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Ranga Yogeshwar bei der Startwoche 2020: „Cities are not equal“

06.10.2020 Der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar war Keynote-Speaker am dritten Tag der Startwoche. Die Erstsemester-Studierenden hatten Gelegenheit, mit ihm online über die Zukunft der Städte zu diskutieren.

Ranga Yogeshwar diskutierte online mit Erstsemester-Studierenden. ©Leuphana / Sokolis
Ranga Yogeshwar diskutierte mit Erstsemester-Studierenden.

Je dunkler die Quadrate auf der Karte von Chicago sind, desto mehr Corona-Tote gab es in diesen Teilen der Stadt. Es ist auffällig, dass die Quadrate nicht gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt sind. Sie kumulieren in Vierteln höherer wirtschaftlicher Unsicherheit und zeigen Ranga Yogeshwar vor allem: „Cities are not equal.“ Die Corona-Krise habe Unterschiede an verschiedenen Stellen verdeutlicht. Der Wissenschaftsjournalist zeigt Bilder zweier Häuser: eine Villa mit großem Garten und ein Mehrfamilienhaus ohne Balkone. Der Lockdown mag für alle gegolten haben, erlebt wurde er je nach Wohnsituation aber wohl anders. 
Dennoch hätten die deutschen Großstädte wenig mit den Mega-Cities etwa in Asien zu tun: Ranga Yogeshwar zählt Namen von chinesischen Städten auf, die wohl nur wenige der rund 1400 Erstsemester-Studierenden kennen dürften, die dem Physiker online zuhören: Shenzhen erbringt etwa die Wirtschaftsleistung von Schweden; Guanchu ist vergleichbar mit der Schweiz. Bilder von Kairo zeigen die hohe Luftverschmutzung über der Stadt, während Berlin über viele Grünflächen verfügt und auch nur wenige Hochhäuser zu sehen sind. Anders die Shibuya-Kreuzung in Tokio: Sie wird außerhalb von Corona täglich von rund 500 000 Menschen gequert. Allerdings nicht ohne Regeln zu beachten, wie etwa den Zebrastreifen über den sie gehen. Ampeln und Verkehrsschilder sind in jeder Stadt gegenwärtig: „Cities are not places of liberties. Everywhere we have restrictions”, erklärt Ranga Yogeshwar. 
Digitale Innovation ist für den Physiker eng an die Stadtentwicklung gekoppelt: “The digital age is not only changing us, but also our cities.” Er glaubt, dass sich das Einkaufen in Städten dramatisch ändern könnte und berichtet von einem Geschäft eines großen Online-Händlers in der Innenstadt von San Francisco. Zwar wirkt dort alles wie in einem normalen Laden, aber es gibt keine Kassen. Alle Einkäufe werden digital über eine App erfasst und bezahlt. Personal wird kaum noch gebraucht. Auch die Zukunft großer Shopping-Malls ist für Yogeshwar fraglich. Seit Beginn der Corona-Pandemie würden noch mehr Menschen online bestellen. Das digitale Zeitalter könne also die Topologie der Städte beeinflussen. Yogeshwar berichtet von dem Bau eines Bürogebäudes in München, das mittlerweile in seiner Größe um die Hälfte reduziert worden sei. Es habe in einer digitalisierten Welt wenig Sinn, wenn Menschen am Tag rund zwei Stunden im Stau oder einer S-Bahn verlören, um dann in einem Büro vor einem Laptop zu sitzen. 
Ranga Yogeshwar diskutierte mit den Studierenden auch über das Für und Wider von Datenerhebung innerhalb der Bevölkerung: „Data collection has a lot of good, you can plan a lot of things“, antwortet der Wissenschaftsjournalist auf die Frage eines Studierenden. Andererseits würden künstliche Intelligenzen die Privatsphäre kaum respektieren. In China akzeptierten Menschen ein hohes Maß an Datenerfassung, da sie sich dadurch sicherer fühlten. In Deutschland hingegen gab es bereits große Diskussionen wegen der Corona-App. Allerdings ändere sich auch hier die Einstellung zur Datenerhebung, wenn es um die eigene Sicherheit gehe. Yogeshwar verwies etwa auf Kneipenbesuche, die ohne das Hinterlassen der eigenen Adresse während der Corona-Pandemie nicht mehr möglich wären. Ähnlich sei es beim Bezahlen. Immer mehr Menschen täten dies in Corona-Zeiten bargeldlos, weil es erwünscht sei: „We are entering an age where this digital grammer is be coming global.“