripherie der Moderne nachgehen – etwa solchen, die von sogenannten ›primitiven‹ Kulturen ausgehen, von tatsächlichen Begegnungen mit indigenen Politiker:innen oder Intellektuellen, von Reiseberichten oder ethnologischen Texten oder von Reflexionen über die durch Kolonisierung, Sklavenhandel und Extraktivismus ausgelösten Verheerungen dieser Peripherie. Umgekehrt haben die Ideen, die Theorien und die Politik der Aufklärung in der Peripherien der Moderne ambivalente und bis heute fortwirkende Prozesse in Gang gesetzt. Genauer gesagt wurden die in den intellektuellen und wirtschaftlichen Zentren entwickelten Ideen und Praktiken, wenn sie mit den Realitäten des globalen Südens und anderer ›unterentwickelter‹ Weltregionen konfrontiert wurden, einer radikalen Kritik, Transformation und Revision unterzogen werden.
Aufklärung und Orient (Seminar)
Dozent/in: Maud Meyzaud
Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 10:15 - 11:45 | 13.10.2025 - 30.01.2026 | C 40.152 Seminarraum
Inhalt: Ausgehend von Edward Saids Klassiker Orientalism (1978) wäre bei ‚Aufklärung‘ und ‚Orient‘ zunächst an die Konstruktion des Orients durch Europa, d.h. im engeren Sinne an den Orientalismus der europäischen Aufklärung zu denken. Mit Said ließe sich zeigen, wie die nordeuropäische Orientalistik im 17. Jahrhundert ein Wissen über andere Völker und über den Islam produziert, das in der europäischen Aufklärung zentral für das Selbstverständnis und die Vormachtstellung Europas wird. Diese – wichtige – Auffassung verengt jedoch die Fragestellung. ‚Aufklärung‘ und ‚Orient‘ lassen sich nämlich anders auf einander beziehen: Erstens ist ‚Aufklärung‘ nicht nur ein auf den (nord-)europäischen Kontext bezogener Epochenbegriff, sondern das Konzept ‚Aufklärung‘ erhebt den Anspruch, weit über eine spezifische historische Konstellation hinauszugehen. Davon ausgehend wurde zweitens der Epochenbegriff im Sinne eines Epochenrecyclings aufgefächert und nicht zuletzt die heuristische Annahme einer islamischen Aufklärung im Mittelalter zur Geltung gebracht (H.-M. Enzensberger, K. Flasch, M.-R. Hayoun, E. Marion). Letztere Annahme wirft drittens viele Fragen. Denn ‚islamische‘ und ‚europäische‘ Aufklärung lassen sich womöglich nicht nur mit einander vergleichen, sondern auch verflechten. Nach demselben Muster ist die europäische Aufklärung ebenfalls ohne den unerhörten Kulturtransfer aus dem Orient im 17. Jahrhundert nicht zu denken: Ist die ‚europäische Aufklärung‘ wirklich so autochthon, wie wir es uns gerne erzählen? Denkt man ‚Aufklärung‘ und ‚Orient‘ von der Literatur aus, so erweisen sich Bestseller und Klassiker der Aufklärung als der beste Weg, diese komplexe Gemengelage auszuloten. Im Seminar setzen wir uns mit der Rezeption der philosophischen Erzählung von Ibn Tufail Der autodidaktische Philosoph (circa 1185) in der Zeit der europäischen Aufklärung auseinander, wir versuchen, der Leidenschaft des nordeuropäischen Publikums für die Märchensammlung Tausend und eine Nacht auf die Spur zu kommen, wir analysieren, wie ein solcher Briefroman wie L’espion turc/The Turkish Spy die Kritik von politischer Herrschaft, Kirche und Sitten Europas in Montesquieus Persische Briefe vorwegnahm, wir fragen uns, wie Lessing zu Nathan der Weise und Goethe zum West-östliche[n] Divan kamen.
Dialektik der Aufklärung - Lektüreseminar (Seminar)
Dozent/in: Christian Voller
Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 13.10.2025 - 23.10.2025 | C 5.311 Seminarraum
wöchentlich | Donnerstag | 14:15 - 15:45 | 30.10.2025 - 30.01.2026 | C 11.308 Seminarraum
Inhalt: 1944 im US-amerikanischen Exil entstanden markiert die "Dialektik der Aufklärung" den Übergang vom Marxismus zur Kritischen Theorie. Das Buch gehört nicht nur zu den Klassikern gesellschaftskritischen Denkens bis heute, sondern hat als rettende Kritik der Aufklärung auch eine besondere Bedeutung für die Entwicklung und Kritik der postfaschistischen Theoriebildung. Das Seminar ist als intensives Lektüreseminar konzipiert.
Die Universität als Ort der Kritik (Seminar)
Dozent/in: Armin Beverungen
Termin:
wöchentlich | Donnerstag | 10:15 - 11:45 | 20.10.2025 - 06.11.2025 | C 40.255 Seminarraum
Einzeltermin | Do, 13.11.2025, 10:15 - Do, 13.11.2025, 11:45 | C 40.164 Seminarraum | Raumwechsel am 13.11.
wöchentlich | Donnerstag | 10:15 - 11:45 | 20.11.2025 - 30.01.2026 | C 40.255 Seminarraum
Einzeltermin | Do, 18.12.2025, 09:00 - Do, 18.12.2025, 10:15 | C 40.255 Seminarraum
Inhalt: In diesem Seminar soll es um die Universität als Ort der Kritik gehen. Schon Immanuel Kant bestritt in "Streit der Fakultäten" eine Auseinandersetzung über die Bedingungen der Universität und die Rolle des kritischen Denkens in ihr. Auch in der modernen Universität nach Wilhelm von Humboldt steht Kritik als eine der Aufgaben der Universität in einem Spannungsverhältnis zu anderen Anforderungen an die Universität. Stuart Hall bekräftige die kritische Funktion der Universität: "The university is a critical institution or it is nothing." Gerade durch einen "Anti-Akademismus" oder gegenwärtige Debatten um "Cancel Culture" ist die kritische Funktion der Universität in Gefahr. Das Seminar wird sich mit der Geschichte der (modernen) Universität befassen (Kant, Humboldt, die amerikanische Forschungsuniversität), mit Debatten um die die Neuausrichtung der (Massen)Universität nach der Mitte des 20. Jahrhunderts (Derrida, Lyotard), den "Culture Wars" der 1990er Jahre (Readings, Kamuf) und gegenwärtigen Analysen bezüglich der Neoliberalisierung der Universität mit/nach der Bologna-Reform sowie den Debatten zur sogenannten "Cancel Culture". Dabei soll immer die Frage im Mittelpunkt stehen, wie kritische Traditionen in der Universität von heute erhalten und erneuert werden könnnen – die Universität soll gelehrt und gelernt werden.
Enlightenment Theory and Critique (Seminar)
Dozent/in: Jason Goldfarb
Termin:
wöchentlich | Dienstag | 10:15 - 11:45 | 13.10.2025 - 30.01.2026 | C 11.320 Seminarraum
Inhalt: This course explores the intellectual movement of the Enlightenment and its enduring effect on modern thought. Focusing on philosophy, aesthetics, and social theory, we will discuss key enlightenment concepts including “progress,” “science,” “reason,” “freedom,” “the individual,” and “the secular” and analyze their effects on the contemporary world. Readings will include figures like Descartes, Kant, Newton, and Wollstonecraft, as well as influential critiques of Enlightenment thought from Marx and Nietzsche to Adorno, Horkheimer, Foucault, Althusser, Latour, Sedgwick, and Land. Throughout, we will ask questions concerning the limits of rationality, the legacy of progress, and the role of Enlightenment today. Lastly, we will address the so-called “critique of critique,” or the limits of critical theory and thought in the 21st century.