Ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau soll entstehen

03.11.2021 Leuphana-Studierende veranstalten Gedenkwoche

Lüneburg. Der Arbeitskreis Campusgeschichte des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Leuphana Universität Lüneburg veranstaltet vom 8. bis 13. November eine Gedenkwoche unter der Überschrift „Aufbruch der Campusgeschichte in eine Erinnerungskultur“. Studierende und Öffentlichkeit sollen mit der Veranstaltung die Gelegenheit erhalten, sich über die Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus zu informieren und der Opfer zu gedenken. Im Zentrum steht eine Veranstaltung am 9. November. Geplant ist dann eine europaweite Aktion an Hochschulen mit der ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau entstehen soll.

Die Leuphana befindet sich auf dem Gelände einer 1936 errichteten, ehemaligen Wehrmachtskaserne. Dort waren seinerzeit u.a. das Infanterie-Regiment 47 und Teile der Infanterie-Division 110 der Wehrmacht untergebracht. Beide Einheiten waren unter anderem in Südosteuropa, in Nordafrika sowie in Russland im Rahmen des sog. „Unternehmens Barbarossa“ – dem Codewort für den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion – im Einsatz und an verschiedensten Kriegsverbrechen beteiligt. Die Studierenden wollen mit ihren Veranstaltungen auf diese Vergangenheit des Universitätsgeländes aufmerksam machen.

Im Rahmen der Gedenkwoche planen die Studierenden in Kooperation mit den Arolsen Archives für den 9. November eine europaweite Aktion an Hochschulen, um gemeinsam ein digitales Denkmal zu bauen. Die Arolsen Archives, ein internationales Zentrum zur NS-Verfolgung mit dem weltweit umfangreichsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus, stellt Dokumente aus den Zugangsmeldungen des Konzentrationslagers Dachau aus den November-Tagen des Jahres 1938 zur digitalen Erfassung der Inhalte bereit.

Durch das Erfassen von rund 400  Häftlingsnamen erinnern die Teilnehmenden aktiv an die Ereignisse am 9. November 1938 und besonders an die Verschleppung von bis zu 30.000 Juden in Konzentrationslager. Sie werden dabei mit dem sprunghaften Anstieg der Häftlinge im Konzentrationslager Dachau konfrontiert. Der „Haftgrund“ lautet stets: „Schutzhaft Jude“. Die Originaldokumente machen deutlich, wie aus Ausgrenzung offene Gewalt wurde.

Außerdem ist die Ausstellung #stolenmemory auf dem Campus vor der Mensa zu finden. Diese Multimediaausstellung wurde letztes Jahr mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet und richtet sich vor allem an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Veranstaltungen der Gedenkwoche im Überblick:
Montag 08.11.
Vortrag: von Prof. Ulf Wuggenig und Dr. Cheryce von Xylander – Selektive Erinnerung. Auf- und Abrüstung einer 1000-jährigen Provinzstadt
Dienstag 09.11.
Workshop: “(Ur)Opa war (k)ein Nazi?  – NS Täterschaft in der Familie und Gesellschaft” mit dem Leiter der KZ Gedenkstätte Neuengamme Oliver von Wrochem
"Long Night of the Digital Memorial" mit Dr. Christian Hölscher
Stadtrundgang und Stolpersteine putzen in Gedenken an die Pogrome 1938, Kooperation mit dem Anna und Arthur
Donnerstag 11.11.
Workshop: Antisemitismusprävention mit der Amadeu Antonio Stiftung
Freitag 12.11.
Lesung: "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen" mit Jennifer Teege
Samstag 13.11.
Führung: "Euthanasie"-Gedenkstätte
05.11 - 16.11.
Ausstellung: #stolenmemory mit den Arolsen Archives auf dem Campus

Weitere Informationen:

www.asta-lueneburg.de/themen/gedenkwoche/


Rückfragen und Anmeldungen: campusgeschichte@asta-lueneburg.de

Eine nähere Erläuterung des Vorgehens finden Sie hier:

enc.arolsen-archives.org/ueber-everynamecounts/behindthescenes/