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Studierende im Porträt: FundaMINT-Stipendiat*innen - Von Erklärbären und Analysis

04.08.2020 Rebecca Wisbar und Florian List möchten Schüler*innen für Mathematik begeistern. Für ihr soziales Engagement, offenes Denken und die sehr guten Leistungen im Studium werden sie nun vier Semester lang mit dem FundaMINT-Stipendium der Deutsche Telekom-Stiftung gefördert.

Rebecca Wisbar und Florian List erhalten das FundaMINT-Stipendium. ©Leuphana/Patrizia Jäger
Die angehenden Lehrer*innen Rebecca Wisbar und Florian List erhalten das FundaMINT-Stipendium.

 „Rebecca, werd‘ doch Lehrerin!“ – Diesen Satz hörte sie in der Berufsschule nicht selten. Aufgrund ihrer guten Leistung konnte Rebecca Wisbar ihre Ausbildung verkürzen und half mit ihrem Wissensvorsprung anderen Auszubildenden. Bereits als Schülerin war sie eine gefragte Nachhilfelehrerin. „Mich nervt es nicht, Dinge auch ein drittes Mal zu erklären“, sagt die 25-Jährige. 
Mathe fiel ihr in der Schule leicht; eine Banklehre lag nahe. Noch heute übt sie den Beruf gern aus, mag den Umgang mit Kund*innen und ist Werkstudentin in einer Lüneburger Bank. Doch als ihr jemand den Spitznamen „Erklärbär“ gab, wusste Rebecca Wisbar, dass eine Schule für sie ein noch besserer Arbeitsplatz wäre: „Ich habe mich früher in der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Aber mich reizt heute das Lehramt an der Berufsschule, da ich junge Menschen mit meiner Arbeit ins Erwachsenenleben entlasse.“ Rebecca Wisbar wird später angehende Kaufleute ausbilden und will ihnen erklären, wofür sie Schulmathematik brauchen: „In der Wirtschaft basiert vieles auf Analysis“, erklärt die Studentin.
In einer Vorlesung hörte sie vom FundaMINT-Stipendium und sprach ihre Professorin an: „Ich bin dankbar für die Unterstützung“, sagt Rebecca Wisbar. Sie bewarb sich mit zwei Empfehlungsschreiben von Professor*innen und ihren eigenen Ausführungen zur Motivation: „Ich habe mich riesig gefreut, als die Zusage von der Telekom-Stiftung kam.“ Mit dem FundaMINT-Stipendium wird sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. „Dann kann ich mich noch mehr auf die Inhalte meines Studiums konzentrieren. Zudem verspreche ich mir sehr viel von dem Stipendiaten-Netzwerk und den Weiterbildungsangeboten der Deutsche Telekom-Stiftung, die Themen wie Gesprächsführung oder Diagnostik aufgreifen“, sagt Rebecca Wisbar. Stipendiat*innen erhalten ein einkommensunabhängiges Stipendium in Höhe von 735 Euro sowie ein Sachkostenbudget von 130 Euro. 
Auch Florian List ist FundaMINT-Stipendiat. „Mit dem Geld kaufe ich mir Zeit, die ich dann in meine Professionalisierung stecke“, sagt der 25-Jährige. Er wird Lehrer für Mathe und Biologie an weiterführenden Schulen und startet im Wintersemester in den Master. Er hat sich mit einem Artikel für eine Schüler*innen-Zeitung beworben: „Mathematik begreifbar machen – Mehr Realitätsbezüge im Mathematikunterricht?“. Florian List plädiert für einen hohen Realitätsbezug im Schulunterricht: „Mathe ist keine abstrakte Wissenschaft, Mathe ist überall in unserem Alltag.“ Beispielsweise findet sich die Fibonacci-Folge in vielen natürlichen Mustern wie Schneckenhäusern oder Blüten. Bei der mathematischen Reihe wird eine Zahl mit der jeweils nächsten addiert. Florian List möchte seine Schüler*innen mit praktischen Problemen konfrontieren, etwa einem Beachvolleyball-Feld, bei dem Sand aufgeschüttet werden muss. Aber wie viel? „Wenn Schüler*innen verstehen, wofür bestimmte Rechnungen nötig sind, kann sie das stärker motivieren“, sagt Florian List. 
Besonders liegt ihm das Thema Diversität am Herzen und hat dies auch in seinem Motivationsschreiben angeführt: „Sprache trägt viel dazu bei, ob sich alle eingebunden fühlen. Gerade Mädchen denken oft, Mathe sei etwas für Jungs. Aber Geschlecht definiert nicht, was ich kann“, erklärt der Student. Wie Rebecca Wisbar absolvierte auch Florian List vor seinem Studium eine Bank-Ausbildung. „Mir wurde klar, dass ich gern die Zukunft von Menschen mitgestalten möchte. Ich will ihnen Werte wie Toleranz und Verantwortungsbewusstsein vermitteln. Deshalb habe ich mich entschieden, Lehrer zu werden.“ Bevor er seinen alten Beruf an den Nagel hängte, absolvierte Florian List ein Praktikum, um seine Entscheidung zu überprüfen. „Ich habe an meiner alten Schule hospitiert und gemerkt, wie viel Freude mir der Umgang mit Kindern und Jugendlichen macht. Man arbeitet zusammen und irgendwann macht es bei den Schüler*innen Klick. Das sind die schönsten Momente.“
 

Mit dem FundaMINT-Stipendium fördert die Telekom-Stiftung engagierte Lehrpersönlichkeiten sowohl finanziell als auch ideell. Das Stipendium wird jährlich an 35 Lehramtsstudierende mit den Fächern Mathematik, Chemie, Physik, Informatik oder Technik vergeben. Die Deutsche Telekom-Stiftung fördert Bewerber*innen bestehende Systeme hinterfragen, sich für Schule, Bildung und die Gesellschaft engagieren und offen für neue Ideen und Erfahrungen sind. Das Stipendium wird auch an Quereinsteiger oder Bewerber*innen vergeben, die vor ihrem Lehramtsstudium schon ein anderes Studium begonnen oder absolviert haben und sich erst in einem zweiten oder dritten Schritt für das Lehramtsstudium entschieden haben.