Lehren und Lernen

Interdisziplinäre Lehre kann auf drei Ebenen Fachgrenzen überschreiten: mit dem zu behandelnden Thema oder durch die Verbindung verschiedener disziplinärer Kulturen (Methoden, Termini, Paradigmen u. ä.) entweder des Lehrpersonals oder der Student_innen. In jeder Dimension geht es darum, das Andere der jeweils beteiligten fachlichen Perspektiven zu erkennen, darüber das Spezifischen der eigenen Wahrnehmung bewusst zu machen sowie schließlich diese und jene synergetisch wirksam werden zu lassen.

Transdisziplinäre Lehre strebt an, Methoden, Theorien, Konzepte oder Erkenntnisse über fachliche, ggf. universitäre Grenzen hinweg zu kommunizieren bzw. in Interaktion zu bringen. Ziel ist es, kognitive oder gar ideologische Trennungen möglichst weitgehend zu transzendieren. So unterstützt die Leuphana Kollaborationen zwischen Vertreter_innen unterschiedlicher universitärer Fächer untereinander ebenso wie mit Akteuren außerhalb der Universität, z. B. aus Politik, Kultur, NROs oder Wirtschaft.

An der Leuphana zu lernen, bedeutet nicht nur, das vielfältige Fächerangebot individuell zu kombinieren, sondern insbesondere in den komplementären Studienelementen (Leuphana Studienmodell) von College, Graduate School und Professional School Gelegenheit für die Zusammenarbeit über fachliche Grenzen hinweg zu erhalten ebenso wie die Möglichkeit, die dafür nötigen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Lehre inter- bzw. transdisziplinär auszurichten, berührt nicht nur eine grundlegende erkenntnistheoretische Dimension, weil sie die Kontingenz universitärer Arbeitsweisen, Fachkulturen oder Erkenntnisse deutlich werden lässt, sondern sie macht auch konkrete materielle Effekte erforderlich: Lehrveranstaltungen mit dem Ansatz, Wissensbereiche, Methoden oder Akteure jenseits von Fachgrenzen zu verbinden, um mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile zu erzielen, fordern oft die vorhandenen Prozesse, Rahmenbedingungen oder Konventionen des hochschulischen Lehrens und Lernens heraus.

  • Inter- oder transdisziplinäres Lernen impliziert, eine eigene Fachlichkeit etabliert zu haben, um sie kritisch reflektieren und ggf. transzendieren zu können; es beinhaltet zudem Erkenntnisinteresse an fachübergreifenden Themen, Offenheit gegenüber einer Diversität an Perspektiven und Bereitschaft, die Fachkulturen anderer Akteur_innen wahr- und ernstzunehmen.
  • Inter- oder transdisziplinäre Lehre setzt eine Erkenntnisgegenstand voraus, der von verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen fruchtbar beobachtet werden kann; sie bedarf außerdem multidisziplinärer Aufbereitung sowie einer Didaktik bzw. Methodik, die den Rahmenbedingungen – Vielfalt der fachlichen Provenienz der teilnehmenden Student_innen, Lehrkräfte und ggf. außeruniversitärer Akteur_innen, vermehrter Zeitbedarf, Diversität der beteiligten Kulturen – Rechnung trägt.
  • Institutionelle oder strukturelle Aspekte von Inter- und Transdisziplinarität in Studium und Lehre berühren z. B. rechtliche Grundlagen (RPO, Curriculum, Verträge u. ä.), organisatorische Parameter (Raumgrößen, Zeit je Lehreinheit und in Semestern, Infrastruktur für Einheiten außerhalb des Campus, Technik etc.) oder auch ‚weiche‘ oder kulturelle Ausprägungen (Interaktions- und Kommunikationsweisen, Diskurse, Erwartungen).

Angebote des Referats für inter- und transdisziplinäre Lehre:

  • Reflexion, Beratung und Unterstützung bei Entwicklung und Umsetzung inter- oder transdisziplinärer Lehrentwicklungsprojekte.
  • Organisation und Mitgestaltung von Austauschformaten zum Interaktionsfeld ‚Bildung durch Inter- und Transdisziplinarität‘.
  • Beratung und Prozessbegleitung bei Studienprogramm- und Curriculumsentwicklungen, die Inter- oder Transdisziplinarität tangieren/fördern.
  • Unterstützung bei der Weiterentwicklung etablierter Verfahren oder Institutionen.