Was ist Gender?
"Wir Frauen, wir Männer ..."
Im Gegensatz zum Deutschen ist es mit dem englischen Begriff gender möglich zwischen dem sozialen Geschlecht (engl. gender) und dem biologischen Geschlecht (engl. sex) zu unterscheiden. Mit "Gender" ist immer ein differenzierter Blick auf beide Geschlechter (es handelt sich um eine dualistische Wahrnehmung der Geschlechter) also auf Frauen und Männer und die Geschlechterverhältnisse gemeint. Es gibt nicht die Frauen oder die Männer. Trotzdem werden beide Geschlechter meistens als eine homogene Gruppe mit geschlechtsspezifischen Zuschreibungen, Fähig-keiten und Rollen aufgefasst und entsprechend dargestellt.
Vom Sein und Werden der Geschlechter
Der von Simone de Beauvoir 1949 formulierte Satz "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es" (Original: "On ne naît pas femme, on le devient.") verdeutlicht, dass das Geschlecht/die Geschlechter und damit das Frau- bzw. das Mannsein nicht statisch und natürlich gegeben (Natur/Biologischer Determinismus) sind, sondern einen dynamischen, veränderlichen Charakter im Sinne eines "Frau-Werden" bzw. "Mann-Werden" (Gilles Deleuze) oder einer "kulturellen Performanz" (Judith Butler) haben. Das soziale aber auch das biologische Geschlecht stellt sich vor allem in den gesellschaftlichen Sozialisationsinstanzen her und ist damit ein Ergebnis von kulturellen und sozialen Prägungsprozessen.
"Gender" als analytisches Konzept
Die begriffliche Differenzierung zwischen dem sozialen und dem biologischen Geschlecht kann als ein analytisches Konzept angesehen werden, das es ermöglicht diejenigen Prozesse zu untersuchen, die Individuen zu Frauen und Männern machen.
Natur vs. Kultur?
Das dualistische Verhältnis zwischen sex (Biologie/Natur) und gender (Sozialisation/Kultur) wird in der Forschung ebenfalls problematisiert und kritisiert. Demzufolge stellt das biologische Geschlecht als eine natürliche Gegebenheit auch eine soziokulturelle Konstruktion dar. Die Annahme, dass es sich beim sozialen und biologischen Geschlecht um Konstruktionen handelt, bedeutet nicht, dass diese nicht existent sind. Denn sie sind real wirkungsmächtig und haben einen Einfluss auf individuelle Verhaltens- und Lebensmuster.
"Gender" als Querschnittskategorie
Das Geschlecht als eine sozial konstruierte Kategorie im Sinne von "Gender" nicht isoliert da, sondern wirkt mit anderen Differenzkategorien wie Alter, Religion, sexuelle Orientierung, Ethnizität, Bildung/soziale Herkunft, Kultur, körperliche, seelische oder geistige Beeinträchtigungen und Sprache zusammen. Diese Kategorien bilden verschiedene Dimensionen von Vielfalt und lassen sich unter dem Begriff "Diversity" zusammenfassen.
Mehr über Gender-Diversity erfahren


