Interaktion in der hybriden Lehre

In Ihren Präsenzveranstaltungen setzen Sie oft ganz intuitiv aktivierende Methoden ein. Diese fördern nachgewiesenermaßen die Motivation und somit nachhaltiges Lernen. Doch wie gelingt dies in hybriden Lehrveranstaltungen? Auch für die hybride und die Online-Lehre gilt, dass der Lernerfolg höher ist, je stärker die Studierenden sich beteiligen und beteiligt werden.

Im Schnitt werden etwa 1/3 der Teilnehmenden vor Ort sein, 2/3 nehmen ortsunabhängig online an Ihrer hybriden Lehrveranstaltungssitzung teil. Dies bedeutet bei einer Seminargröße von 30 Personen, dass Sie mit etwa 10 Personen direkt und mit weiteren 20 über das Medium der Videokonferenz kommunizieren. Erfahrungswerte zeigen, dass Teilnehmende in Präsenz oft stärker mitmachen und direkter miteinander kommunizieren  – sei es aufgrund des persönlichen Kontakts, dem Einsatz von Mimik und Gestik oder der Gemeinschaft im Seminar – und Onlineteilnehmende dadurch aus dem Fokus geraten können. Um einer solchen Schieflage vorbeugen zu können, ist es empfehlenswert, die Onlineteilnehmenden immer wieder aktiv in den Mittelpunkt zu rücken. Damit stellen Sie sicher, dass diese sich nicht als Beiwerk oder passive Zuhörende empfinden und ein gleichberechtigtes Lernen miteinander eher möglich ist.

Das beschriebene Präsenzgefälle wird u.U. auch dadurch verstärkt, dass über die Raumkamera die verbale Interaktion der Präsenzteilnehmenden für die Onlineteilnehmenden kaum visuell abbildbar ist. Daher empfehlen wir, dass Präsenzstudierende auch ein digitales Endgerät mitbringen, mit dem sie sich in der Videokonferenz einloggen. So können sie in der Plenumssituation auch direkt die Onlineteilnehmenden ansprechen. Bitte achten Sie in jedem Fall bei einem solchen Setting darauf, dass im Seminarraum nur maximal EIN Mikrofon (im besten Fall das Raummikrofon) aktiviert ist. Anderenfalls können störende Rückkoppelungen entstehen. 

Die Benutzung digitaler Endgeräte der Präsenzteilnehmenden ermöglicht darüber hinaus auch Kleingruppenarbeiten in Breakoutrooms mit gemischten Gruppen (Online und Präsenz). Hierbei ist zu beachten, dass die Studierenden jeweils ein Headset mit Kopfhörer und Mikrofon benutzen, um Nebengeräusche zu minimieren.

Auf dieser Seite stellen wir Ihnen nun einige Beispiele vor, wie die Interaktion in einem hybriden Seminarsetting zwischen in Präsenz anwesenden Studierenden und online zugeschalteten gelingen kann.

Wir sind auch auf Ihre Erfahrungen und Planungen gespannt:  Welche Methoden haben sich für Sie schon bewährt? Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Beispiele aus der Lehre via digi-support@leuphana.de mitteilen!

Kennlernprozess und Gruppenbildung

Auch hybride Lehrveranstaltungen starten in diesem Semester zunächst online. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Studierenden die gleiche Möglichkeit haben, Informationen über den Inhalt und den Ablauf der von ihnen besuchten Lehrveranstaltungen sowie die geplanten Sitzungen zu erhalten. Zudem haben Sie als Lehrperson sicher schon Ideen, wie Sie die Rotation der Präsenzstudierenden umsetzen werden. Hinweise dazu sowie eine kleine Einführung zum hybriden Lehrformat (siehe Beispielfolien von Dr. Mercedes Corrales-Carvajal) sind für Ihre Studierenden sicher von großem Interesse. 

Das Kennenlernen Ihrer Studierenden untereinander können Sie fördern, indem Sie zu Beginn des Semesters oder auch anlassbezogen in einzelnen Sitzungen eine thematische Frage stellen und anschließend von jede*r Studierenden ein kurzes Statement zum Thema sowie ein paar Worten zu sich als Person einfordern. Dies können Sie – in reinen Online-Sitzungen mit Zoom – durch das Whiteboard oder den Chat visuell unterstützen. Bei größeren Gruppen und im Verlauf des Semesters ist es empfehlenswert, die Studierenden in Kleingruppen – so genannte Breakout-Rooms – einzuteilen und dadurch aktivere Diskussionen zu ermöglichen, die nicht viel Zeit beanspruchen. 

Co-Moderation und Lüftungspausen

Damit Sie als Lehrperson sich auf das fachliche Gespräch und die Interaktion konzentrieren können, empfehlen wir, dass Sie die Studierenden in die Sitzungsgestaltung einbeziehen und verschiedene Rollen vergeben. So können Studierende die Funktion einer Co-Moderator*in übernehmen, auf die Einstellung von Kamera und Mikrofon achten, den Chat beobachten oder die Liste der Redner*innen führen und Sie damit aktiv in Ihrer Sitzungsgestaltung unterstützen. Darüber hinaus geben Sie den Studierenden damit die Möglichkeit, weitere überfachliche Kompetenzen einzuüben. 

Da jeder Seminarraum mind. alle 20 Minuten für 3-5 Minuten quergelüftet werden muss, um einen gründlichen Luftaustausch sicherzustellen und damit das Infektionsrisiko zu senken, sollten Sie diese Koordination und Umsetzung an Studierende delegieren. Diese achten auf die Zeitabstände und öffnen die Fenster und Türen für einen begrenzten Zeitraum. Abhängig von Ihrem Sitzungskonzept, den Außentemperaturen und evtl. Störgeräuschen können Sie diese Pausen z.B. aktiv für eine kurze Bewegungseinheit nutzen, welche die Hygiene- und Abstandsregeln berücksichtigt (z.B. mit MoBe)

Kollaborative Textarbeit

Durch Textdokumente wie das Leuphana Etherpad, das Moodle-Forum oder ein LehrWiki können Studierende gleichzeitig und gleichberechtigt ihre Beiträge einbringen.

An der Leuphana steht Lehrenden für das Social Reading – das gemeinsame, aber zeitversetzte und räumlich entkoppelte Lesen und Diskutieren von Dokumenten – innerhalb von Moodle das Annotationstool PDF-Annotations zur Verfügung. Didaktische Tipps zum Social Reading und eine Anleitung, wie die Sie das Tool PDF-Annotation in Moodle nutzen, finden Sie in unserer Handreichung zum Social Reading mit Moodle.

Ausführliche Informationen zu weiteren Tools, die das gemeinsame digitale Arbeiten der Studierenden unterstützen, finden Sie in unserem Navigator Gemeinsames Lernen in Online-Umgebungen.

Umfragen und visuelle Reaktionen

In Zoom stehen Ihnen für die nonverbale Kommunikation mit den Teilnehmenden Reaktions-Icons über die Fußleiste oder über die Teilnehmer*innenliste zur Verfügung. Einige Symbole erscheinen direkt in der Kachel, andere werden neben dem Namen in der Teilnehmer*innenliste visualisiert. Zudem können Sie mit Zoom Umfragen erstellen, um z.B. in eine Diskussion einzusteigen oder Vorwissen abzufragen. Nähere Informationen dazu finden Sie in unserem Skript Interaktion und Zusammenarbeit mit Zoom.

Über direkte Audience Response Systeme (Pingo, Mentimeter o.ä.) können Sie schnell Feedback von Ihren Studierenden einholen. Diese benötigen dazu ein digitales Endgerät. Nähere Informationen zu den unterschiedlichen Anwendungen und ihren Einsatzgebieten erhalten Sie auf unserer Webseite zu Audio Response Systemen in der Lehre.

Podiumsdiskussion mit aktivem Plenum

Bei der interaktiven Methode "Podium mit Plenumsdiskussion" geht es vor allem darum, Online- und Präsenzteilnehmende zu einem Thema miteinander in Austausch zu bringen, Argumente zu formulieren, anzuhören und Perspektivwechsel anzuregen. Dazu bitten Sie alle Studierenden, entweder in Vorbereitung der Sitzung (z.B. im Rahmen einer Textlektüre) oder ad hoc in der Sitzung Position zu einer konkreten Frage zu beziehen. Diese könnten Sie auf einer Powerpoint-Folie oder dem Whiteboard visualisieren.

Es schließen sich drei Diskussionsrunden an die Einzelarbeit an. Alle Teilnehmenden mit Ausnahme der Podiumsgäste schalten in der ersten und zweiten Runde ihre Kameras aus. In der dritten Runde sind wieder alle sichtbar.

  • In der ersten Runde formulieren drei ausgewählte Teilnehmende (Podiumsgäste) ihre Statements zur Frage. Die Auswahl der Podiumsgäste können Sie vorbereitend oder ad hoc vornehmen. Bevorzugt sollten Sie hier die Onlineteilnehmenden berücksichtigen.
  • In der zweiten Runde tauschen sich die drei Podiumsgäste miteinander aus. Hier ist ein offenes Mikrofon der Podiumsgäste zu empfehlen, um direkte Bezugnahme zu ermöglichen.
  • In der dritten Runde schaltet sich dann das Plenum in die Diskussion ein.

Im Anschluss können Sie eine Auswertung durchführen, in der Beobachtungen und Resümees unter allen Studierenden geteilt werden können.
 

Weitere interaktive Settings (inspiriert von Nathalie Pöpel)

Rollenspiel: Die Rollenspieler*innen bereiten sich in Breakout-Räumen vor. In dieser Zeit erarbeiten Sie mit dem Rest des Plenums Beobachtungsfragen für die gespielte Szene. Danach beginnt das Rollenspiel im Hauptmeetingraum.

Pro/Kontra-Diskussion: Sie formulieren eine Fragestellung (Problemfragen, Entscheidungsfragen)/ein Diskussionsthema und teilen die Gruppen in zwei Hälften ein. Die Gesamtgruppe sollte nicht zu groß sein. In zwei Breakout-Räumen bereiten sich die Teilnehmenden pro oder kontra vor. Die Zuteilung kann manuell oder automatisch erfolgen. Die Teilnehmenden können auch eigenständig den von Ihnen angelegten Breakout-Räumen beitreten und somit eine Gruppe wählen. Anschließend tragen alle Teilnehmenden im Hauptmeetingraum ein Argument vor. Im Anschluss können sich alle Teilnehmenden zu den vorgetragenen Argumenten frei austauschen.

Arbeit in Kleingruppen

Aus der digitalen Lehre kennen Sie bereits die Funktion der Breakout-Rooms, mit der Sie die Onlineteilnehmenden für eine begrenzte Zeit in private Räume schicken können, in denen sie sich in Kleingruppen untereinander besprechen und ggf. Aufgaben lösen. Im Seminarraum funktioniert dies oft durch das Zusammensetzen und Leise-Miteinander-Sprechen.

Da Sie aufgrund der Abstandsregeln diese gewohnten Kleingruppen in Präsenz derzeit nicht umsetzen können, empfehlen wir für entsprechende Arbeitphasen gemischte Kleingruppen zwischen Online- und Präsenzteilnehmenden mit der Unterstützung der Breakout-Rooms. Dazu benötigt jede Präsenzteilnehmer*in ein eigenes digitales Endgerät, mit dem sie sich in die Zoom-Konferenz einwählt, sowie ein Headset mit Kopfhörer und Mikrofon. Es hat sich bewährt, wenn alle Teilnehmenden an ihrem Namen einen Hinweis ergänzen, ob sie im Raum präsent oder online zugeschaltet sind (z.B. durch Voranstellen eines [P] oder [O]). So können Sie als Lehrperson - oder eine studentische Co-Moderator*in - leichter die Gruppen einteilen.

Wenn die Teilnehmenden in den Breakout-Room gewechselt sind, sollten Sie das Raummikrofon an Ihrem Laptop stummschalten. Bitte schalten Sie dieses erst wieder an, wenn Sie sichergestellt haben, dass keine der Präsenzstudierenden nach ihrer Rückkehr in den Zoom-Hauptraum das eigene Mikrofon noch aktiviert hat.

Nach der Gruppenarbeitsphase können Sie die Präsenzteilnehmenden bitten, von der Arbeit im Breakout-Room zu berichten und die Ergebnisse vorzustellen.

Streaming mit Rollenvergabe

Sollten Sie sich entscheiden, vor allem mit den Teilnehmenden in Präsenz in den Dialog zu treten und den online Teilnehmenden eine Beobachtung zu ermöglichen, wählen Sie die Variante des Streaming. Auch hierbei können Sie die online Teilnehmenden einbinden. So können Sie an diese verschiedene Rolllen vergeben, z.B. Disskussionsbeobachter*in, Protokollant*in, Argumentenprüfer*in. Diese können ihre Rückmeldungen textlich einspielen oder punktuell eine Sprechrolle übernehmen.

Weiterführende Literatur

Bruff, Derek (2020): Active Learning in Hybrid and Physically Distanced Classrooms, https://cft.vanderbilt.edu/2020/06/active-learning-in-hybrid-and-socially-distanced-classrooms/ [20.10.2020]

Hanke, Ulrike/Bach, Nina/Morath, Bianca (2020): Clevere Methoden für interaktive virtuelle Präsenzkurse. Clever lehren. Band 1, Bad Krozingen. www.hanke-teachertraining.de 

Lange, Bernhard (2020): Herausforderungen der Hybriden Lehre, https://www.unilu.ch/universitaet/dienste/lehre/zentrum-lehre/hybride-lehre/#section=c93129 [20.10.2020]

Lerngruppe „Von Analog zu Digital“ MOOCamp 2020 (2020): Von Analog zu Digital – 7x5 interaktive Workshop-Methoden, die auch online begeistern, https://read.bookcreator.com/VBTBmiXkvoUE98PpAUaM4DNGZvl2/77ZfcLDwTrumhFpRkmr9EA?fbclid=IwAR2K-_k1lRy46w35R9XZ2eSd6ds-S6IsM7pAzh_Qrz2KObPGWNhNEL5Vo8E [20.10.2020]

Pöpel, Nathalie (2020). Didaktisch Arbeiten mit Zoom. Einführung in Grundfunktionen mit didaktischen Beispielen. https://www.hs-osnabrueck.de/fileadmin/HSOS/Homepages/eLCC/Didaktisch_Arbeiten_mit_Zoom_Komplettanleitung2.pdf [20.10.2020].