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Studie: Soziale Bäume im Klimawandel

08.05.2020 Gerade trockenheitsempfindliche Bäume profitieren von Biodiversität. Wichtig sei der Artenreichtum auf kleinem Raum: „Die lokale Nachbarschaft ist entscheidend“, sagt der Ökologe Dr. Andreas Fichtner.

Der Klimawandel fördert Extremwetter. Daher werden Trockenheitsperioden wahrscheinlicher immer häufiger. Allerdings wachsen Bäume in einer artenreichen Nachbarschaft nicht nur besser, sondern sind auch widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit. Das fanden jetzt Forscher*innen der Leuphana im Rahmen des Forschungsprojekts BEF-China gefördert von der DFG heraus. Sechs Jahre lang untersuchten Wissenschaftler*innen das Wachstum von rund 3400 subtropischen Bäumen in einem der weltweit größten Biodiversitätsexperimente. Trockenheit verringert zwar die Produktivität und damit auch die Fähigkeit von Bäumen Kohlendioxid der Atmosphäre zu entziehen, eine kleinräumige Diversität kann aber die Einbußen erheblich mindern. „Beeindruckend ist der Befund, dass Interaktionen zwischen unterschiedlichen Nachbarn gerade diejenigen in der Gemeinschaft fördern, die am empfindlichsten gegenüber Trockenheit sind. Nachbarschaftsvielfalt wirkt somit wie ein soziales Netz und erklärt warum artenreiche Wälder gegenüber Klimawandel widerstandsfähiger sein können“, erklärt Fichtner.  Nachbarschaftsvielfalt kann die Wasserverfügbarkeit und –aufnahme in Trockenzeiten verbessern. Einige Baumarten wurzeln etwa flach und ziehen die Feuchtigkeit aus oberen Bodenschichten, andere wurzeln tiefer oder pumpen das Wasser in obere Bodenschichten. Die Konkurrenz um Wasser ist also in artenreichen Nachbarschaften geringer als in Nachbarschaften der gleichen Art.

Je höher die kleinräumige Diversität, desto besser – auch für den ganzen Wald. „Wie Bäume in der lokalen Nachbarschaft miteinander interagieren, ist wichtig für das Funktionieren des ganzen Ökosystems“, erklärt Fichtner. Der Ökologie plädiert deshalb für die Förderung einer kleinräumigen Baumartenvielfalt im Wald insbesondere in den Tropen und Subtropen, denn dort wachsen die Bäume besonders schnell. Biodiversität könnte im Klimawandel also immer wichtiger werden, um die Ökosystemleistungen von Wäldern zu stabilisieren. „Ökosystembasierte Lösungen, wie die Förderung von artenreichen Wäldern, sind ein wichtiger Baustein für Klimaschutzstrategien“, sagt Fichtner.

Dr. Andreas Fichtner ©Leuphana/Patrizia Jäger
Dr. Andreas Fichtner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ökologie.