Hybride Lehre

Hybride Lehre bedeutet an der Leuphana synchrone Lehre mit Teilnehmenden vor Ort und online zugeschalteten Teilnehmenden. Dazu heißt es in den Neufassungen der Anlagen 12, 13 und 18 bzw. den Anlagen II zu den Rahmenprüfungsordnungen der Leuphana Universität (§2(2)):

Hybride Lehrformen sind Lehrveranstaltungen, in denen ein System eingesetzt wird, bei dem sowohl die Lehrperson als auch die physisch im Veranstaltungsraum anwesenden Studierenden mittels einer Kamera und eines Richtmikrofons audio-visuell erfasst und über ein Videokonferenzsystem an diejenigen Teilnehmenden der Lehrveranstaltung übertragen werden können, die nicht physisch anwesend und der Lehrveranstaltung von einem anderen Ort aus zugeschaltet sind [...]. Die nicht physisch anwesenden Teilnehmenden werden ihrerseits simultan audio-visuell erfasst und mittels des Videokonferenzsystems auf einen Bildschirm und Lautsprecher im Veranstaltungsraum übertragen.

Ein Teil der Studierenden nimmt somit vor Ort an der Veranstaltung teil und gleichzeitig ist ein anderer Teil der Studierenden online über einen Meetingraum, z.B. über den Videokonferenzdienst Zoom, anwesend. Daraus ergibt sich eine Vielzahl von Interaktionsmöglichkeiten, die je nach Lehrveranstaltung und didaktischem Setting variieren können.

Eine Videoübertragung - und damit das hybride Format - ist jedoch nur für die Lehrveranstaltungen zulässig, in denen eine interaktive Diskussion der Teilnehmenden notwendiger Bestandteil der Veranstaltung ist. (ebd., §2(2)2.b):

Das [eine interaktive Diskussion] ist grundsätzlich nur bei Seminaren und Kolloquien [...] anzunehmen. Über Ausnahmen entscheiden die Studiendekan*innen in Abstimmung mit den Modulverantwortlichen.

Im Folgenden finden Sie Hinweise zu einigen wichtigen Fragen zur Planung und Umsetzung der hybriden Lehre. Dies betrifft die Möglichkeiten zur Interaktion ebenso wie den Modus der Rotation, der Situation im Raum (Bestuhlung), den Voraussetzungen und Bedingungen für die Videoübertragung sowie den Möglichkeiten für formatives und summatives Feedback.

Eine Skizze zum möglichen Ablauf eine hybriden Seminarsitzung wird in Kürze auf diesen Seiten verfügbar sein.

Interaktive Szenarien

Interaktion ist die wechselseitige Bezugnahme und das Beziehungsgefüge zwischen zwei oder mehreren Teilnehmenden. Dies kann sich also auf einen Teil der Gruppe oder auf ihr Ganzes beziehen. Das Besondere bei der hybriden Lehre ist, dass es so genannte Präsenzgefälle zwischen den Teilnehmenden gibt. Die einen befinden sich an einem neutralen Ort, können sich spontan im Raum etwas zurufen, spüren die Stimmung, sehen womöglich mehr als die Teilnehmenden vor dem Bildschirm. Die anderen sind auf eigenen Knopfdruck hin anonym, befinden sich in ihrem Zuhause oder einem anderen selbstgewählten Ort, können aus der Distanz beobachten und im Stillen mit anderen Onlineteilnehmenden kommunizieren.

Die hybride Ausstattung der Seminarräume sieht vor, dass eine Kamera und ein Mikrofon die Geschehnisse im Raum überträgt. Dazu läuft eine Zoom-Videokonferenz, der auch die online Teilnehmenden zugeschaltet sind. So wird es bei einer Seminargröße von 30 Studierenden und einer Präsenzquote von 30% 21 Kacheln im Konferenzsystem geben, wobei eine Kachel den gefilmten Seminarraum mit den physisch anwesenden Personen zeigt, alle anderen Kacheln je eine*n online zugeschaltete Person. Während die virtuell teilnehmenden Personen die Videokonferenzkacheln auf ihrem Computer-Bildschirm sehen, sehen die physisch teilnehmenden Personen diese über den per Beamer-Projektion geteilten Bildschirm der Lehrperson.
 

Wie können die Online- und Präsenzteilnehmenden miteinander interagieren?

Die folgenden Szenarien sind hypothetisch, momentan gibt es noch wenig Erfahrungen mit hybriden Lehr-Lern-Settings. Auch sind es nur drei Szenarien, um erste Vorstellungen der Gestaltung hybrider Lehre zu entwickeln. Viele Mischformen sind natürlich genauso denkbar. Die Gegebenheiten, Ressourcen sowie Neigungen und Gegenstände der Veranstaltung werden sicherlich bei Entscheidungen und Mischungen die zentrale Rolle spielen.

Zu den Gegebenheiten gehören u.a. die technische Ausstattung des jeweiligen Seminarraums, die technischen Möglichkeiten der Student*innen, die Größe der Gruppe in der Veranstaltung und ob unter den Teilnehmer*innen Personen mit erhöhtem Risiko oder solche, die mit Personen zu tun haben, die stärker gefährdet sind, dabei sind.

Es ist unbedingt wichtig, im Vorfeld mit den Teilnehmer*innen den Modus für die rotierende Teilnahme vor Ort bzw. virtuell abzusprechen, um z.B. herauszufinden, wer zu einer Risikogruppe gehört, wer aus verschiedenen Gründen kein Zimmer in Lüneburg hat, wer nur eingeschränkt über die notwendigen technischen Voraussetzungen für die virtuelle Teilnahme verfügt oder anderen Bedingungen unterworfen ist, welche die eine oder andere Variante zwingend erforderlich machen. Es ist ebenfalls wichtig, diesen Modus wiederholt zu thematisieren.
 

Die Seminarteilnehmenden sollen sich kennenlernen

Zunächst würde das schlicht etwas bedeuten, was u. U. selbstverständlich scheint (es aber nicht ist, wie später deutlich wird), nämlich, dass alle Teilnehmer*innen synchron miteinander die Termine wahrnehmen. Ein Teil sitzt dabei im Seminarraum, ein Teil ist über Video zugeschaltet.

Die Art und Weise der Rotation kann vielleicht (je nach Gruppengröße und Einschränkungen der Seminarteilnehmer*innen) so gestaltet werden, dass die Zusammensetzung der jeweiligen Teilgruppen, die physisch bzw. virtuell teilnehmen, variiert. Ein Grund, der dafürspricht, ist, dass man sich auch online anders wahrnimmt, wenn man sich zuvor physisch begegnet ist und dass eine unterschiedliche Zusammensetzung Untergruppenbildung verhindert, wenn es gut, ist, dass die Gruppe als Ganzes gut zusammenarbeitet.
 

Teilgruppen sollen sich möglichst gut untereinander kennen und zusammenarbeiten

Möglicherweise wird es in einer Veranstaltung Projektgruppen geben. Die Zusammenarbeit in den Projektgruppen profitiert natürlich von den Gelegenheiten und der Kontinuität der Begegnungen. In diesem Fall kann es genau anders als im ersten Szenario hilfreich sein, wenn immer die gleiche Gruppe entweder im Seminarraum oder online zusammentrifft. Je nach Zusammensetzung der Gesamtgruppe und deren Lebensbedingungen kann es sogar vorkommen und hilfreich sein, wenn es immer die gleichen sind, die physisch zusammenkommen und die gleichen, die sich online treffen. Das ist dann nicht ungerecht, sondern folgt den Gegebenheiten und hätte den Vorteil, dass die jeweiligen Gruppen gut den zu ihnen passenden Modus der Interaktion finden können. Letzteres kann bei manchen Lerngegenständen sogar explizit zum Thema gemacht werden.


Hybride-Lehre mit synchronen und asynchronen Elementen

Diejenigen, die bereits Erfahrungen mit hybriden Veranstaltungsformaten gemacht haben, berichten recht einhellig davon, dass die Herausforderung und Komplexität groß ist. Die Teilnehmenden haben sich teils physisch teils virtuell vor Augen, was eine jeweils unterschiedliche Form der Interaktion mit sich bringt. Unter Umständen soll eine Interaktion zwischen allen, also physisch und online präsenten Teilnehmer*innen ermöglicht werden, was sehr gut abgestimmte Gesprächsregeln und eine strukturierte Moderation sowie ggfs. den Einsatz mehrerer Endgeräte erforderlich macht. Materialien müssen hin und her transportiert werden können. Und, ganz grundlegend, es gilt die Technik überhaupt zu bedienen und dabei auch noch darauf zu achten, wer wen wann sehen und hören kann/soll oder auch gerade nicht sehen und hören kann/soll. Hybrid kann auch bedeuten, einen Teil der Gruppe im Seminarraum zu haben und der andere Teil der Gruppe arbeitet ohne Videokonferenz-Schaltung zeitgleich oder zeitlich versetzt an Aufgaben. Hier muss natürlich sichergestellt werden, dass die jeweiligen Diskussions- bzw. Arbeitsergebnisse geteilt werden. Auch muss es in diesem Modell auf jeden Fall eine Rotation geben und die Rotation kann beinhalten, dass es Sitzung gibt, in denen Teilnehmer*innen nur online dabei sind, weil es eine Gruppe gibt, die eben aus benannten Gründen nicht in den Veranstaltungsraum kommen kann.

Rotationsprinzip

Bei hybrider Lehre befindet sich lediglich ein Teil der Studierenden physisch präsent im Veranstaltungsraum (siehe auch Bestuhlung). Zur Auswahl der Studierenden gilt (gemäß §2(2)4. der Anlagen zu den Rahmenprüfungsordnungen):

Wenn für die Teilnahme an der Lehrveranstaltung in Präsenz mehr Interessenten vorhanden sind als Plätze im Veranstaltungsraum zur Verfügung stehen, nehmen die Studierenden an der Lehrveranstaltung abwechselnd nach einem Rotationsprinzip teil. Über die Teilnahme in Präsenz entscheidet die verantwortliche Lehrperson anhand folgender Kriterien:
• didaktisch-methodische Gründe,
• dem Wunsch der Studierenden nach Teilnahme in Präsenz und
• der Angabe, ob Studierende selbst oder durch sie zu pflegende oder zu betreuende Personen einer Risikogruppe angehören.
Soweit diese Daten personenbezogen sind, sind sie spätestens nach Beendigung der Vorlesungszeit zu löschen.

Dies bedeutet also, dass zunächst die Lehrperson entscheidet, ob und wie viele Studierende tatsächlich anwesend sein sollen bzw. dürfen. Darüber hinaus sind bei der Auswahl der physisch Teilnehmenden sowohl der eigene Wunsch der Studierenden, als auch ihre gesundheitliche Situation bzw. die der von ihnen betreuten Personen zu berücksichtigen. Zudem sollten sich die Studierenden, die in Präsenz teilnehmen, regelmäßig abwechseln (rotieren).

Bestuhlung

Für die in Präsenz teilnehmenden Studierendengruppen gibt es für jeden Seminarraum eine vorgeschriebene Anordnung von Tischen und Stühlen inkl. einem Belegungsplan mit der maximalen Teilnehmer*innenzahl. Diese Anordnung darf von den Lehrenden nicht verändert werden. Die entsprechenden Raumpläne und Belegungszahlen finden Sie auch in myStudy. Sie werden ebenfalls zeitnah auch in den Räumen selbst aushängen.

In jedem Fall sind für die in Präsenz teilnehmenden Personen die Schutzmaßnahmen zu beachten, die in der Hygienerichtlinie für Lehrveranstaltungen ausführlich beschrieben und durch die allgemeine Sars-CoV-2-Hygienerichtlinie ergänzt werden. Dies bedeutet u.a. auch, dass das Unterschreiten des Mindestabstands nur für kurze Zeiträume und nur unter Benutzung eines Mund-Nasen-Schutzes gestattet ist.

Übertragung von Bild und Ton

Unter welchen Voraussetzungen dürfen Bild und Ton übertragen werden? Grundsätzlich gilt: Bild und Ton werden nicht aufgezeichnet. Die Daten dürfen nicht manuell gespeichert und verarbeitet werden. Es ist nicht erlaubt, das nichtöffentlich gesprochene Wort anderer unbefugt aufzunehmen, dies stellt einen Verstoß gem. § 201 Abs. 1 Nr. 1 StGB dar. Die Veranstaltungsteilnehmer*innen sollten darauf ausdrücklich hingewiesen werden.

Gemäß §2(2)2.b der Anlagen 12, 13 und 18 bzw. den Anlagen II zu den Rahmenprüfungsordnungen  dürfen grundsätzlich nur diejenigen Lehrveranstaltungen hybrid mit Videoübertragung aufgebaut sein, in denen Diskussionen gewünscht und erforderlich sind. Audio- und Videoübertragen der Studierenden vor Ort sind auch dann nur für die Zeiten zulässig, in denen die Teilnehmenden tatsächlich miteinander interagieren. Hält die Lehrperson oder ein*e Teilnehmer*in beispielsweise einen Vortrag, darf keine Videoübertragung der physisch teilnehmenden Studierenden erfolgen; die Kamera ist in diesen Phasen entsprechend anders auszurichten und das Mikrofon auszustellen.

Studierende, die online zugeschaltet sind, sollen ihre Kamera und ihren Ton zuschalten. Ihnen muss jedoch auch gestattet werden, ohne die Nutzung einer Kamera oder eines Mikrofons über das Videokonferenzsystem an der Veranstaltung teilzunehmen (§2(2)3.d). In jedem Fall ist es erforderlich, dass Sie die Videokonferenzschaltung mit einem Passwort sichern und den Studierenden dieses für ihre Teilnahme übermitteln.

Tipp: Lehrpersonen wird empfohlen, in der ersten Sitzung mit den Studierenden darüber zu sprechen, wie es sich anfühlt, auf einen Bildschirm mit schwarzen Kacheln zu blicken. Idealerweise erstellen Lehrpersonen gemeinsam mit den Studierenden Regeln für die hybride Lehrveranstaltung.

Technik und technischer Support

Um eine Lehrveranstaltung im hybriden Format abzuhalten, ist es erforderlich, dass zusätzlich zur installierten Raumkamera und dem Richtmikrofon folgende Infrastruktur geschaffen wird:

  • Einrichtung einer Zoom-Videokonferenz und Bereitsstellung der Zugangsdaten an die online zugeschalteten Teilnehmenden (s.o.)
  • Verbindung des USB-Kabels mit einem Computer, um Bild und Ton des Raums in die Videokonferenz einzuspeisen
  • Anschluss eines (desselben) Computers via HDMI oder VGA, um die Videokonferenz im Raum selbst zu projizieren.

Die neu angeschafften und installierten Raumkameras und Richtmikrofone werden von den Kolleg*innen des AVM betreut und gewartet. Diese werden rechtzeitig zum Semesterstart mit konkreten Anleitungen zur Bedienung der Technik unterstützen. Zudem werden für den Semesterbeginn Tutor*innen eingestellt, die den Lehrenden in der ersten Zeit in jedem Gebäude helfend zur Seite stehen.

Unabhängig davon ist es u.U. empfehlenswert, schon bei der Planung der hybriden Szenarien studentische Co-Moderator*innen mit einzuplanen, die während der Sitzung ein Auge auf den reibungslosen Ablauf und die Technik haben.

Feedback

Gerade bei der Einführung und Erprobung neuer Formate ist  regelmäßiges Feedback schon während des Semesters z.B. nach jeder Sitzung von großer Bedeutung. Was hat gut geklappt? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Was fehlt und wie können die Beteiligten ein gutes Lehren und Lernen noch besser unterstützen?

Zudem steht wie jedes Semester auch das qualitative Feedbackformat Shift! und die Lehrveranstaltungsevaluation zur Verfügung. Beide sind auch für hybride Veranstaltungsformate sehr empfehlenswert.