Heinrich-Heine-Gastdozentur

Der deutsch-ira­ki­sche Schrift­stel­ler Ab­bas Khi­der über­nimmt die diesjähri­ge Hein­rich-Hei­ne-Gast­do­zen­tur und kommt vom 9. bis 11. Juni 2016 an die Leu­pha­na Uni­ver­sität Lüne­burg. Am 9. Juni stellt er im Rah­men ei­ner öffent­li­chen Vor­le­sung sei­nen ak­tu­el­len Ro­man „Ohr­fei­ge“ (Han­ser Ver­lag 2016) vor. Clau­dia Kra­mat­schek, Li­te­ra­tur­kri­ti­ke­rin und Kul­tur­jour­na­lis­tin, mo­de­riert. Die Ver­an­stal­tung be­ginnt um 19.30 Uhr im Hörsaal 3 auf dem Cam­pus Scharn­horst­s­traße der Leu­pha­na. Der Ein­tritt ist frei.

1973 in Bag­dad ge­bo­ren, wur­de Ab­bas Khi­der mit 19 Jah­ren we­gen sei­ner po­li­ti­schen Ak­ti­vitäten ver­haf­tet. Nach der Ent­las­sung floh er 1996 aus dem Irak und hielt sich als „il­le­ga­ler“ Flücht­ling in ver­schie­de­nen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutsch­land und stu­dier­te Li­te­ra­tur und Phi­lo­so­phie in München und Pots­dam. 2008 er­schien sein Debütro­man „Der fal­sche In­der“; es folg­ten die Ro­ma­ne „Die Oran­gen des Präsi­den­ten“ (2011) und „Brief in die Au­ber­gi­nen¬re­pu­blik“ (2013). Er er­hielt ver­schie­de­ne Aus­zeich­nun­gen, zu­letzt 2013 den Nel­ly-Sachs-Preis so­wie den Hil­de-Do­min-Preis.

In sei­nem ak­tu­el­len Ro­man „Ohr­fei­ge“ wirft Ab­bas Khi­der eine der zen­tra­len Fra­gen un­se­rer Ge­gen­wart auf: Was be­deu­tet es für ei­nen Men­schen, wenn er we­der in der Hei­mat noch in der Frem­de le­ben darf? Ein Flücht­ling be­tritt die Ausländer­behörde, um ein letz­tes Mal sei­ne zuständi­ge Sach­be­ar­bei­te­rin auf­zu­su­chen. Er ist wütend und hat nur ei­nen Wunsch: dass ihm end­lich je­mand zuhört. Als Ka­rim drei Jah­re zu­vor von der La­defläche ei­nes Trans­por­ters ins Freie springt, glaubt er in Frank­reich zu sein. Bis dort­hin hat er für sei­ne Flucht aus dem Irak be­zahlt. In Wahr­heit ist er mit­ten in der baye­ri­schen Pro­vinz ge­lan­det. Er kämpft sich durch For­mu­la­re und Asyl­un­terkünfte bis er plötz­lich sei­nen Wi­der­ruf erhält und ab­ge­scho­ben wer­den soll. Jetzt steht er wie­der ganz am An­fang.

Auf Uwe Timm, Juli Zeh, Ingo Schulze, Feridun Zaimoglu, Ursula Krechel, Jenny Erpenbeck und Saša Stanišićs folgt 2016 Abbas Khider als achter Gastdozent.