Vorlesungsverzeichnis

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Lehrveranstaltungen

Gegenwart und Zukunft des Mediums Fernsehen (Seminar)

Dozent/in: Christian Baierle

Termin:
wöchentlich | Dienstag | 12:15 - 13:45 | 15.10.2007 - 01.02.2008 | C 11.117 Seminarraum

Inhalt: Das Medium Fernsehen steht an einem Wendepunkt. Was die Reichweite betrifft, so gehört das Fernsehen weiterhin zu den wichtigsten Medien überhaupt. Aktuell stehen jedoch Fragen der Finanzierung und der Zukunft des dualen Systems auf der politischen Tagesordnung. Internet und mobile Technologien befördern eine Vielfalt neuer Formen des Fernsehens. Dabei fordert eine Vielzahl von kleinen innovativen Unternehmen und führenden Firmen aus dem Software/Internet Bereich die vorherrschenden Markteilnehmer heraus. Das Prinzip Fernsehen expandiert, und zugleich schwindet es in der Form, wie wir es bisher kannten. Die Zuschauererreichbarkeit dehnt sich spielend in globale Dimensionen aus, und trotzdem können kleinste lokale Interessengruppen getroffen werden. Sendeformate und Archivkonzepte müssen veränderte Zuschauerbedürfnisse und Zielgruppen widerspiegeln. Die Werbeindustrie verlangt nach neuen Konzepten um die Zuschauer nicht an andere Medien zu verlieren. Wie beeinflusst dieser Prozess die Strukturen der Fernsehlandschaft? Bilden Fernsehmacher und –Zuschauer im 21. Jahrhundert neue Gemeinschaftsformen? Werden die neuen Marktteilnehmer die vorherrschende Struktur des Fernsehens in allen Bereichen verändern? Nach einer Einführung in die übergreifenden Gesichtspunkte, die Fernsehtheorie und Fernsehkultur wird zunächst der deutsche Fernsehmarkt und seine politischen sowie rechtlichen Gegebenheiten untersucht. Im Anschluss daran werden die unterschiedlichen Ausdifferenzierungen des deutschen Fernsehmarktes erforscht, und in internationale Zusammenhänge eingeordnet. Es sind weiterhin die kulturfördernden Aspekte des Fernsehens zu betrachten, als auch Ausschlusskriterien und Tendenzen in der internationalen Programmplanung zu untersuchen, die durch das vorherrschende System gegeben sein könnten. Schließlich wird im Hinblick auf die so genannten "neuen Medien" untersucht, ob und welche neuen Aspekte sich in der Verknüpfung zum Fernsehen ergeben werden.

Medienphilosophie des Gewöhnlichen (Seminar)

Dozent/in: Herbert Schwaab

Termin:
14-täglich | Montag | 12:15 - 15:45 | 22.10.2007 - 01.02.2008 | W 201

Inhalt: Wichtiger Hinweis: Das Seminar wird als Blockveranstaltung am 19. und 20.1 von 9h30 bis 19h in Gebäude 11, Raum 132 stattfinden. Hauptseminar im Wintersemester 2007/08: Medienphilosophie des Gewöhnlichen (Blockveranstaltung) Der Transzendentalist Ralph Waldo Emerson hat schon 1832 in „The American Scholar" das Programm einer Philosophie des Gewöhnlichen skizziert: „Ich verlange nicht nach dem Großartigen, dem Entfernten, dem Romantischen (…) Ich umarme das Gewöhnliche, ich bin ein Jünger und Erkunder des Vertrauten und des Niedrigen." Der amerikanische Philosoph Stanley Cavell knüpft 150 Jahre später an Emersons an und zieht eine Verbindung zur Philosophie der gewöhnlichen Sprache. Cavell verfolgt das Projekt der ‚Wiedergewinnung des Gewöhnlichen', das vielfältige Auswirkungen auf den theoretischen Zugriff auf die Welt hat: Alltäglichkeit bedeutet nicht nur die Auseinandersetzung mit bestimmten Gegenständen, sondern auch die Repositionierung des Kritikers, der seinen Blick vom Großartigen ab und dem Nebensächlichen zuwendet und dadurch eine neue Perspektive gewinnt. Dieses Seminar wird die Frage untersuchen, ob eine philosophische Deutung des Gewöhnlichen produktiv für die Kulturwissenschaft sein kann, vor allem auch im Hinblick auf die Cultural Studies, deren Auseinandersetzung mit Alltagskultur vorwiegend politischen motiviert ist, aber auch mit Blick auf die Medientheorie, die häufig eine übergroße Obsession für die Außergewöhnlichkeit ihrer Gegenstände und des Gebrauch ihrer Worte hat. Die Medienphilosophie des Gewöhnlichen, so soll deutlich werden, ermöglicht eine kritische Perspektivierung der Kulturwissenschaft und der Forschenden und führt darüber hinaus ihrem Bereich neue Gegenstände und Begriffe zu. Sie basiert auf der Prämisse der Philosophie der Alltagssprache, Gegenstände mit den zur Verfügung stehenden, ‚einfachen’ Worten zu beschreiben, und dabei die vielfältigen Lebenszusammenhänge, in die sie eingebunden sind, mit zu berücksichtigen. Im ersten Teil des Seminars erfolgt am Leitfaden der Arbeiten Stanley Cavells die Lektüre wichtiger philosophischer und theoretischer Texte zum Begriff des Gewöhnlichen von der Romantik, über die Philosophie des 20. Jahrhunderts (Dewey, Heidegger, Danto), bis zu Arbeiten zur Populärkultur (Roger Silverstone, Meaghan Morris, etc.). Es soll untersucht werden, ob über diesen Begriff ein gemeinsamer methodischer Ansatz für die Kulturwissenschaft gefunden werden kann. Im zweiten Teil sollen motivische Aspekte der Gewöhnlichkeit in der Literatur (Gertrude Stein, Samuel Beckett), der Kunst (Surrealismus, Andy Warhol), von Fotografie (Roland Barthes), Film (Realismus), Musik (Pop- und Volksmusik), Fernsehen und Alltagskultur untersucht und danach gefragt werden, ob es einen wachsenden ‚Anspruch des Gewöhnlichen’ gibt, der über die wenig trennscharfe Bestimmung eines Gegenstandsbereiches hinaus produktiv für das kulturwissenschaftliche Arbeiten werden kann. Dieses Seminar zielt darauf, im Gewöhnlichen nicht die Affirmation unserer Lebenswelt zu sehen, sondern es philosophisch als Irritation aufzufassen, als ungezähmtes und widerständiges Objekt, das sich im Sinne Wittgensteins vor unseren Augen liegend verbirgt, die Grenzen zwischen Kunst und Alltag aufhebt und mit dem noch immer zu wenig bestimmten Begriff des Populären und Unterhaltenden in Verbindung steht. Die Lektüre theoretischer und philosophischer Texte erfolgt zum Teil gemeinsam. Eigene Vorschläge zu Gegenständen sind erwünscht. Ein Reader wird rechtzeitig zum Seminar zum Ausdruck bereit stehen. Die Anmeldung wird über My Study erfolgen.

Was ist das Böse? Konzepte, Formen und Funktionen in der heutigen Medienkultur (Seminar)

Dozent/in: Werner Faulstich

Termin:
wöchentlich | Montag | 14:15 - 15:45 | 15.10.2007 - 01.02.2008 | C 16.222 Seminarraum

Inhalt: Wir kennen zahlreiche Antworten auf diese Frage: Viele sagen, das Böse sei der Teufel. Die Katholische Kirche vertritt noch heute die Überzeugung, der Antipode Gottes sei real existent und trete dem Gläubigen als Verderbnis bringender Verführer entgegen. Ohne das Böse gibt es keine Erlösung und damit auch keine Religion. Andere sehen im Bösen eine metaphysische Kraft, die sich aus einer verborgenen Sphäre in immer neuen Gestalten manifestiert und den Menschen existentiell vereinnahmen will. Dieses Böse dringt von außen in unsere Welt und bedroht uns individuell oder kollektiv mit der Ver-nichtung. Dagegen vertreten manche die Auffassung, das Böse sei keineswegs eine Manifestation, die uns gegenübertritt, sondern vielmehr ein Teil der menschlichen Psyche, den jeder bei sich in Schach halten und überwinden muss. Nicht selten wird dieses menschliche Böse als Triebhaf-tigkeit, Aggression, Gewalt oder schlicht böser Wille, als Bosheit konkretisiert. Andere wiederum machen demgegenüber das Böse nicht im einzelnen Menschen aus, sondern in der repressiven Gesellschaft. Herrschaft und Macht im kollektiven Zusammenleben, Kon-kurrenz im kapitalistischen Kampf um Profit und Überleben, antagonistische soziale Bedürf-nisse und Interessenlagen, Verdrängung von Kreativität, Tod und Sexualität, Geschlechter-kampf, Kriegsbereitschaft und Staatsverbrechen. In der Geschichte begegnet uns das Böse vornehmlich personalisiert: der Volksverführer. Demagoge, imperiale Blutsauger, der wahnsinnige Cäsar und totalitäre Diktator, aber auch als kosmisches Prinzip, das in seinem naturgesteuerten Ablauf strukturell auf Auflösung und Ende einer krisengeschüttelten Welt- und Menschheitsgeschichte zielt. In erstaunlich vielen Facetten von Kultur und ihren Medien finden sich unzählige Repräsen-tationen des Bösen: zum Beispiel im Märchen, in Drama und Theater, in der klassischen Er-zählliteratur, in der Rockmusik, im Kinofilm, in Video, Computer und Internet. Manche sprechen auch vom Bösen im menschlichen Körper: der Krankheit, vom Widerpart im Rechtssystem: dem Verbrechen, vom Feind der Kunst: Kitsch und Dilettantismus, usw. Und natürlich gibt es auch den Standpunkt, dass es das Böse überhaupt nicht gibt – nur als Projektion, als Erfindung, als ein Instrument, dessen sich Menschen bedienen, um andere Menschen zu bedrohen, auszubeuten und zu unterdrücken. Allerdings bliebe dann offen, wie sich noch zwischen richtig und falsch unterscheiden ließe: Kann es überhaupt eine Moral ge-ben ohne das Böse? Gäbe es das Böse nicht – müssten wir es dann erfinden? Und damit ist die große Bandbreite an bisherigen Antworten noch keineswegs erschöpft. Das Seminar hat das Ziel, auf dem Hintergrund solcher Äußerungen zum Bösen die bisheri-gen Befunde unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen einzuholen und aufeinander zu be-ziehen: Theologie, Psychologie, Soziologie, Medienwissenschaft, Literaturwissenschaft, Ge-schichtswissenschaft, Philosophie, Volkskunde und andere Fächer sollen unter dem Dach einer integrativen Kulturwissenschaft in dieser Frage neue Antworten ermöglichen. Achtung! Frühzeitig angemeldete SeminarteilnehmerInnen können auch am gleichnamigen Symposium am 12./13.10.2007 im Senatssaal der Universität als Gäste teilnehmen.