Reichweitenangst. Batterien und Akkus als Medien des Digitalen Zeitalters

24.-26.1.2019, Leuphana Universität Lüneburg

Veranstaltungsort: Leuphana Universität Lüneburg, Zentralgebäude (C 40.530)

Veranstalter: Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien (ICAM) in Kooperation mit dem Center for Digital Cultures (CDC)

Organisation: Jan Müggenburg

Kontakt: reichweitenangst@leuphana.de 

Elektrochemische Zellen gehören zu den technischen Möglichkeitsbedingungen des Digitalen Zeitalters. Als Medien der Flexibilisierung, Dezentralisierung und Mobilisierung elektrischer Netze haben Batterien und Akkus die raumzeitlichen Maßstäbe im 20. und 21. Jahrhundert verändert. Sie reorganisieren und erweitern die Räume digitaler Kulturen: Aus Cafés und Zugabteilen werden Arbeitsplätze und der Konsum von Musik, Podcasts oder Computerspielen wird ubiquitär. Dabei regelt die ›Elektromobilität‹ mittlerweile nahezu alle Bereiche des menschlichen Lebens: Vom Elektroauto über das Smartphone bis hin zu medizinischen Assistenzsystemen wie dem elektrischen Rollstuhl erweitern Batterien und Akkus den technischen Zugriff auf unseren Alltag. Nicht zuletzt ruhen auf ihnen die Hoffnungen ganzer Wirtschaftssektoren wie die der Automobilindustrie. Auf der Suche nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen erscheinen Batterien und Akkus als effiziente, nachhaltige und fortschrittliche Technologie.

Doch die Flexibilisierung, Dezentralisierung und Mobilisierung elektrischer Netze hat einen Preis: Batterien und Akkus sind zeitkritische Medien, die sich ständig im Zustand ihrer Entladung befinden. So meint der Begriff ›Reichweitenangst‹ – geprägt Ende der 1990er-Jahre im Kontext der Einführung des ersten serienproduzierten Elektrofahrzeugs General Motors EV1 – ursprünglich die Sorge, mit dem Auto wegen leerer Batterie fernab der ›Aufladeinfrastruktur‹ liegen zu bleiben. Und die Angst vor der Entladung beschränkt sich nicht auf den Verkehr: Die verzweifelte Suche nach einer Steckdose, wenn die Akkuladung des Smartphones unter 10% fällt, oder die Gewissheit, dass die Batterien medizinischer Assistenzsysteme bald ausgetauscht werden müssen, sind ebenfalls ein Ausdruck von Reichweitenangst. Auch in Bezug auf die Rolle von Batterien und Akkus als Hoffnungsträger des technologischen Wandels stellt sich die Frage der Reichweite: Ihre CO2-Bilanz ist umstritten und das ›Recycling-Problem‹ noch nicht gelöst. Durch den Abbau von Lithium, Kobalt und anderen Rohstoffen hat die vermeintlich ›grüne‹ Batterietechnologie unser Verhältnis zu den Ressourcen der Erde bereits verändert und globale Materialströme, Arbeitsverhältnisse sowie die soziale Lebenswelt ganzer Länder transformiert.

Ausgehend von dem Phänomen der Reichweitenangst beschäftigt sich die Tagung mit der Medialität und Materialität von Batterien und Akkus sowie ihrer Bedeutung für die Emergenz des Digitalen Zeitalters.

Programm

Donnerstag, 24. Januar 2019

Freitag, 25. Januar 2019

Samstag, 26. Januar 2019